• The Wall Street Journal

US-Arbeitsmarkt schaltet im März einen Gang zurück

    Von ANDREAS PLECKO

WASHINGTON/FRANKFURT--Der US-Arbeitsmarkt hat im März einen Gang zurückgeschaltet. Zum ersten Mal seit November blieb der Stellenzuwachs unter der Marke von 200.000 und verfehlte damit die Prognosen von Ökonomen deutlich. Wie das US-Arbeitsministerium berichtete, stieg die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft im März nur um 120.000 Personen. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten einen Zuwachs um 203.000 Stellen erwartet.

Zugleich wurden die Angaben für den Vormonat etwas nach oben korrigiert: Das Ministerium meldete für Februar nun ein Stellenplus von 240.000, nachdem zunächst ein Anstieg um 227.000 gemeldet worden war. Für den Januar wurde die Zahl dagegen nach unten revidiert, auf ein Plus von 275.000 Jobs, nach bislang gemeldeten 284.000 zusätzlichen Stellen.

Die bei einer separaten Erhebung ermittelte Arbeitslosenquote sank überraschend auf 8,2 Prozent. Ökonomen hatten eine Stagnation auf dem Vormonatsstand von 8,3 Prozent erwartet. Der Rückgang dürfte zumindest teilweise darauf beruhen, dass viele Menschen ihre Stellensuche am Arbeitsmarkt frustriert eingestellt haben und nun wieder zur "stillen Reserve" gehören.

"Die Beschäftigungsquote ist nun auf 63,8 Prozent gesunken, die zweitniedrigste Quote seit fast 29 Jahren", stellt UniCredit-Volkswirt Harm Bandholz fest. "Der Arbeitsmarktreport ist Wasser auf den Mühlen aller jener, die sich geweigert hatten, die zuletzt sehr starken Jobzahlen einfach in die Zukunft fortzuschreiben."

Jüngste Stärke des Arbeitsmarkts war Vorzieheffekt

Nach Ansicht der BNP-Paribas-Expertin Julia Coronado bestätigen die Details, "dass die Stärke des Arbeitsmarkts in den jüngsten Monaten einem Vorzieheffekt geschuldet war, der auf dem ungewöhnlich warmen Winter beruhte". Wegen der warmen Witterung dürften viele Firmen früher als gewöhnlich im Jahr ihr Personal aufgestockt haben.

Die durchschnittlichen US-Stundenlöhne zogen wie erwartet leicht an, während die durchschnittliche Wochenarbeitszeit zum Vormonat fast unverändert blieb.

Der Privatsektor der US-Wirtschaft, der rund 70 Prozent der gesamten Arbeitskräfte beschäftigt, schuf im März 121.000 Jobs. Im verarbeitenden Gewerbe entstanden 37.000 zusätzliche Jobs, während im Baugewerbe 7.000 Stellen verloren gingen. In der Dienstleistungsindustrie, die sonst als Wachstumsmotor für den Arbeitsmarkt fungiert, kamen per saldo lediglich Arbeitsplätze 89.000 hinzu.

Ökonomen und die Federal Reserve hatten bereits vermutet, dass das Jobwachstum im Jahresverlauf an Fahrt verlieren könnte, da die Nachfrage in den USA schwach bleibt, die Benzinpreise steigen und die Schuldenkrise in Europa die Stimmung belastet. Der aktuelle Bericht könnte der erste Hinweis sein, dass sich eine solche Abschwächung tatsächlich einstellt.

Hoffnung auf billiges Geld von der Fed

In den vergangenen Monaten hatte das verstärkte Jobwachstum die Annahme, dass die Federal Reserve noch eine dritte Runde der quantitativen Lockerung einläuten wird, etwas in Zweifel gezogen. Ein schwächerer US-Arbeitsmarkt wie jetzt im März könnte diese Hoffnungen aber wieder aufleben lassen.

"Die Fed wird bei ihrem Treffen im April nur den Arbeitsmarkbericht vom März in Händen halten", gibt BNP-Paribas-Expertin Coronado zu bedenken. "Zwar werden die Währungshüter nicht auf der Grundlage von Daten aus nur einem Monat entscheiden, doch der Offenmarktausschuss muss sicherlich die Möglichkeit erwägen, dass die US-Wirtschaft an Dynamik verliert, während die Operation Twist ausläuft." Die Analystin schätzt die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed im Juni ihre Geldpolitik erneut lockert, auf 65 bis 70 Prozent ein.

Während der Finanzkrise 2008 und 2009 hat die US-Zentralbank ihren Leitzins auf das Rekordtief von 0 bis 0,25 Prozent gesenkt und mit gewaltigen Geldspritzen versucht, das Wirtschafts- und Finanzsystem vor einem Kollaps zu bewahren. Mit der "Operation Twist" nimmt die Fed eine Umschichtung der Staatsanleihen vor, die sich in ihrer Bilanz befinden. Dabei werden Staatsanleihen mit kürzeren Laufzeiten durch Papiere mit längeren Laufzeiten ersetzt, um die Marktzinsen am langen Ende zu drücken.

Kontakt zum Autor: andreas.plecko@dowjones.com

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