• The Wall Street Journal

Chinas Devisenmarkt hat Löcher

    Von ALEX FRANGOS, TOM ORLIK und LINGLING WEI

Einst war China das Sammelbecken für das Geld der Welt. Doch der Geldfluss hat sich umgekehrt: Wohlhabende Chinesen kaufen sich Strandappartements auf Zypern. An amerikanischen Universitäten zahlen sie hohe Studiengebühren für ihre Kinder. Und in Singapur räumen sie die Regale der Luxusausstatter leer. Häufig schalten sie dabei ein florierendes Netz an Geldtransferdiensten ein, die dafür sorgen, dass das Geld unter der Hand den Besitzer wechselt. Chinesische Unternehmen wiederum wickeln im Ausland Milliardendeals ab. Sie kaufen Bodenschätze en masse und sorgen dafür, dass sich die Gewinne außerhalb der chinesischen Landesgrenzen ansammeln.

„Da fand eine beträchtliche Kapitalflucht statt"

Seit dem vergangenen Jahr hat China keinen offiziellen Bericht über Kapitalzuflüsse oder Abflüsse vorgelegt. Wohin das Geld in jüngster Zeit gewandert ist, lässt sich dennoch anhand von Handelsdaten, den Zahlen zu den Devisenreserven, die am Samstag veröffentlicht wurden, und anderen statistischen Kennzahlen abschätzen. Eine Analyse dieser Daten des Wall Street Journal legt nahe, dass in den zwölf Monaten per September rund 225 Milliarden Dollar China verlassen haben. Das entspricht rund drei Prozent der chinesischen Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr.

„Uns ist allen aufgefallen, was wir ohnehin vermutet hatten: Da fand eine beträchtliche Kapitalflucht statt", bestätigt Michael Pettis, ein Finanzprofessor an der Peking University. Früher hat Pettis ausfallgefährdete Schuldtitel aus Lateinamerika gehandelt. Er weiß daher genau, wie eine Kapitalflucht aussieht. „Es ist nie ein gutes Zeichen, wenn die einheimischen Geschäftsleute plötzlich auf die Idee kommen, dass es besser ist, ihr Geld außer Landes zu bringen. Ganz besonders dann nicht, wenn die Weltwirtschaft in so schlechter Verfassung ist.

Associated Press

Der Besucher einer Messe für Immobilienanleger in Peking schaut sich die Stände von ausländischen Entwicklern an.

Offiziell unterhält China eine geschlossene Kapitalbilanz. Privatpersonen und Unternehmen können also Gelder nicht uneingeschränkt ins Ausland transferieren. Mehr als 50 000 Dollar im Jahr dürfen die chinesischen Bürger nicht über die Grenze bringen. Chinesische Unternehmen wiederum können den Yuan nur dann gegen internationale Devisen tauschen, wenn der geschäftliche Zweck für die Transaktion vorher abgesegnet wurde. Darunter fallen etwa die Bezahlung von Einfuhren oder genehmigte Auslandsinvestitionen.

Doch in Wirklichkeit weist das geschlossene System schon längst Löcher auf, die Beschränkungen werden routinemäßig ignoriert. „Die Reichen Chinas hatten schon immer eine offene Kapitalbilanz", sagt Eswar Prasad, ein Volkswirt an der Cornell University und ehemaliger Mitarbeiter beim Internationalen Währungsfonds.

Ein Strandappartement auf Zypern

Zheng Nan zum Beispiel ist einer dieser Privilegierten. Er hat sich vor Kurzem ein Strandappartement auf Zypern gekauft. Rund 300 000 Euro hat der 50-Jährige dafür hingeblättert. Er hat sich zur Ruhe gesetzt, nachdem er zuvor in China im Auftrag ausländischer Hersteller Telekommunikationsausrüstung verkauft hatte. „Ich möchte hier gern den Winter verbringen, weil in Peking die Luft so schlecht ist", erzählt er. „Und im Sommer kehren wir zurück."

