• The Wall Street Journal

Warum Google Maps so viel besser ist

    Von WALTER S. MOSSBERG

Apple musste eine Menge gerechtfertigter Kritik für die Entscheidung einstecken, Google Maps auf dem iPhone durch eine eigene unreife und fehlerhafte Kartenapplikation zu ersetzen. In meinem insgesamt sehr positiven Test des neuen iPhone 5 nannte ich Apple Maps „den größten Nachteil" des Geräts und „einen Schritt zurück im Vergleich zur bekannten Google-App."

[image] Google

Google Maps zeigt Innenansichten von Gebäuden wie in diesem Beispiel das Mode-Kaufhaus Macy's in New York.

Dieser Schnitzer des Erzfeindes ist ein Geschenk an Google. Der Webriese nutzte die Chance, um einige Neuheiten für seine bereits sehr solide Maps-Apps anzukündigen, die auf Googles Android-Betriebssystem läuft, dem größten Konkurrenten des iPhones. Zu den Verbesserungen zählt die Möglichkeit, die mobilen Kartensuchen mit denen auf dem PC zu synchronisieren, Karten offline zu nutzen und spezielle Routen für Fahrradfahrer.

Deshalb habe ich mich in dieser Woche entschieden, Androids Maps-App auf Herz und Nieren zu prüfen. Mein Urteil: Google Maps ist eine reichhaltige, vielseitige, reife, überwiegend verlässliche App, die stetig besser wird. Auch Apple Maps hat seine Mängel – wie einige Ungenauigkeiten, die ich entdeckt habe. Dennoch haben mit Apples Wechsel Android-Smartphones einen klaren Vorteil bei dieser wichtigen Funktion.

In the aftermath of Apple's botched iOS 6 Maps app, Google is releasing their new Maps app for the Android phone. Walt Mossberg tells us, that if mapping is mostly what you do with your phone, the Android right now is the way to go. (Photo: Google)

Bevor ich jetzt zu den Details komme, lassen Sie mich noch schnell hinzufügen, dass Google sagte, dass sie ihren Kartendienst auch auf iPhone und iPad haben wollen, weil die Plattform schlicht zu groß sei, um sie für die Dienste und Werbung des Unternehmens zu ignorieren. Google hat darauf hingewiesen, dass iPhone-Nutzer immer noch Zugriff auf eine limitierte Version von Google Maps via Webbrowser haben.

Tatsächlich hat Google am heutigen Donnerstag die populäre Street-View-Funktion, die Apples Maps fehlt, für die mobile Web-Version von Google Maps freigeschaltet. Ich habe diese Zusatzfunktion anhand von Beispiellinks getestet, die mir Google gesendet hat. Street View zeigt 360-Grad-Fotos von bestimmten Orten sowie Innenaufnahmen ausgewählter Geschäfte. Die Links funktionierten gut und erlaubten mir, die Orte anzusehen und mittels Finger durch die Szenerie zu schwenken. Außerdem glaube ich, dass Google an einer neuen Google-Maps-App für die Apple-Plattform arbeitet – eine die optional zum Download angeboten wird.

Hauptsächlich will ich mich in dieser Kolumne aber auf Google Maps unter Android konzentrieren, das ich in der Vergangenheit schon häufig genutzt, aber nie genau analysiert habe. Für meinen Test habe ich eine Reihe von Android-Geräten genutzt, darunter das Smartphone Samsung Galaxy Nexus, das Tablet Google Nexus 7 und, am intensivsten, ein neues Android-Telefon – das nur 100 US-Dollar teure Razr M von Motorola – dem Handyhersteller, der nun zu Google gehört.

Was ist neu am iPhone 5

Ich habe nach Dutzenden Adressen, Geschäften und anderen interessanten Orte gesucht – vor Ort, über die USA verteilt und in anderen Ländern. Zudem habe ich die Android-Maps-App zur Navigation bei verschiedenen Autofahrten genutzt – von der zehnminütigen Spritztour bis zur 90-minütigen Fahrt über 110 Kilometer von den Vororten von Washington D.C. bis nach Gettysburg in Pennsylvania. Dabei war ich jeweils Fahrgast, nicht der abgelenkte Fahrer. Außerdem habe ich die neuesten Funktionen ausprobiert.

