• The Wall Street Journal

Schotten stimmen 2014 über Unabhängigkeit ab

    Von PAUL HANNON und JASON DOUGLAS

Der Weg zum Referendum über die Unabhängigkeit von Schottland ist frei. Premier David Cameron und Alex Salmond, Chef der schottischen Regionalregierung, haben am Montag eine Vereinbarung unterzeichnet, nach der die Wähler 2014 über die Unabhängigkeit des Landes vom Vereinigten Königreich abstimmen können.

Das Referendum sei für die Schotten „die wichtigste politische Entscheidung seit 200 Jahren", sagte Michael Moore, Schottland-Minister der britischen Regierung, der BBC. Die Regierung werde sicherstellen, dass die Abstimmung rechtsgültig, fair und eindeutig ablaufe.

Reuters

2014 dürfen die Schotten über ihre Unabhängigkeit von Großbritannien abstimmen.

Das Datum kommt dem schottischen Ministerpräsidenten entgegen. Salmond hatte sich gegen den Vorschlag der britischen Regierung ausgesprochen, das Referendum so früh wie möglich anzusetzen. Nun soll es im Herbst 2014 stattfinden. Kurz davor wird Schottland den 700. Jahrestag des berühmten Sieges gegen die Engländer in der Schlacht von Bannockburn feiern – eine der entscheidenden Schlachten in den schottischen Unabhängigkeitskriegen. Und der so genannte Erste Minister konnte einen weiteren Erfolg verbuchen: Er hat Cameron davon überzeugt, dass auch 16- und 17-Jährige ihr Kreuz auf dem Stimmzettel machen dürfen. Normalerweise dürfen Briten erst ab 18 Jahren wählen.

Allerdings musste Salmond auch einen Rückschlag einstecken: Cameron und das britische Parlament erstickten den Versuch des schottischen Regierungschefs, seinen Landsleuten bei dem Referendum zwei Optionen anzubieten. Sie sollten zwischen einer vollständigen Unabhängigkeit und einer größeren Autonomie innerhalb des Vereinigten Königreichs wählen können. Nun müssen sich die Schotten entweder für die Unabhängigkeit oder dagegen entscheiden.

Umfragen zeigen, dass sich eine Mehrheit der Schotten zwar dafür ausspricht, die Verbindungen zu London zu lockern, aber vor der Unabhängigkeit zurückschreckt. „ Ich bin sehr zuversichtlich, dass Schottland Teil des Vereinigten Königreichs bleiben wird", sagte deshalb auch der in der britischen Regierung für Schottland zuständige Michael Moore. „Zusammen sind wir stärker als getrennt."

Salmond und seine Partei werden bis zum Referendum Stimmung für die Abspaltung machen. Ihr Hauptargument: Ihr Land, das reich an Rohstoffen und erfolgreichen Unternehmen ist, kann besser mit anderen kleinen Ländern in Europa mithalten, wenn es erst von London unabhängig ist.

Das sehen Premier Cameron und Labour-Chef Ed Miliband naturgemäß anders. Sie werden die Schotten an die Geschichte der Nation und die gemeinsamen Erfolge erinnern – nicht zuletzt an die Medaillenausbeute bei den Olympischen Spielen in diesem Jahr. Oppositionsführer Miliband hat mehr zu verlieren. Seine Labour-Partei bekommt traditionell viele Stimmen aus Schottland.

Aber auch für die Schotten könnte die Trennung von London nicht so positiv ausfallen wie erträumt: Unabhängigkeitsgegner warnen vor unsicheren wirtschaftlichen Aussichten für Schottland im Falle der Abspaltung. Die Finanzkrise, die 2008 zum Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers geführt und eine weltweite Rezession ausgelöst hatte, war für kleine Länder besonders hart.

Wenn die Schotten das Vereinigte Königreich verlassen, dürfte ihnen London außerdem eine saftige Rechnung präsentieren. Auf dem Höhepunkt der Krise hatte die britische Regierung die Royal Bank of Scotland und die Bank of Scotland, die nun zur Lloyds-Bankengruppe gehört, gerettet. Unklar ist auch, ob ein unabhängiges Schottland sich automatisch für die Mitgliedschaft in der Europäischen Union qualifizieren würde. Selbst die Frage, in welcher Währung die Schotten dann bezahlen würden, ist noch nicht beantwortet.

Die nationalistische Scottish National Party von Salmond setzt sich schon seit den 1930er Jahren für die Unabhängigkeit des Landes ein. 1707 war Schottland mit dem Act of the Union mit England vereinigt worden. Die Meinung der Schotten zu dem Thema ändert sich immer wieder. Nach Umfragen der Meinungsforschungsunternehmen ICM und YouGov waren im Januar rund 40 Prozent der Schotten für die Unabhängigkeit.

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