Dass er eigentlich nur 50 000 Dollar im Jahr außer Landes bringen darf, sei für ihn schon problematisch gewesen. Aber er hat sich etwas einfallen lassen. Um die Beschränkung zu umgehen, hat er Freunde dazu überredet, sein Geld portionsweise unter ihrem eigenen Namen auf die Reise zu schicken. Diese Vorgehensweise sei durchaus üblich und werde von den Behörden weitgehend toleriert, bestätigen Immobilienmakler in China.

Über Jahre hinweg hat die chinesische Wirtschaft von den enormen Geldströmen profitiert, die Exporte und ausländische Investoren ins Land lenkten. Die hereinschwappenden Devisen wurden bei der chinesischen Zentralbank in Yuan getauscht, die wiederum verstärkt in die Wirtschaft flossen. Auf der einen Seite konnten die Banken dadurch leichter Kredite vergeben und die Firmen schneller wachsen. Auf der anderen Seite aber stieg auch die Inflation, die Immobilien- und Aktienmärkte warfen spekulative Blasen.

Wenn Geld abfließt, schwingt das Pendel in die Gegenrichtung. Es stehen dann weniger Mittel zur Verfügung, um das Wachstum zu finanzieren. In China hatte die Abwanderungsbewegung des Geldes Mitte 2011 an Schwung gewonnen. Damals hatte die Sorge um das nachlassende Wirtschaftswachstum Chinas die Yuan-Aufwertung abgebremst. Wegen fallenden Aktien- und Immobilienpreisen erschien es plötzlich nicht mehr lohnend, in China Bargeld vorzuhalten. Doch auch vorher war schon Kapital abgezogen worden, zuletzt während der Finanzkrise. Nach den Berechnungen des Wall Street Journal erreichten damals die Abflüsse in den zwölf Monaten per März 2009 mit rund 110 Milliarden Dollar ihre Spitze.

Mit dem Geldexodus lässt sich auch erklären, warum die chinesischen Banken in diesem Jahr ihre Kreditvergaben nur langsam steigern konnten. Beschleunigen sich die Mittelabflüsse, dann könnte die chinesische Notenbank gezwungen sein, für eine stärkere Aufwertung des Yuan gegenüber anderen Auslandswährungen zu sorgen, um den chinesischen Anlegern einen Anreiz zu bieten, ihr Geld zuhause zu investieren.

Die Behörden sorgen sich noch nicht

In der ersten Hälfte dieses Jahres sei es „zu einem gewissen Maß an Kapitalabflüssen" gekommen, räumt die staatliche Devisenbehörde ein, die zur Zentralbank Chinas gehört. Das Amt macht vor allem größere Auslandsinvestitionen chinesischer Bürger und Firmen für den Geldabgang verantwortlich. Vor einer Destabilisierung der Wirtschaft fürchte man sich deswegen aber nicht.

Während der Asienkrise im Jahr 1998 zogen die Anleger ihr Kapital massenweise aus Indonesien ab. Gelder in Höhe von 23 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung wurden aus dem Land abgesaugt. Das ist natürlich weit mehr als die drei Prozent der Wirtschaftsleistung, die China im jüngsten Zwölf-Monats-Zeitraum schätzungsweise verlassen haben. Geschützt wird die chinesische Wirtschaft vor derart katastrophalen Auswüchsen zum einen durch ihre Beschränkungen bei den Kapitalbewegungen. Und zum anderen durch die umfangreichen Fremdwährungsreserven, die sich derzeit auf 3,29 Billionen Dollar belaufen.

dapd

Faust hoch: Stärke zu demonstrieren, gehört zu Chinas Staatsfolklore - wie hier während einer Demonstration gegen Japan im Inselstreik. Tatsächlich hat das Land mit einer abflauenden Wirtschaft zu kämpfen. Und die Leute schleppen das Geld über die Grenzen.

Der Abfluss über 225 Milliarden Dollar, den das Wall Street Journal für das Jahr per September errechnet hat, umfasst sowohl Kapital, welches das Land auf legalem Wege verlassen hat, als auch einige Summen, die illegal über die Grenzen transferiert wurden. Außerdem haben sich auch mehrere Volkswirte daran versucht, die Geldabwanderung abzuschätzen. So kam Charles Dumas, ein Volkswirt bei Lombard Street Research, für denselben Zeitraum bei den Nettoabflüssen auf einen Betrag von 300 Milliarden Dollar.

