• The Wall Street Journal

EU will Sonys Kauf von Plattenverlag EMI genehmigen

    Von ETHAN SMITH

Der Unterhaltungskonzern Sony ist auf bestem Weg, der größte Musikverlag der Welt zu werden. Wie aus gut unterrichteten Kreisen verlautete, will die Europäische Kommission einem globalen Investoren-Konsortium rund um Sony am Donnerstag erlauben, einen Teil der angeschlagenen britischen Plattenfirma EMI für 2,2 Milliarden Dollar zu kaufen.

Getty Images

Beyoncé Knowles ist eine der Künstlerinnen, die bei EMI unter Vertrag steht.

Das grüne Licht von Seiten der EU-Behörde wäre für Sony ein wichtiger Etappensieg. Der Konzern würde sich ein mehrmonatiges Kartellprüfverfahren für den Kauf des Verlagsgeschäfts EMI Music Publishing ersparen.

Noch müssen auch die US-Kartellbehörden der Übernahme zustimmen.

Neben Sony zählen der Nachlass von Michael Jackson, die in Abu Dhabi ansässige Mubadala Development Company, die Investoren Jynwel Capital und die zur Blackstone -Gruppe gehörenden GSO Capital Partners sowie der amerikanische Musikverleger und Milliardär David Geffen zu den Bietern für EMIs Musikverlag.

Die traditionsreiche, aber schwer angeschlagene Plattenfirma EMI, die zuletzt der Citigroup gehörte, war im November zerschlagen worden.

Große Teile sollen verkauft werden

Ihre beiden Unternehmensteile EMI Music und EMI Music Publishing werden nun gesondert verkauft, wobei die zum Vivendi -Konzern gehörende Plattenfirma Universal die Sparte EMI Music für 1,9 Milliarden Dollar kaufen will. Auch sie wartet aber noch auf eine Entscheidung der Kartellrichter in Europa und den USA.

Die Wettbewerbsbehörden wollen sicherstellen, dass der Machtgewinn von Sony und Universal durch die Zukäufe nicht den Wettbewerb verzerrt.

Nach Angaben der mit der Sache vertrauten Personen will die Europäische Kommission den Kauf nur unter der Bedingung genehmigen, dass Sony bestimmte Teile des Musikverlags verkauft. Das hatte Sony schon zu einem früheren Zeitpunkt eingeräumt, aber offenbar forderte die EU-Kommission noch weitreichendere Zugeständnisse. Sony habe deshalb angeboten, noch größere Teile des EMI-Rechtekatalogs zu verkaufen, sagt die vertrauliche Quelle.

Das Investorenkonsortium will nun offenbar vier der Rechtekataloge von EMI Music Publishing verkaufen, die ältere Musikstücke betreffen. Dazu gehören Titel der Plattenfirma Virgin Music Publishing in Großbritannien, den USA und Europa, sowie die Musikrechte der Firma Famous Music für Titel in Großbritannien. Darüber hinaus werden Sony und seine Mitstreiter wohl auch die Rechte einer kleinen Zahl moderner Liedermacher verkaufen.

Sony wäre weltgrößter Musikverlag

EMIs Rechtekatalog gilt als einer der lukrativsten in der Branche. Musikverlage wie EMI Music Publishing halten und verwalten die Urheberrechte von Melodien und Liedtexten. Immer wenn ein Titel aus ihrem Besitz gekauft oder öffentlich gespielt wird, erhalten sie Tantiemen.

Im Gegensatz dazu besitzt EMIs anderer Arm, die Tonträgersparte EMI Music, spezielle Aufnahmen von Liedern und vertreibt diese auf CD, im Internet oder über andere Kanäle.

Mit dem geplanten Kauf von EMI Music Publishing würde Sony zum weltgrößten Musikverlag nach Marktanteilen aufsteigen, hat das Wall Street Journal anhand einer Investorenpräsentation berechnet: Auf die beiden Unternehmen zusammen entfiel im Jahr 2010 ein Anteil von 31 Prozent des globalen Musikverlagsgeschäfts – womit sie weit vor Universal Music Publishing lägen, die damals 23 Prozent Marktanteil besaß.

Die Zahlen berücksichtigen allerdings noch nicht die geplante Wertminderung der Musikverlags durch einen möglichen Rechteverkauf.

—Mitarbeit: Vanessa Mock.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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