• The Wall Street Journal

Schwarzer Tag für die Schwellenländer

    Von PRABHA NATARAJAN
[image] Associated Press

Menschen laufen am Donnerstag an einer Anzeige für Devisen vorbei: Es war ein rabenschwarzer Tag für Schwellenländer.

Der Donnerstag war ein rabenschwarzer Tag für Währungen aus den Schwellenländern. Schwache Wirtschaftsdaten aus China führten zu einem globalen Abverkauf. Am schwersten getroffen waren der südafrikanische Rand, die türkische Lira, der brasilianische Real und der argentinische Peso.

Die Nachfrage aus China war über Jahre Wachstumsmotor für die Schwellenländer. Viele Anleger fürchten nun offenbar, dass Probleme in China zu noch größeren Verwerfungen in Ländern wie Südafrika oder Brasilien führen könnten, die Rohstoffe nach China liefern. Ein schwächeres Wachstum in diesen Ländern weckt zudem die Angst vor sozialen Unruhen wie in der Türkei, wo Investoren schon länger Geld abziehen.

Der argentinische Peso ist am Donnerstag gegenüber dem Dollar um über 12 Prozent eingebrochen. Das war der größte Tagesverlust seit der Währungskrise des Landes im Jahr 2002. Die Zentralbank war gezwungen, Dollarreserven zu verkaufen, um den Absturz zu bremsen. Die Angst vor einer neuen Devisenkrise in der zweitgrößten Volkswirtschaft Südamerikas, die auch Nachbarn wie Brasilien oder Venezuela mit in den Abgrund ziehen könnte, steigt.

Der Peso, der üblicherweise streng von der Regierung kontrolliert wird, erlebte am Donnerstag eine Achterbahnfahrt. Nach der Eröffnung fiel er um fast 20 Prozent von 7,14 US-Dollar auf 8,50. Nach dem Eingreifen der Notenbank erholte sich der Kurs wieder auf 8 Peso je Dollar. „Der Markt explodiert", sagte Francisco Diaz Mayer, Devisenhändler bei ABC Mercado de Cambios. Mit dem Vorgang vertraute Personen berichten, dass die Notenbank 100 Millionen Dollar in die Hand genommen hat, um den Peso zu verteidigen.

Auch wenn in den Augen vieler Anleger Argentinien wegen seiner strengen Kontrolle bei Devisen, Handel und anderen Wirtschaftsbereichen ein Extrembeispiel ist, so sehen Marktexperten das Land doch stellvertretend für viele Schwellenländer, in denen sich Probleme häufen.

Die türkische Lira sank auf ein Rekordtief von 2,3045 Lira zum Dollar, trotz der massiven Eingriffe der Notenbank. In einer kargen Stellungnahme erklärten die Währungshüter am Donnerstag, man habe auf dem Markt interveniert, weil es zu „ungesunden Preisentwicklungen" gekommen sei. Ein Sprecher wollte das nicht weiter kommentieren.

Das fehlende Vertrauen in die türkische Notenbank habe zu einem Dominoeffekt auf dem Devisenmarkt geführt, sagt Dan Dorrow, Leiter des Research bei Faros Trading. „Es ist schlicht und einfach ein Vertrauensverlust in die Schwellenländer."

Der Absturz der Lira löste Verluste bei vielen anderen Währungen aus. Erst im vergangenen Sommer war es zu einer ähnlichen Kettenreaktion gekommen. Die Lage in der Türkei habe gezeigt, „dass die Notenbanken der Schwellenländer in einer ziemlich komplizierten Lage sind", sagt Peter Kinsella, Devisenstratege für Schwellenländer bei der Commerzbank . „Wenn sie ihre Probleme nicht bald in den Griff bekommen, dann könnte sich die Korrektur auf dem Devisenmarkt zu einer Währungskrise ausweiten."

Spekulationen über Anleihekäufe der Fed

Den Abrutsch im Sommer hatten Spekulationen ausgelöst, dass die US-Notenbank ihre Anleihekäufe zurückfährt. Damit hatte sie seit der Finanzkrise 2008 die US-Wirtschaft gestützt. Mit der sogenannten Drosselung begann die Fed Anfang dieses Monats. Das führte zu einer Aufwertung des Dollar und hohen Renditen auf amerikanische Staatsanleihen. Diese zwei Faktoren machen Schwellenländer für Investoren weniger attraktiv. Das geldpolitische Komitee trifft sich in der kommenden Woche wieder.

Viele Volkswirte sagen, dass die Notenbanken der Schwellenländer ihre Währungen stärker stützen und die Inflation bekämpfen müssen. Höhere Leitzinsen könnten aber das Wirtschaftswachstum weiter abwürgen.

Zum ersten Mal seit Oktober 2008 stieg der Dollar am Donnerstag über die Marke von 11 südafrikanischen Rand. Die Platinbergwerke des Landes lagen wegen eines Streiks lahm. Schon jetzt leidet Südafrika unter schwachem Wachstum, reduzierten Fördermengen in den Gold- und Platinminen und fallenden Rohstoffpreisen. Einer der wichtigsten Handelspartner ist China.

Am Donnerstag war der vorläufige Einkaufsmanagerindex der HSBC für China auf den niedrigsten Wert seit sechs Monaten gefallen. In Brasilien, ein weiterer Rohstofflieferant Chinas, fiel die Landeswährung auf 2,4016 Real je Dollar. Am Vortag waren es nach Zahlen von CQG noch 2,3732 Real.

—Mitarbeit: Nicole Hong, Emre Peker, Ken Parks und Taos Turner

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Panorama

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 22. April

    Frühlingsboten in Washington, schmutzige Schüler in Indonesien, eine riesige BH-Sammlung in China und royale Reisefotos aus Australien. Das und noch mehr steckt diesmal in unseren Bildern des Tages.

  • [image]

    Die Auto-Neuheiten aus China

    Der chinesische Automarkt gilt als schwierig - aber auch als lukrativ. Im Jahr des Pferdes versuchen die Autobauer mit limitierten Editionen und protzigen Modellen, die Käufer zu umgarnen. Wir zeigen Ihnen die Neuheiten der Automesse in Peking.

  • [image]

    Panini-Sticker: Höhepunkte aus 40 Jahren

    Zur Weltmeisterschaft im eigenen Land kamen 1974 die ersten Panini-Klebebilder in Deutschland auf den Markt, inzwischen haben sie Kultstatus. Ein Rückblick auf 40 Jahre Fußballgeschichte.

  • [image]

    Diese Länder sind die Wachstums-Stars

    Die Weltwirtschaft gewinnt weiter an Schwung. Wachstums-Impulse kommen aus den Industrieländern, auch aus Europa. Die höchsten Wachstumsraten sitzen aber woanders. Wir zeigen Ihnen, wo die Wirtschaft am stärksten boomt.

  • [image]

    Die bestverdienenden Bankenchefs der Welt

    Das vergangene Jahr hat sich für die Chefs der internationalen Großbanken wieder gelohnt. Doch auch in der Liga der Großverdiener gibt es deutliche Klassenunterschiede. Wir haben aufgelistet, wer wie viel erhalten hat.

Erwähnte Unternehmen