Um den Umfang der Abflüsse zu bemessen, verglich das Wall Street Journal die Veränderungen bei den Devisenreserven Chinas mit den Veränderungen bei den Hauptkomponenten, die den Anstieg und die Verringerung der Reserven auslösen. Das wären der Handelsbilanzüberschuss, ausländische Direktinvestitionen, die Zinsen auf ausländische Vermögenswerte und Wechselkursbewegungen.

Chinesische Exporteure verzichten aufs Umtauschen

Dabei sollten natürlich beide Seiten der Gleichung übereinstimmen. Wenn sich die Devisenreserven stärker erhöhen als die Summe der Komponenten, legt dieses Ergebnis nahe, dass zusätzliches Geld nach China fließt. Wenn die Reserven weniger stark zunehmen, oder sogar fallen, bedeutet dies, dass Geld auf irgendeine Weise außer Landes gelangt. Im letzten Quartal 2011 sind die Fremdwährungsreserven Chinas im Quartalsvergleich zum ersten Mal seit 1998 zurückgegangen. Und auch im zweiten Quartal 2012 war eine Abnahme zu verzeichnen. Ein Zeichen dafür, dass die Abflüsse so stark zugenommen hatten, dass sie Zuflüsse aus dem Handel, ausländischen Direktinvestitionen und Zinsen auf bestehende Reserven mehr als ausglichen.

Zu den reduzierten Reserven trage auch bei, dass chinesische Exporteure einen größeren Teil des Geldes, das sie im Ausland verdienen, nicht mehr in Yuan umtauschen, sondern in Dollar belassen, sagen Volkwirte.

Da sich die Schätzung über 225 Milliarden Dollar aus breit gefassten Wirtschaftsstatistiken ableitet, ist es natürlich unmöglich, genau zu sagen, welcher Teil der Abflüsse auf rechtmäßige persönliche oder geschäftliche Transaktionen entfällt und wie viel davon illegal bewegt wurde oder das Produkt illegaler Tätigkeiten war.

Geldkuriere, Privatflugzeuge, Auslandsreisen

Mittlerweile hat sich ein regelrechter Industriezweig herausgebildet, der seine Dienste den Chinesen zur Verfügung stellt, die ihr Geld gern unter der Hand außer Landes verfrachten würden. Von Geldkurieren bis Privatflugzeugen ist alles im Angebot, um die prekäre Fracht ungehindert an den Zollbeamten vorbei zu schmuggeln, berichten Anwälte und Makler, die den chinesischen Anlegern bei der Suche nach Investitionen im Ausland zur Seite stehen.

Manchmal verstecken Investoren eigenes Geld auch in Banküberweisungen von Unternehmen, um es auf die Auslandsreise zu schicken, heißt es. Oder es werden falsche Rechnungen ausgestellt, um dem persönlichen Cash, versteckt unter legitimen Export- und Importtransaktionen, zu einer Schwarzfahrt zu verhelfen. Doch immer wieder tragen die Fluchtwilligen ihr Geld auch in Koffern und Taschen über die Landesgrenze.

Es sei überhaupt kein Problem, Geld aus China hinaus zu schaffen, weiß der Makler Charlie Zhang. Er versorgt in Shenzhen gut betuchte Chinesen mit Immobilieninvestitionen im Ausland. "Wir schlagen sie anderen Leuten vor, einem speziellen Kanal, der Geld abseits der Banken, außerhalb der Aufsicht, tauschen kann", erzählt Zhang. „Dieses Problem zu knacken, ist nicht schwer."

Zypern hat sich zur beliebten Anlaufstelle für begüterte Investitionswillige aus China gemausert. Der Inselstaat im östlichen Mittelmeer gewährt jedem das Recht zum dauerhaften EU-Aufenthalt, der 300 000 Euro für eine Immobilie locker machen kann.

Dann kauft man sich eben einen neuen Pass...

