• The Wall Street Journal

Schwellenland-Devisen fallen wie Dominos

    Von RALF ZERBACK
[image] Agence France-Presse/Getty Images

Währungskurse an einer Wechselstube in der Innenstadt von Buenos Aires. Der argentinische Peso gehörte zu den am härtesten getroffenen Devisen.

Mit den Währungen der Schwellenländer ging es am Freitag weiter kräftig abwärts. Besonders stark erwischte es die türkische Lira und den südafrikanischen Rand, die zum US-Dollar kräftig abwerteten. Daneben wurden am Freitag auch Währungen nach unten gezogen, die sich am Donnerstag noch gut hielten, wie die indische und die indonesische Rupie.

Vor allem zwei Faktoren drücken auf die genannten Währungen: Zum einen ist da die Sorge, dass die chinesische Wirtschaft ins Lahmen kommt; zum zweiten die Aussicht, dass die schärfere Geldpolitik der USA zu einer massiven Flucht aus Anlagen der Schwellenländer führen könnte.

Der wachsende Druck auf die empfindlichen Märkte der Schwellenländer weckt nun zunehmend die weltweite Aufmerksamkeit. Damit steigt die allgemeine Risikoscheu und die Furcht einer Ansteckung über die bisherigen Problemzentren hinaus wächst, wie Camilla Sutton sagt, Devisenstrategin bei Scotiabank. Am Markt werden nun Begriffe wie „Ansteckung" verwendet. Oder auch „Domino": Wen erwischt es als nächstes?

Der Dollar ist am Freitag auf ein neues Allzeithoch zur türkischen Lira gestiegen, er wurde am Freitag in der Spitze mit 2,337 Lira bezahlt. Am Donnerstagsschluss stand er erst bei 2,2929 Lira. Es ist die zehnte Sitzung in Folge mit Gewinnen des Dollar zur Lira. Zugleich stieg der Greenback auf 11,0817 südafrikanische Rand nach 10,9912 am späten Donnerstag.

Die Reaktion der Märkte auf die steigenden Sorgen um die Schwellenländer verlaufe nach einem typischen Muster, sagt Sutton. Die US-Anleihen zeigten Stärke, Währungen wie der Yen ebenfalls, wogegen Aktien unter Druck stehen.

So gab selbst der Dollar gegenüber dem Yen nach und fiel am Freitag bis auf 102,00 Yen nach 103,10 Yen am späten Donnerstag. Das war das niedrigste Niveau seit dem Dezember. Bereits am Donnerstag war der Greenback um über ein Prozent zum Yen gefallen, nachdem der chinesische Produktionssektor im Januar unerwartet stark schrumpfte. Hinzu kamen noch entsprechend schwache Daten für die US-Produktion, die auf ein Dreimonats-Tief fiel – auch wenn ein Teil davon auf das extrem kalte Wetter zurückzuführen ist.

Kettenreaktionen an den Märkten

Der ICE Dollar-Index, der den Greenback gegen sechs wichtige Währungen bemisst, stieg am Freitag auf 80,425 nach 80,422 am späten Donnerstag. Ein vergleichbares Maß, der WSJ-Dollarindex stieg auf 74,07 von 74,04. Jegliche Zunahme der Risikoscheu dürfte zunächst den Dollar höher treiben, sagt Sutton. Der Euro tendierte unterdessen nur wenig verändert zum Dollar.

Neben den allgemeinen Sorgen um die Schwellenländer treten landesspezifische Faktoren. So etwa der Absturz des argentinischen Peso, der durch die Politik der Zentralbank verschärft wurde. Sie hatte ihre Bemühungen zur Verteidigung des Peso zurückgefahren. Das Beispiel Argentinien zeigt auch, wie rasch die Krise übergreifen kann.

Denn am Freitag stürzten spanische Aktien ab, der Ibex verlor 3,5 Prozent. Zahlreiche spanische Unternehmen sind stark in Lateinamerika engagiert, etwa die Bank BBVA, deren Aktien um sechs Prozent nach unten sausten. Doch auch die Aktien anderer Industrieländer fielen kräftig, der Dax etwa verlor zwei Prozent, der Dow-Jones-Index ein Prozent.

Fed wieder im Visier

In den übrigen lateinamerikanischen Ländern fielen die Währungen ebenfalls. Der mexikanische Peso zum Beispiel kam unter Druck, obwohl Konjunkturdaten des Landes gut ausgefallen waren.

Unterdessen kritisieren Analysten die Politik einiger Zentralbanken in den Schwellenländern. So sagt etwa Peter Lannigan von CRT Capital, die Türkische Lira werde weiter unter Druck stehen, solange die Zentralbank nicht die Zinsen anhebe.

Doch selbst die US-Notenbank gerät ins Visier. Hier kommt nämlich eine neue Fantasie in den Markt: Wird die Federal Reserve möglicherweise ihren Kurs korrigieren und die Wertpapierkäufe zunächst einmal nicht weiter vermindern? Tom di Galoma von ED&F Man Capital hält dies durchaus für denkbar. Die künftige Fed-Präsidentin Janet Yellen beobachte sehr aufmerksam Störungen wie die aktuelle Schwellenländer-Krise. Und Ben Bernanke, der die kommende Sitzung des Offenmarktausschusses zum letzten Mal leiten wird, habe ja bereits im September schon einmal eine Rolle rückwärts gemacht.

Kontakt zum Autor: ralf.zerback@wsj.com

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