• The Wall Street Journal

Die vielen Leben fragwürdiger Börsenhändler

    Von JEAN EAGLESHAM und ROB BARRY
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Finanzdistrikt in New York: Zahlreiche Händler wechseln von einem auffälligen Brokerhaus zum nächsten.

Die amerikanische Finanzaufsicht sperrte das erste Brokerhaus, wo Kenneth Dwyer Wertpapiere verkaufte, vom Handel. Sie sperrten auch seinen dritten, vierten, siebten und achten Arbeitgeber. Sein zehnter wurde im Juni geschlossen, nachdem Aufseher die Firma des Betrugs beschuldigt hatten.

Die gesperrten und erloschenen Firmen, in denen Dwyer gearbeitet hat, hinterlassen tausende geschädigte Anleger, die nach Schätzungen 85 Millionen Dollar beim Handel oder durch nicht zurückgezahltes Kapital verloren haben. Das zeigen Gerichtsdokumente und Aussagen von Anwälten.

Dwyer ist einer von über 5000 Brokern in den USA, die Anfang des Jahres über eine Wertpapierhandelslizenz besaßen, obwohl sie für mindestens eine Firma gearbeitet hatten, die zwischen 2005 und 2012 von der Finanzaufsicht vom Markt ausgeschlossen wurde. Das zeigt eine Analyse des Wall Street Journal basierend auf einer Datenbank von über 550.000 Brokern.

In der Finanzbranche gibt es ein Wort für das Muster, dass Broker von einer Problemfirma zur nächsten ziehen. „Cockroaching" wird es laut einem ehemaligen Makler genannt, nach dem englischen Wort für Kakerlaken.

Am 30. September sperrte die Aufsicht Dwyer für neun Monate und verhängte eine Strafe von 10.000 Dollar, unter anderem wegen übermäßigen Handelns. Dwyer leistete die Strafe ab, ohne sich schuldig zu bekennen. Zu den Kunden, die nach eigenen Aussagen von ihm geschädigt wurden, gehört ein Mann aus Decatur (Texas), der durch Dwyer das Geld verloren habe, das er aus dem Verkauf seines Bestattungsunternehmens erlöst hat.

In einem Interview vor seinem Disziplinarverfahren wollte sich Dwyer, 37, nicht über die Entscheidungen der Finanzaufsicht oder die Anschuldigungen gegen ihn selbst äußern. Über die Vorfälle bei seinen Arbeitgebern sagte er: „Das ist einfach bedauerlich."

Insolvenzen und Schiedsklagen stoppen Karrieren nicht

Die Analyse des Journals zeigt, wie Börsenmakler von gesperrten Firmen danach oft weiter durch die Branche ziehen. Oft arbeiten sie auch dann weiter in ihrem Beruf, wenn sie mehrere Schiedsklagen angehäuft und mehrmals Insolvenz angemeldet haben.

Einige der Makler scheinen Beziehungen zu bilden, durch die sie immer wieder bei Firmen zusammenkommen, die später von der Aufsicht gesperrt werden. So auch Dryer. Nach seinem ersten Job bei einem Brokerhaus im Jahr 1998 traf er bei späteren Arbeitgebern immer wieder Kollegen aus der ersten Firma. Mindestens ein Broker aus der ersten Firma arbeitete mit ihm bei seinem zehnten Arbeitgeber zusammen.

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Tatort Börse: Übermäßiger Handel, zu hohe Gebühren, falsches Spiel mit Pennystocks.

Die Aufsichtsbehörde für Börsenmakler ist in den meisten Fällen die Selbstkontrollorganisation der Wall Street: die Financial Industry Regulatory Authority, kurz Finra. Die Finra darf Firmen ebenso wie einzelne Händler vom Markt sperren, wodurch es jeben nach amerikanischen Gesetzen verboten wird, Wertpapiere zu verkaufen.

Die Finra legt ihre komplette Datenbank mit Disziplinarverfahren nicht offen, jedoch kann jeder im Internet einzelne Broker überprüfen. Broker werden auch von den einzelnen Bundesstaaten kontrolliert. Das Wall Street Journal hat in allen 50 Bundesstaten der USA Dokumente angefordert und damit eine Datenbank von etwa 88 Prozent der in den USA registrierten Broker zusammengestellt.

