• The Wall Street Journal

Morgan Stanley droht die Herabstufung

    Von AARON LUCCHETTI und BRETT PHILBIN

Noch in diesem Frühjahr steht die Entscheidung der Ratingagentur Moody's an, ob Morgan Stanley seine gute Bonitätsnote nach wie vor verdient. Einen Hinweis auf den Ausgang der Entscheidung könnte am Donnerstag früh der Quartalsbericht geben.

James Gorman, Chef des New Yorker Finanzdienstleisters, hat in diesem Quartal schon mindestens zweimal mit Vertretern von Moody's Investors Service gesprochen, so eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Typischerweise spreche Gorman nur einmal pro Quartal mit Moody's. Diese Woche dürfte Morgan Stanley noch einmal mit der Ratingagentur verhandeln.

Bis Juni soll die Rating-Entscheidung über Morgan Stanley fallen. Um sich auf eine mögliche Herabstufung vorzubereiten, hat Morgan Stanley einigen Kunden geraten, manche Derivateverträge zu einer Tochtergesellschaft mit besserem Rating, zum Beispiel dem Banking-Bereich, umzuschichten. Wenn die langfristige Bonitätsnote etwa um drei Stufen gesenkt würde, von A2 zu Baa2, müsste Morgan Stanley 6,5 Milliarden Dollar zusätzlich an Sicherheiten oder Abschlusszahlungen für Vertragspartner und Clearingstellen beiseite legen, so ein aktuelles Dokument des Unternehmens.

Morgan Stanley war die einzige große US-Bank, die Moody's im Februar vor einer möglichen Herabstufung um drei Noten gewarnt hatte. Im selben Zug stellte die Ratingagentur 16 weitere globale Banken unter Beobachtung für eine mögliche Herabstufung. Diese Aussicht erhöht den Druck auf Morgan Stanley, solide Quartalsergebnisse abzuliefern, da das voraussichtlich die letzten Geschäftszahlen sind, die Moody's in seine Entscheidung mit einbezieht. Eine Sprecherin für Morgan Stanley wollte sich zu einer möglichen Herabstufung nicht äußern.

Wettbewerber springen Morgan Stanley zur Seite

Eine überraschende Wendung kam, als einige Konkurrenten von Morgan Stanley, die ebenfalls eine Herabstufung befürchten müssen, das Finanzhaus ungewollt verteidigten. „Wir stimmen eindeutig nicht mit einigen Dingen überein, die Moody's in seinen Berichten erwähnt hat", sagt David Viniar, Finanzchef von Goldman Sachs, am Dienstag bei einer Konferenzschaltung mit Analysten, Investoren und Journalisten. „Goldman Sachs, und offen gesagt auch einige unserer Wettbewerber, haben die angekündigte Herabstufung nicht verdient."

Im Februar gab Moody's bekannt, Goldman möglicherweise um eine oder zwei Noten herabzustufen.

Vertreter von Morgan Stanley haben im Vorfeld der Entscheidung immer wieder unterstrichen, wie sehr sich das Geschäft des Unternehmens seit 2008 verändert habe, als es während der Finanzkrise beinahe zusammenbrach.

In mehreren Gesprächen mit Moody's haben Vertreter von Morgan Stanley betont, dass sie Kapitalrücklagen von 182 Milliarden Dollar aufgebaut und ihre Kredite stabiler gestaltet haben, indem sie längerfristige Papiere kaufen. Außerdem habe das Institut beständigere Geschäftszweige wie die Vermögensverwaltung ausgebaut und mit der japanischen Bank Mitsubishi UFJ Financial Group einen starken Finanzpartner ins Haus geholt. Dieser gehört mittlerweile ein Anteil von 22 Prozent an Morgan Stanley.

Moody's hält Investmentgeschäft für zu riskant

Moody's schaut jedoch besonders auf ein anderes Problem: Morgan Stanley ist immer noch eine Investmentbank, und das in gefährlichen Zeiten für solche Firmen.

Es gebe „inhärente Schwächen", so Moody's in einer Analyse vom Februar. Morgan Stanley und verwandte Unternehmen „halten große und volatile Risikopositionen, die diese Unternehmen und ihre Investoren unerwarteten und manchmal übergroßen Verlusten aussetzen".

Anton Schutz ist Präsident des Morgan-Stanley-Anteilseigners Mendon Capital Advisors. Das Unternehmen hielt Ende Dezember 50.000 Aktien, so FactSet Research Systems. Wenn es zu einer Herabstufung kommt, könnte er seine Position noch ausbauen, sagt Schutz. Das Unternehmen sei ausreichend zahlungsfähig, habe mehr Kapitalreserven und ein stärker diversifiziertes Geschäftsmodell als noch vor ein paar Jahren. „Es macht für mich einfach keinen Sinn", sagt er in Bezug auf die Einschätzung von Moody's. Im vergangenen Jahr haben die Aktien von Morgan Stanley ein Drittel ihres Wertes verloren.

Ratingagenturen wie Moody's haben jedoch eine etwas getrübte Erfolgsgeschichte. Sie haben nicht nur die Immobilienblase verpasst, sondern auch einige Finanzinstitute zu hoch bewertet und sie erst Wochen oder Tage vor der Insolvenz herabgestuft.

Moody's hat Morgan Stanley in den vergangenen fünf Jahren nur um zwei Noten herabgestuft, obwohl das Unternehmen nur knapp an der Pleite vorbeigeschrammt ist und während der Finanzkrise 2008 Regierungsgelder in Anspruch nehmen musste. Auch wenn eine Herabstufung um drei Noten teuer würde, wäre Morgan Stanley nicht die einzige Bank, deren Rating auf Baa2 fallen könnte. Auch Citigroup und Bank of America könnten so tief rutschen.

Im ersten Quartal muss Morgan Stanley wahrscheinlich erklären, warum das Unternehmen 1,5 Milliarden Dollar oder mehr auf die eigenen Unternehmensanleihen abschreiben muss. Ohne diese Abschreibungen hat das Unternehmen voraussichtlich 800 Millionen Dollar verdient, so eine Umfrage bei mehreren Analysten von Thomson Reuters. Dies steht (ohne die Neubewertung der Anleihen) einem Verlust von etwa 370 Millionen Dollar im vierten Quartal und einem Gewinn von etwa 1,1 Milliarden Dollar im ersten Quartal 2011 gegenüber.

Unklar ist, wie die Ratingagenturen auf den immer schneller wachsenden Anteil des Instituts an dem Joint Venture mit der Citigroup reagieren. Morgan Stanley hat die Möglichkeit, seinen Anteil an dem Brokerhaus Morgan Stanley Smith Barney von 51 auf 65 Prozent zu erhöhen, könnte die Firma jedoch auch komplett kaufen, wenn die Citigroup mit dem Preis einverstanden ist und die Aufsichtsbehörden ihren Segen geben.

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