• The Wall Street Journal

Goldman Sachs feiert die Aktienparty nun in Europa

    Von HERBERT RUDE

Die Verstimmung am US-Aktienmarkt zum Wochenstart muss die Börsianer in Europa nicht schrecken. Das meint zumindest Goldman Sachs. Denn während das renommierte Haus auf der einen Seite vor einem eher flauen Aktienjahr 2014 in den USA warnt, setzt es auf der anderen Seite auf europäische und japanische Aktien. "Das Wachstum in Europa zieht gerade erst an und die Risikoprämien fallen", sagte Peter Oppenheimer, zuständig für die globale Aktienstrategie, auf einer Strategiekonferenz in Frankfurt. Bei US-Dividendentiteln sieht die Investmentbank wegen der hohen Bewertung dagegen nur noch wenig Potenzial.

Reuters

Auch die Aktienwerte im Dax dürften laut Goldman 2014 von Wachstums- und Gewinnaussichten getrieben werden.

Beim europäischen Stoxx-600-Index rechnet Goldman mit einem Anstieg um 11 Prozent auf 360 Punkte bis zum Jahresende. 2015 könne der Index auf 380 Punkte steigen und 2016 weiter zulegen auf 400 Punkte.

"Die europäischen Märkte sind im Gegensatz zum US-Markt niedriger bewertet als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre", so Oppenheimer. Das gelte auch für den Dax mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von gut 12. Die europäischen Aktien würden nun zunehmend von den Wachstums- und Gewinnaussichten getrieben. Die Gewinne der europäischen Unternehmen dürften in diesem Jahr um 14 Prozent wachsen und im kommenden Jahr um 13 Prozent. Die Investitionsquoten in europäischen Aktien seien dagegen immer noch niedrig.

Goldman: Leichter Zinsanstieg bereits eingepreist

Einen leichten Zinsanstieg an den Märkten sieht der Experte als eingepreist an. Oppenheimer rechnet zum Jahresende mit 3,25 Prozent Rendite bei den zehnjährigen US-Bonds und mit 2,25 Prozent bei den deutschen Langläufern. Die US-Notenbank werde bis zum vierten Quartal die Anleihenkäufe beenden, glaubt er. Die Leitzinsen werde sie aber erst 2016 erhöhen, dann aber relativ schnell bis 2018 auf ein "normales Niveau" von 4 Prozent.

Auf Sicht von 12 Monaten empfiehlt Oppenheimer unter den Anlage-Klassen lediglich Aktien zum Übergewichten. Anleihen mit mittleren Laufzeiten und Bargeld stuft er als neutral ein, bei lang laufenden Rentenpapieren und Rohstoffen rät er zum Untergewichten. Aktien hätten in der vergangenen Dekade gegenüber Anleihen so schlecht abgeschnitten wie seit 100 Jahren nicht mehr, die neue Phase überdurchschnittlicher Aktienerträge habe gerade erst begonnen.

Am US-Markt könnte die Party allerdings erst einmal zu Ende gehen. Die Gewinne stiegen hier in diesem Jahr nur noch um 6,5 Prozent. "Und auf höhere Kurs-Gewinn-Verhältnisse sollten Anleger nicht setzen", sagte US-Aktienstratege David Kostin. Das derzeitige KGV von 16 sei in den vergangenen 30 Jahren nur zwei Mal übertroffen worden, und zwar während der Technologie-Blase Ende der 90er Jahre und 2004.

Kostin rechnet mit einem Stand des S&P-500-Index von 1.900 Punkten zum Jahresende. Das entspricht einem Aufwärtspotenzial von lediglich etwa 4 Prozent. Aufgrund der hohen Bewertung sei es auch wahrscheinlich, dass der S&P-500-Index im Jahresverlauf erstmals seit Mitte 2012 um 10 Prozent korrigiere.

Investment-Chancen in den USA

Allerdings gebe es auch in den USA ausgewählte Investment-Chancen. Denn die Goldman-Experten rechnen global damit, dass die in der Krise angehäuften Liquiditätsbestände nun zunehmend für Dividenden und Aktienrückkäufe sowie Investitionen eingesetzt werden. Anleger sollten deshalb auf Übernahmen und Aktienrückkäufe setzen sowie auf Unternehmen, die vom erwarteten beschleunigten Wachstum der Investitionen profitierten, empfiehlt Kostin.

Zuversichtlich zeigt sich Goldman auch für japanische Aktien. Der Topix könne in diesem Jahr um gut 11 Prozent auf 1.450 Punkte steigen und im kommenden Jahr sogar noch etwas stärker auf 1.650 Punkte.

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