Um Firmen zu finden, die von der Finra gesperrt wurden, sichtete das Journal 105 der monatlichen Disziplinarberichte, die die Behörde seit 2005 veröffentlicht hat. Bis Ende 2012 hat sie 173 Firmen gesperrt - zum Beispiel, weil diese von der Aufsicht verhängte Bußgelder nicht zahlten oder des Betrugs beschuldigt wurden.

Mehr als 5.000 Broker von geschlossenen Firmen

Mindestens 5.054 Broker, die bei diesen erloschenen Firmen gearbeitet hatten, besaßen Anfang des Jahres noch eine Wertpapierhandelslizenz. Von diesen haben 610 bei mindestens zwei Firmen gearbeitet, die von der Finra gesperrt wurden.

Die meisten der gut 550.000 Broker, die das Journal in seine Analyse mit einbezog, hatten noch nie mit einer Schiedsklage zu tun und hatten sich auch sonst kein Fehlverhalten zuschulden kommen lassen, das öffentlich gemacht werden muss. Dass ein Broker bei einer Firma gearbeitet hat, die später von der Aufsicht geschlossen wurde, bedeutet nicht unbedingt, dass der Broker Fehler begangen hat.

Wie das Wall Street Journal die Daten analysiert hat

Die Selbstkontrollorganisation der Wall Street, die Financial Industry Regulatory Authority, kurz Finra, sammelt Informationen über die Börsenmakler in den USA. Eine Datenbank der Finra enthält eine breite Palette an Informationen, darunter die Historie ihrer Arbeitgeber und die Disziplinarverfahren gegen sie.

Da die Finra eine private Einrichtung ist, ist sie per Gesetz nicht verpflichtet, ihre Daten preiszugeben, die der Datenbank zugrunde liegen. Stattdessen kann jeder Interessierte basierend auf diesen Daten einzelne Broker und Firmen im Internet nachschlagen.

Jeder Broker muss sich auch bei den Wertpapieraufsichtsbehörden des Bundesstaates registrieren, wo er seine Arbeit verrichtet. Diese Aufseher sind öffentliche Einrichtungen und müssen daher auf Anfrage Daten und Dokumente preisgeben.

Um ein landesweit gültiges Bild zu erhalten, forderte das Wall Street Journal in allen 50 US-Bundesstaaten Dokumente über Börsenmakler an. 21 der Staaten schickten volle oder teilweise Datensätze zurück. Diese Daten, die in der ersten Jahreshälfte 2013 gesammelt wurden, enthalten Informationen über 558.245 Einzelpersonen, von denen viele in mehreren Staaten registriert sind. Im August 2013 waren landesweit laut der Finra 633.622 Broker registriert.

Die Finra erklärt, dass sie keine umfassende Liste von Firmen unterhält, die sie von der Branche gesperrt hat. Das Journal hat 105 monatliche Berichte der Behörde gesichtet und 173 Firmen gefunden, die die Behörde nach eigenen Angaben zwischen 2005 und 2012 gesperrt hat. Das Journal verglich diese Liste dann mit den Arbeitgeberhistorien von Brokern und fand tausende Personen, die immer noch in der Branche arbeiten und die früher bei Firmen angestellt waren, die von der Finra gesperrt wurden.

„Das Problem ist, dass eine kleine Minderheit von schlechten Brokern und Brokerhäusern sehr viel Schaden anrichtet", sagt Denise Voigt Crawford, ehemals Wertpapierbeauftragte bei der Aufsichtsbehörde des Bundesstaates Texas.

Gegen einen Broker, der bei mindestens zwei Firmen gearbeitet hat, die später gesperrt wurden, und der weiter in der Branche arbeitete, wurden im Durchschnitt achtmal so viele Schiedsklagen und andere veröffentlichungspflichtige Verfahren vorgebracht wie gegen den durchschnittlichen Broker, zeigt die Analyse des Journal.

