• The Wall Street Journal

Hypotheken-Krise bringt Hollands Banken in Not

    Von MAARTEN VAN TARTWIJK

AMSTERDAM – Die Flaute am Immobilienmarkt bereitet den niederländischen Banken weiter Kopfschmerzen. Und die wirtschaftliche Lage des Landes könnte ihnen steigende Verluste und erschwerte Finanzierungsbedingungen bringen.

Reuters/Michael Kooren

Immobilienkrise in Holland: Wie hier in Utrecht stehen viele Häuser zum Verkauf.

Die Regierung in den Haag will noch in dieser Woche die Haushaltsberatungen abschließen, die das Haushaltsdefizit des Landes 2013 auf das von der EU vorgegebene Niveau bringen soll. Neben Steuererhöhungen und Sparmaßnahmen soll auch die gewaltige Hypothekenlast angegangen werden. Dieser gehört zu den höchsten in Europa und steht bei etwa 640 Milliarden Euro, deutlich mehr als 100 Prozent der Wirtschaftsleistung der Niederlande. Seit 2008 sind die Hauspreise um mehr als 10 Prozent gefallen und dürften weiter sinken.

Vor dem Hintergrund steigender Arbeitslosigkeit und staatlichen Sparmaßnahmen fällt es immer mehr niederländischen Haushalten schwer, ihre Schulden zurückzuzahlen. Auch wenn die Krise nicht so groß ist wie in Spanien oder Irland, belastet sie doch die Wirtschaft und bringt die Finanzindustrie in Gefahr.

Daher werden die Quartalszahlen der Banken diesmal besonders unter Beobachtung stehen. Am 9. Mai berichtet die ING Groep, am 16. Mai folgt die staatseigenen ABN Amro Bank. Die genossenschaftliche Rabobank Groep gibt keine Quartalszahlen bekannt.

Von externer Finanzierung abhängig

In ihrem jährlichen Bericht warnte die niederländische Zentralbank im März, dass die Banken aufgrund des fortgesetzten Abschwungs mehr Kredite abschreiben müssten und sie Probleme bekommen könnten, sich am Finanzmarkt mit Geld zu versorgen.

Das könnte zum Problem werden. Da die niederländischen Banken über nicht genug Einlagen von Unternehmen und Privatpersonen verfügen, sind sie in hohem Maße von externer Finanzierung abhängig, um Kredite vergeben zu können. Diese „Einlagen-Finanzierungslücke", wie die Zentralbank es nennt, liegt zurzeit bei etwa 480 Milliarden Euro und steigt weiter an.

Nachdem sie von der Finanzkrise 2008 hart getroffen waren, hatten viele niederländische Banken ihre Kapitalausstattung verbessert und ihre Bilanzen in Ordnung gebracht. Sie gehören jetzt zu den stärksten in Europa und sollten die Flaute wegstecken können, heißt es in einem Bericht der Ratingagentur Standard & Poor's. Die Agentur schreibt aber auch, dass es für die Banken darauf ankommt, das Vertrauen der Finanzmärkte zu erhalten, da 2012 und 2013 Schulden über 115 Milliarden Euro fällig werden.

Ausfälle "in engen Grenzen"

Die größten Kreditgeber, die Rabobank, ABN Amro und ING, haben wiederholt versichert, dass sie mit dem Abschwung umgehen können und immer noch einen guten Zugang zu den Finanzmärkten haben. Auch sei die Arbeitslosigkeit in den Niederlanden immer noch vergleichsweise niedrig. Zudem verfügten die Privatschuldner über genügend Reserven, um ihre Hypotheken zurückzahlen zu können.

Die Rabobank, mit etwa 200 Milliarden Euro der größte Kreditgeber für Hypotheken, hat erklärt, ihre Ausfälle hielten sich „in engen Grenzen". Bei ABN Amro, die 155 Milliarden verliehen hat, liegen die Ratenzahlungen mit mehr als 90 Tagen in Verzug bei 3,29 Milliarden, 2,1 Prozent der Gesamtsumme.

ING, bei der Hypotheken 142 Milliarden ausstehen, sagt, dass die Quote der Zahlungsausfälle seit 2008 stabil bei etwa 1 Prozent liegt. Selbst wenn die Arbeitslosigkeit auf 10 Prozent und die Hauspreise um 25 Prozent sinken würden, könne man das verkraften, sagte die Bank im Januar.

Citibank warnt

Doch die Immobilienpreise könnten weiter nachgeben, wenn die Regierung ihre Subventionspolitik einstellt. So gibt es etwa eine Steuererleichterung auf Zinszahlungen für Hypotheken. Durch solche Anreize haben die Niederländer sich oft stark verschuldet. Das hat dem Land auch Kritik vom Internationalen Währungsfonds eingebracht, da es sowohl die Bilanzen der Banken als auch den Staatshaushalt belaste.

Die Unsicherheit hat zu Besorgnis bei vielen Analysten geführt. Im Februar stufte die Schweizer UBS die ING wegen des schwierigen Umfelds auf dem Hypothekenmarkt ab. Und kürzlich schrieb die Citibank in einem Bericht, dass die Gewinne im Filialgeschäft der ING in diesem Jahr schrumpfen könnten.

„Änderungen in der Haltung der Regierung zur steuerlichen Abzugsfähigkeit von Hypotheken könnte die Gewinne sogar noch stärker sinken lassen und die Profitabilität langfristig beeinflussen", heißt es.

ING ist die einzige niederländische Großbank, die börsennotiert ist, Die Aktie hat sein Jahresanfang 1 Prozent, aber 35 Prozent im Vergleich zum April 2011 verloren.

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