• The Wall Street Journal

Steuerflucht: Die verlorenen Paradiese

    Von LAURA SAUNDERS

Für Steuerflüchtlinge brechen harte Zeiten an. Der Schutzschirm durch das viel gepriesene Schweizer Bankgeheimnis wird immer löchriger, und sichere Alternativen gibt es kaum.

Die USA und andere Länder üben seit ein paar Jahren verstärkt Druck auf Steueroasen aus, internationale Steuer- und Geldwäscheabkommen einzuhalten.

Reuters

Ein verlorenes Paradies: Inselstaaten wie Antigua werden für Steuerflüchtlinge immer weniger attraktiv.

Infolgedessen hätten jene Kleinstaaten ihren Glanz verloren, die seit langem als abgelegene Zufluchtsorte für Steuerflüchtlinge florieren oder noch in deren Riege aufsteigen wollten, sagt David Marchant, Herausgeber des Nachrichtenblättchens Offshore Alert, das sich mit dem Treiben von Steuerparadiesen befasst. Zu den inzwischen unattraktiveren Zufluchtsorten zählen Panama, die Karibikinseln Antigua und Barbuda sowie Nauru und Vanuatu im Südpazifik.

Was aber braucht ein abgelegener Finanzplatz, um als Steueroase aufzublühen? Ein zuverlässiges Rechtssystem, sagen Experten. Aber das ist nicht alles. Nach Angaben von Lee Sheppard, Rechtsanwalt und Autor beim Fachblatt Tax Notes, sollte ein Steuerparadies zudem gut für Investoren zu erreichen sein und Ansprechpartner bieten, die die Sprache der Steuerflüchtlingen sprechen. Denn, sagt Sheppard, „die Leute wollen ihr Geld besuchen und das Gefühl bekommen, dass es sicher angelegt ist."

Darum halten Sheppard und andere bereits Singapur für eine mögliche Alternative zur Schweiz. Vor allem bei Asiaten dürfte Singapur künftig in der Beliebtheit steigen. Anders als mit anderen Ländern tauschen die USA mit Singapur keine Steuerinformationen aus. Doch die US-Steuerbehörden verstärken dort und in Hongkong gerade ihre Vollzugsbefugnisse.

Lateinamerikaner, die Geld verstecken wollen, finden am ehesten noch in den USA einen Zufluchtsort, sagen Experten. Im kleinen Ostküsten-Bundesstaat Delaware etwa gäbe es zahlreiche Firmen, deren Eigentümer geheim gehalten werden. Der Staat sei laut David Marchant „ein Lieblingsort für Osteuropäer, die Geld waschen oder verstecken wollen". In Delaware, bestätigt Lee Sheppard, bekommen ausländische Regierungen keinen Zugang zu Informationen über die anonyme Eigentümerstruktur von Unternehmen.

Amerikanische Steuerzahler haben weniger Chancen, ihrer Steuerpflicht zu entkommen. So hat der US-Kongress inzwischen drakonische Strafen für all diejenigen verhängt, die ausländische Einlagen vor den Behörden verheimlichen. Und die USA tauschen bereitwillig Steuerinformationen mit zahlreichen europäischen Handelspartnern aus.

Manche versuchten deshalb, ihr Geld in ausländischen Immobilien anzulegen, was nicht immer einer Berichtspflicht unterliege, sagt Bryan Skarlatos, Rechtsanwalt in der Kanzlei Kostelanetz & Fink in New York. Er hat schon viele Klienten vertreten, die vor den Steuerbehörden zugeben mussten, dass sie ihr Geld auf schwarzen Konten geparkt hatten.

Auch Barbara Kaplan, Rechtsanwältin in der Kanzlei Greenberg Traurig in New York hat damit Erfahrung. Sie sagt, dass sich einige ihrer Klienten am Ende nur deshalb widerwillig den Finanzämtern gestellt hätten, weil sie keinen anderen passenden Zufluchtsort für ihre verdeckten Kassen gefunden hätten.

Aber vor Kurzem erst, sagt Kaplan, habe sie gesehen, wie Schweizer Banken in den USA für neue Filialen warben. Die Zielgruppe: Amerikaner, die brav ihre Steuern zahlen, aber sich – so stand es da geschrieben – für ihr Geld den „Schweizer Ansatz von Sicherheit und Diversifizierung" wünschten.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Peking Auto Show 2014

  • Exklusiv für Abonennten Preview lesen

    [image]

    Die Auto-Neuheiten aus China

    Der chinesische Automarkt gilt als schwierig. Im Jahr des Pferdes versuchen die Autobauer aber mit besonderen und limitierten Editionen, sowie mit neuen Modellen den Markt weiter zu erobern. Wir zeigen Ihnen die Neuheiten der Automesse in Peking.

  • [image]

    Panini-Sticker: Höhepunkte aus 40 Jahren

    Zur Weltmeisterschaft im eigenen Land kamen 1974 die ersten Panini-Klebebilder in Deutschland auf den Markt, inzwischen haben sie Kultstatus. Ein Rückblick auf 40 Jahre Fußballgeschichte.

  • [image]

    Australische Villa im Zeichen des Drachens

    Feurig kommt dieses Luxusanwesen im australischen Melbourne daher: Auf dem Dach wacht ein mächtiger Terrakotta-Drache und im Haus lodern Dutzende Kaminfeuer. Die Ausstattung mit Tennisplatz, Pool und ausgiebigen Ländereien lässt es jedem Australien-Fan warm ums Herz werden.

  • [image]

    Alt, neu, kurios und nicht chancenlos – Parteien zur Europawahl

    In Deutschland sind 25 Parteien zur Europawahl zugelassen. Neben den etablierten Bundestagsparteien können sich die Wähler für eine Menge kurioser Alternativen entscheiden – von der Christlichen Mitte bis zur Bayernpartei. Da die 3-Prozent-Hürde gefallen ist, haben die Kleinen sogar eine Chance.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 15. April

    Wilde Tulpen in Afghanistan, Wasserfontänen in China, der Vollmond über Schanghai und Ordensbrüder mit wunden Füßen in Spanien. Das und mehr zeigen unsere Fotos des Tages.

  • [image]

    Die furchterregendste Gondelfahrt der Welt

    Was Besuchern den Angstschweiß auf die Stirn treibt, ist für die Einwohner der georgischen Stadt Tschiatura Alltag. Die Seilbahnen aus der Stalin-Zeit an den Hängen des Kaukasus fahren trotz Rost noch immer.

  • [image]

    Diese Länder sind die Wachstums-Stars

    Die Weltwirtschaft gewinnt weiter an Schwung. Wachstums-Impulse kommen aus den Industrieländern, auch aus Europa. Die höchsten Wachstumsraten sitzen aber woanders. Wir zeigen Ihnen, wo die Wirtschaft am stärksten boomt.

  • [image]

    Wie sich die Nasdaq seit dem Tech-Crash verändert hat

    Vor gut 14 Jahren begann in den USA die Tech-Blase zu platzen. Jetzt bewegt sich der Nasdaq Composite wieder auf dem Niveau von damals. Ist das ein Grund zur Sorge? Wir zeigen, was sich seitdem an der Nasdaq verändert hat und was das für Anleger heute bedeutet.

  • [image]

    Die bestverdienenden Bankenchefs der Welt

    Das vergangene Jahr hat sich für die Chefs der internationalen Großbanken wieder gelohnt. Doch auch in der Liga der Großverdiener gibt es deutliche Klassenunterschiede. Wir haben aufgelistet, wer wie viel erhalten hat.