Google Maps in der Android-Version war nicht nur besser als Apple Maps, sondern auch besser als die iPhone-Version von Google Maps, die Apple aufgegeben hat. Der größte Vorteil der Android-Version gegenüber der alten iPhone-Version – und offensichtlich der Grund für Apples Wechsel – ist die kostenlose, automatische Turn-by-Turn Wegbeschreibung mit Sprachausgabe. Apple hat diese Fähigkeit zu Apple Maps hinzugefügt.

Insgesamt bietet Google Maps auf Android Karten mit mehr Straßen und interessanten Orten als Apples App. Auch wenn ich es einfacher fand, die Apple-Karten auf den ersten Blick zu erfassen, zeigte die Android-Navigation mehr Straßen in der Umgebung und dadurch auch mehr Kontext, was sehr hilfreich insbesondere in Gegenden war, in denen ich mich nicht auskenne, wie beispielsweise Gettysburg.

[image] Google

Bei Google Maps unter Android, sind die Gebäude des Wohnkomplexes auf dem Campus derBrandeis-Universität alle korrekt bezeichnet.

Google zeichnet auch einzelne Gebäude mit großen Komplexen aus, sodass sie sich darin orientieren können. Ein Beispiel: Ich habe den Wohnkomplex auf der Brandeis University in Google Maps gesucht – die Gebäude waren korrekt bezeichnet. Dieselbe Suche unter Apple Maps fand zwar die Universität und das entsprechende Gebiet, gab aber keine Hinweise, um welches Gebäude es sich jeweils handelt.

[image] Apple

Die gleiche Suche unter Apple Maps: Der Nutzer hat keine Ahnung, welches Gebäude wo ist.

Google Maps unter Android zeigt auch einige große Läden, Museen, Postfilialen und Flughäfen an, zum Beispiel einzelne Geschäfte innerhalb des Flaggschiff-Mode-Kaufhauses von Macy's in New York und lässt einen sogar zwischen den verschiedenen Etagen wechseln. Auf Apple Maps erscheint das große Geschäft als ein einziger großer grauer Block oder als 3D-Gebäude.

Allerdings sind Googles Wegbeschreibungen nicht immer besser. Bei einer kurzen Testfahrt zwischen meinem Haus und einem örtlichen Hotel (bei der ich auf die Telefone gehört, aber nicht geschaut habe), versuchte das Android-Telefon mich auf eine umständliche Route durch die Nachbarschaft zu führen. Schlimmer allerdings: Sowohl Google als auch Apple rieten mir, zu dem Hotel mit einer unerlaubten Linkskurve zu fahren.

Von dem Fehlverhalten von Apples Maps war ich angesichts des jüngsten öffentlichen Eingeständnisses, dass die Applikation noch Arbeit braucht, nicht überrascht. Doch Googles Fehler schockierte mich, weil es schon seit sieben Jahren funktioniert und in den USA die Daten selbst erhoben und die Karten erstellt hat. Als ich Google von dem Vorfall berichtete, räumte das Unternehmen ein, das ihre Karten nicht perfekt sind. Google will den Fehler beheben.

Google Maps unter Android kann außerdem den Nutzer verwirren – zumindest im ersten Moment. Satelliten-Ansicht und Verkehrsinformationen sind in einem Menü namens „Layers", also Schichten, enthalten – ein Begriff, den die meisten Leute damit nicht verbinden würden. Google räumte ein, dass die Benutzeroberfläche noch Arbeit benötige.

Insgesamt aber war Google Maps unter Android ein verlässlicher und freundlicher Helfer. Ich mochte besonders, dass die Suche zwischen PC und Android synchronisiert wurde. Ich habe den Kreml in einem Browser auf dem Mac gesucht und Sekunden später erschien die Suche als eine der letzten Suchen auf dem Android-Telefon.

Die Offline-Karten fand ich weniger nützlich. Ich konnte eine bestimmte Gegend auf dem Android-Telefon speichern. Sobald ich allerdings die Internet-Verbindung deaktiviert hatte, konnte ich mir die Karte zwar noch ansehen, aber weder durchsuchen noch Routen berechnen lassen.

Wenn also Google Maps unter Android so viel besser ist – sollten Sie ein Android-Telefon kaufen? Neben der Karten-Applikation gibt es noch viele andere Faktoren, die berücksichtigt werden müssen – und das iPhone hat immer noch viele andere Vorteile. Aber wenn Ihnen die Karten-Applikation wichtig ist, müssen Sie Android wählen.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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