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Argentinien: Wuchersteuern gegen den Staatsbankrott

    Von KEN PARKS
Agence France-Presse/Getty Images

Argentinien leidet unter einer hohen Inflation. Jetzt könnte auch das Einkaufen bei ausländischen Online-Händlern teurer werden.

BUENOS AIRES—Im Internet auf Einkaufstour zu gehen wird für Argentinier künftig teuer, zumindest bei internationalen Anbietern. Denn die argentinische Regierung hat neue Beschränkungen für Käufe bei ausländischen Online-Händlern erlassen, um die Devisenabflüsse weiter einzudämmen. Durch die jüngsten Maßnahmen können Waren, die über das Internet bestellt werden, um bis zu 50 Prozent teurer werden.

Kunden in Argentinien dürfen jährlich Online-Produkte bis zu einem Wert von 25 US-Dollar steuerfrei kaufen. Wenn dieses Limit erreicht ist, wird eine Steuer von 50 Prozent auf alle Waren fällig, die über internationale Webseiten bestellt wurden. Dazu kommt ein jüngst beschlossener Aufschlag von 35 Prozent auf Waren und Dienstleistungen, die mit der Kreditkarte einer argentinischen Bank bezahlt wurden.

Die Bestände ausländischer Devisen bei der argentinischen Notenbank befinden sich auf dem niedrigsten Niveau seit sieben Jahren. Vor diesem Hintergrund hat Präsidentin Cristina Kirchner verstärkte Import-Beschränkungen und Kontrollen bei Devisen veranlasst, um sicherzustellen, dass das Land über ausreichende Bestände an US-Dollar verfügt, um Schuldenverpflichtungen nachkommen zu können und wichtige ausländische Importgüter, wie Gas, bezahlen zu können.

Die neuen Regeln für den Online-Handel mit ausländischen Anbietern sind nur ein weiterer Baustein im Steuer-Puzzle der argentinischen Regierung. So wurde seit November vergangenen Jahres die Steuer auf Luxusautos angehoben. Und auch die Gebühr für die Anschaffung einer Kreditkarte bei einer ausländischen Bank wurde auf 35 von 20 Prozent nach oben genommen.

Ausländische Investitionen gehen zurück

Kabinettschef Jorge Capitanich hat die Auflagen für den Online-Handel als notwendig bezeichnet, um die argentinische Industrie und Arbeitsplätze zu sichern. „Rund 65 Prozent der Online-Bestellungen kommen aus Hongkong und China und werden durch eine aggressive E-Commerce-Strategie unterstützt", so Capitanich auf einer Pressekonferenz.

Argentinien wird damit immer kreativer, um einen verstärkten Devisen-Abfluss, vor allem von US-Dollar, zu verhindern. Jahrelang waren aus dem südamerikanischen Land Gelder abgeflossen. Gleichzeitig stieg die Inflation dramatisch an und weist derzeit den zweithöchsten Wert in Südamerika nach Venezuela auf. Nach Ansicht von Ökonomen lag der Wert im vergangen Jahr bei über 25 Prozent.

Die verstärkten Devisen-Kontrollen haben zwar den Kapitalabfluss reduziert, doch im Gegenzug gingen auch die ausländischen Investitionen zurück, da es immer schwieriger wird, Gewinne in andere Länder abzuführen. Dies macht Argentinien stark vom US-Dollar abhängig, der durch Exporte in die Kassen gespült wird. Dazu kommen noch Kredite von Institutionen wie der Weltbank und der Interamerikanischen Entwicklungsbank.

Nach Ansicht von Barclays -Volkswirt Sebastian Vargas sind die Beschränkungen für den Online-Handel eine echte Überraschung, da die Regierung bisher eher auf Import- und Devisen-Kontrollen gesetzt habe. Doch die neuen Maßnahmen hätten einen negativen Einfluss auf die Wirtschaft in Argentinien und würden vor allem das Verarbeitende Gewerbe belasten. Er schätzt die Wahrscheinlichkeit, dass Argentinien in diesem Jahr in die Rezession rutscht, als „sehr hoch" ein.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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