„Die Leute in China sind reich", sagt Arthur Cheung. Der Einwanderungsberater mit Sitz in Hongkong vermittelt chinesische Hauskäufer mit ausländischen Immobilienverkäufern, unter anderem auch auf Zypern. „Die kaufen sich eben einen Pass oder eine Genehmigung zum Daueraufenthalt wie andere Leute eine Tasche von Louis Vuitton."

Mehr als 90 Appartements hat die Entwicklungsgesellschaft Paschali Developers in den vergangenen Monaten auf Zypern an Chinesen losgeschlagen. Die Käufer wollten dort ihren Wohnsitz nehmen, sagt Unternehmenssprecher Paschalis Paschali. Darüber, wie die chinesischen Kunden der Firma ihr Geld auf die Insel bugsierten, wollte er nicht reden.

In den vergangenen vier Monaten habe die Pafilia Property Developers aus Zypern 30 Appartements mit Blick aufs Mittelmeer an Festlandchinesen verkauft, berichtet Evis Hadjipetrou, der bei der Immobiliengesellschaft für die Geschäftsentwicklung zuständig ist. Er solle sich keine Gedanken über die Beschränkungen auf Kapitalbewegungen machen, hätten ihm seine chinesischen Geschäftspartner versichert. Sie hatten dabei geholfen, die Käufer aufzutreiben. Darunter sei eine Agentur gewesen, die dem Wirtschaftsministerium unterstellt ist. Ein Ministeriumssprecher lehnte eine Stellungnahme ab.

Hongkong gehört zwar zu China, die Sonderverwaltungszone verfügt aber über ein gesondertes Finanzsystem und eine eigene Währung. Von der ehemaligen britischen Kronkolonie aus darf Kapital ungehindert ins Ausland wandern. Folgerichtig unterliegen Festland-Chinesen Restriktionen, wenn sie ihr Geld nach Hongkong verschieben wollen.

Verbote stoppen den Geldfluss nicht

Die chinesische Elite hat ihren Reichtümern trotzdem einen legalen Weg nach Hongkong und darüber hinaus geebnet. Sie gehen mit ihren Unternehmen an die Hongkonger Börse und verkaufen dann Aktien. Seit 2005 haben 350 Unternehmen vom chinesischen Festland mehr als 150 Milliarden Dollar in Hongkong eingesammelt, berichtet der Informationsdienst Dealogic. Das gleiche Ziel können Firmeneigner auch über eine Notierung in New York oder Singapur erreichen.

Wer kein Unternehmen sein eigen nennt, muss auf Geldtransferdienste zurückgreifen, die abseits des offiziellen Bankensystems arbeiten. Die Mittelsmänner stellen Kredite und Überweisungen bereit, die die Chinesen nutzen, um der Obergrenze für Auslandsüberweisungen zu entgehen. Diese Arbeit ist auf dem chinesischen Festland illegal, in Hongkong dagegen nicht, der Bereich ist dort nur geringfügig reguliert.

Die chinesischen Aufsichtsbehörden seien im vergangenen Jahr, als die Kapitalflucht augenfällig wurde, schärfer gegen Geldtransferstellen vorgegangen, berichtet Zhao Qingming, ein Volkswirt der staatlichen China Construction Bank.

In Chongqing, der Heimat von Bo Xilai, dem geschassten Granden der Kommunistischen Partei, wurde ein Transferdienst geschlossen. Den Behörden zufolge sollen die Kuriere im Kundenauftrag zehn Milliarden Dollar auf die Reise geschickt haben. Geleitet wurde der Dienst ihren Angaben gemäß von der 36-jährigen Chen Huizhuan. Die ehemalige Elektronikgeräteverkäuferin und ihre gesamte Verwandtschaft sollen die illegalen Geldschiebereien betrieben haben. Sie wurde im Juli zu sechs Jahren Haft verurteilt. Ihr Rechtsanwalt, der über Mittelsmänner erreicht wurde, wollte sich nicht dazu äußern.

