• The Wall Street Journal

Iranische Hacker setzen Cyberangriffe gegen US-Banken fort

    Von SIOBHAN GORMAN

Der Cyberkrieg geht weiter: Erneut sind US-Banken zum Ziel von Angriffen iranischer Hacker geworden. In dieser Woche waren Capital One Financial und BB&T betroffen. Schon seit fünf Wochen werden die Webseiten der größten Banken in den USA massiv attackiert und wurden dabei teilweise lahmgelegt. Und die Angriffe reißen nicht ab – obwohl die USA bereits öffentlich dazu aufgerufen haben, sie zu beenden. Die USA werfen der iranischen Regierung vor, hinter den Attacken und ähnlichen gegen Energiefirmen im Nahen Osten zu stecken und drohten mit Gegenschlägen der USA.

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Amerikanische Banken sind erneut Ziel von Hackern aus dem Iran geworden.

Nicht geklärt ist, ab welchem Punkt Angriffe auf einzelne Banken als Angriff auf das gesamte Finanzsystem betrachtet werden und die USA sich zum Handeln gezwungen sehen. „Das ist eine berechtigte Frage", sagte ein hochrangiger US-Regierungsvertreter. „Ich weiß nicht, ob ich sie beantworten kann." Iranische Regierungsvertreter wollten sich dazu nicht äußern. Das US-Militär hat bereits ein Cyber-Kommando gegründet, das Regierungscomputer und andere wichtige Netzwerke schützen soll.

BB&T war am Mittwoch damit beschäftigt, die Webseite der Bank wiederherzustellen und bei Capital One wurden neue Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Betrachtet man die Größe der Bilanz, liegen beide Unternehmen auf Platz elf bzw. 13 der US-Banken.

Hacker hatten Angriffe angekündigt

Die Hacker hatten in den vergangenen Wochen bereits angekündigt, welche Banken Ziel eines Angriffs werden könnten. Die Gruppe, die sich Qassam Cyber Fighters nennt, hat nach eigenen Angaben weitere Angriffe für Donnerstag geplant. Von Aussagen des US-Verteidigungsministers Leon Panetta ließen sie sich nicht abschrecken. Panetta hatte vergangene Woche eine versteckte Warnung an Iran ausgesprochen und gesagt, dass das Verteidigungsministerium jährlich drei Milliarden Dollar ausgebe, um sich gegen Cyberangriffe zu schützen.

Mit den Angriffen wollten sie sich für das in den USA gedrehte Anti-Islam-Video rächen, das in vielen muslimischen Ländern für Proteste gesorgte hatte, sagen die Qassam Cyber Fighters. Laut der amerikanischen Regierung haben die Hacker aber in vertraulichen Gesprächen gesagt, dass die Angriffe auf amerikanische Banken und Energieunternehmen im Persischen Golf die Antwort auf Sanktionen der USA gegen den Iran seien, die die Ölproduktion halbiert und die iranische Währung ins Schlingern gebracht haben.

„Wir haben einen Vorschlag für Herrn Panetta", schrieb die Gruppe in brüchigem Englisch in ihrer Ankündigung im Internet. Anstatt „Milliarden Dollar auszugeben, solle er seine Leute dazu bringen", das Video von Youtube zu entfernen. Weiter hieß es, dass die amerikanischen Banken „unter dem Druck der Angriffe aufheulen".

„Wir nehmen alle Cyber-Bedrohungen ernst und tun alles, um uns dagegen zu wehren", sagte ein Vertreter des Verteidigungsministeriums.

Die Angriffe der iranischen Hacker begannen Anfang des Jahres. Die Server einiger US-Banken wurden mit Abfragen bombardiert, um deren Internetseiten lahmzulegen. Im Sommer habe die Gruppe dann Öl- und Gasfirmen im Nahen Osten angegriffen und einige ihrer Unternehmensdaten zerstört, heißt es in US-Regierungskreisen. Im vergangenen Monat ging es mit den Angriffen auf amerikanische Banken weiter. Die Gruppe kündigte sogar an, welche Bank sie an welchem Tag angreifen will.

Ermittler sagen, dass diese Angriffe mindestens zehnmal stärker waren als die von Hackern in der Vergangenheit. Sogar die Webseiten der größten Banken wurden lahmgelegt. Die Hackergruppe nutze eine hochentwickelte neue Cyberwaffe namens „itsoknoproblembro", heißt es bei der Computersicherheitsfirma Prolexic Technologies. Mindestens neun Banken sind bisher zum Angriffsziel der Gruppe geworden. In manchen Fällen brachen die Webseiten vollständig zusammen, manchmal liefen sie langsamer.

Amerikanische Banken sind nun wachsam, sie fürchten weitere Angriffe. Die Internetseite der Capital One Bank war nach dem Angriff am Dienstag für einige Stunden blockiert. „Es gab eine Störung", sagte eine Sprecherin. „Die Mehrheit unserer Kunden war davon nur minimal betroffen. Alle unsere Systeme funktionieren." Nach den jüngsten Vorfällen habe die Bank „eine Reihe von Sicherheitsvorkehrungen getroffen, die einige Kunden vor Probleme stellt, die Seite zu benutzen". So hatten manche Kunden am Mittwoch keinen Zugang zur Webseite. Sie hätten aber über Smartphones oder andere mobile Geräte und in einer Filiale auf ihre Konten zugreifen können, hieß es bei der Bank.

Auch bei BB&T sei es zwischendurch zu Ausfällen gekommen, sagte eine Sprecherin. Sie betonte aber, dass sich die Hackerangriffe nicht gegen einzelne Konten oder die internen Banksysteme gerichtet hätten. Stattdessen sorgen sie für Störungen auf der gesamten Internetseite, sodass die Kunden erst nach einiger Zeit wieder auf ihre Konten zugreifen konnten.

—Mitarbeit: Julian E. Barnes

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