1,3 Millionen Dollar im Kasino verjubelt

Zu Chens Kunden soll Qi Gang gehört haben, ein Bauprojektmanager aus der östlichen Provinz Zhejiang. Er soll einen umfangreichen Geldtransfer veranlasst haben, berichten mit dem Fall direkt Vertraute. Im Januar 2011 soll Qi nämlich innerhalb von zwei Tagen in einem Casino in Macau umgerechnet 1,3 Millionen Dollar verspielt haben, die er sich geliehen hatte. Auch Macau gehört zu China, hat aber, genau wie Hongkong, ein eigenes Finanzsystem. Festland-Chinesen unterliegen dort denselben Kapitalausfuhrbeschränkungen wie in Hongkong. Qi hatte durchaus das Geld, um seine Spielschulden zu begleichen, berichten die Insider. Das Problem war nur, es aus China heraus zu schleusen.

Eine Person, die Qi begleitete, von den Behörden aber nicht namentlich genannt wurde, überwies das Geld auf ein Konto, das die Geldbotin Chen in Chongqing eingerichtet hatte, Die Person gab vor, mit dem Betrag würden Baumaterialien bezahlt, heißt es. Dann überwies Chen den entsprechenden Betrag in Hongkong-Dollar auf ein getrenntes Konto. Dieses Konto gehörte wiederum denjenigen, die Qi das Geld für seine Glückspiele geliehen hatten, berichten die Insider.

„Bei dieser Methode überqueren keine Gelder die Landesgrenze. Sie ist also schwer auszumachen. Bemessen kann man sie schon gar nicht", sagt Stephen Green, Leiter der China-Forschung bei der Standard Chartered Bank, der sich mit Geldbewegungen in China beschäftigt, aber diesen konkreten Fall nicht kannte. Qi konnte für eine Stellungnahme nicht erreicht werden. Es ist nicht klar, ob ihm von offizieller Seite ein Fehlverhalten vorgeworfen wird.

Dass Hongkong es den Festlandchinesen leicht macht, ihr Kapital ins Ausland zu schaffen, wird in einem Urteil deutlich, welches das höchste Gericht der Sonderverwaltungszone jüngst erlassen hat.

Wegen Geldwäsche für 18 Monate ins Gefängnis

Yan Suiling ist eine wohlhabende Amway-Verkäuferin, Versicherungsmaklerin und Restaurantbesitzerin aus der südchinesischen Stadt Guangzhou. Sie verlagerte mit Hilfe eines Geldtransferdienstes zwischen 2007 und 2009 zwei Millionen Dollar vom Festland nach Hongkong, wie aus Gerichtsunterlagen hervorgeht und mit dem Fall betraute Anwälte erzählen. Mit dem Geld hat sie an der Hongkonger Börse spekuliert.

Yans Schwierigkeiten nahmen ihren Lauf, als ein Scheck, der bei einer der Transaktionen auf ihrem Hongkonger Konto eingezahlt worden war, Erlöse enthielt, welche die Hongkonger Behörden auf einen millionenschweren Hypothekenbetrug eines anderen Täters zurückführen konnten. Auch wenn sie nicht in den Betrugsfall verwickelt war, wurde Yan von einem Hongkonger Gericht wegen Geldwäsche verurteilt und musste für 18 Monate ins Gefängnis.

Im Berufungsverfahren argumentierten ihre Anwälte, sie sei der Meinung gewesen, das Geld sei Teil einer Überweisung. Es könne nicht von ihr erwartet werden, dass sie wusste, dass es aus einem Hypothekenbetrug stammte. Derlei Überweisungen sind zwar auf dem chinesischen Festland gegen das Gesetz, nicht aber in Hongkong, das sich der freien Marktwirtschaft verschrieben hat. Ihre Anwälte wollten dazu nicht Stellung nehmen. Yan antwortete nicht auf eine Kommentaranfrage.

Das Appellationsgericht letzter Instanz in Hongkong stimmte der Argumentation schließlich zu und sprach Yan von sämtlichen Anschuldigungen frei. Es sei „keine Überraschung", dass Yan es „für notwendig befunden" hätte, einen Geldtransferdienst einzuschalten, schrieb das Gericht. Schließlich musste sie ja die Währungsvorschriften des Festlands umgehen, um an der Börse in Hongkong investieren zu können.

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