Etwa 58 Prozent dieser Broker hatten mindestens ein Vergehen in ihrer Aktie, fast 25 Prozent hatten mindestens drei. Zum Vergleich: 13 Prozent aller analysierten Broker hatten mindestens ein Vergehen in der Aktie.

Die Finra verfolge Börsenmakler genau, die sich nach einer Firmensperrung auf neue Arbeitgeber verteilen, sagt Susan Axelrod, Vizevorsitzende für Aufsichtsfragen bei der Finra. „Die Migration der Broker beobachten wir mit Laseraugen."

Finra und SEC prüfen Firmen

Die Finra und die Börsenaufsicht SEC setzen bei Firmen ab einer bestimmten Größe zusätzliche Kontrollen durch, wenn ein bestimmter Anteil ihrer Angestellten aus einer gesperrten Firma stammt. Unter anderem müssen manche neuen Arbeitgeber dann Anrufe bei Kunden aufzeichnen.

Seit 2005 hat die Finra 3.616 Personen ihre Wertpapierhandelslizenz entzogen, sagt eine Sprecherin. Ein Sprecher der SEC, die über der Finra steht, wollte sich nicht äußern.

Bei der Analyse des Journal fiel Dwyer als Broker auf, der oft von einer Firma zur nächsten zog. Seine Akte zeigte eine Reihe von Brokerhäusern, die von der Aufsicht gesperrt wurden, und führte zu weiteren Brokern, die sich zwischen ebendiesen Firmen bewegten, bevor sie geschlossen wurden.

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Zentrale der US-Börsenaufsicht SEC in Washington. Die Behörde kontrolliert Wertpapierhändler gemeinsam mit der Finra.

Dwyer begann seinen ersten Job bei der Maklerfirma Seaboard Securities im Jahr 1998. Dokumente der Finra zeigen, dass die Firma eine Schiedsklage durch eine Zahlung von 40.000 Dollar beilegte, bei der auch Dwyer eine Rolle spielte. Aus den Akten ist nicht ersichtlich, ob er sich schuldig bekannt hat. 2002 verließ er die Firma.

2011 sperrte die Finra Seaboard Securities vom Markt, weil die Firma Bußgelder nicht bezahlt hatte. Anthony di Giovanni Sr., Vorsitzender und Mehrheitseigner von Seaboard, wollte sich nicht äußern.

Dwyer sprang daraufhin zwischen mehreren Arbeitgebern hin und her. Sein dritter Arbeitgeber wurde 2004 von der Aufsichtsbehörde gesperrt, sein vierter im Jahr 2005, jeweils nachdem er die Firmen verlassen hatte. Akten der Finra erwähnen eine Schiedsklage aus der Zeit bei Dwyers viertem und fünftem Arbeitgeber, die 2006 für 62.000 Dollar beigelegt wurde. Laut der Klage wurden zu hohe Provisionen verlangt und unpassende Anlageprodukte ausgewählt.

2005 fing Dwyer bei seinem siebten Arbeitgeber an, der New Yorker Sparte von Itradedirect.com. Laut Dokumenten der Finra legte die Firma 2007 eine Schiedsklage mit einer Zahlung von 64.500 Dollar bei. Laut der Klage verlangte die Firma zu hohe Provisionen.

Übermäßiger Handel treibt Gebühren nach oben

Im Januar 2010 reichte John Coker aus Decatur (Texas), der ehemalige Besitzer eines Bestattungsunternehmens, eine Beschwerde über Dwyer und Itrade bei der Finra ein. Angeblich habe Dwyer sein Depot ständig bewegt, um übermäßige Gebühren zu generieren. Dwyer wollte sich dazu nicht äußern.

Cokers Beschwerde durchlief das Schiedsverfahren der Finra, das Anleger anstatt Gerichten zur Beilegung von Streitigkeiten nutzen müssen. Dazu erklären sie sich bereit, wenn sie den Vertrag zur Öffnung eines Depots unterschreiben.

Im April 2010 verließ Dwyer Itrade und ging ebenso wie weitere Itrade-Broker zu einer anderen Firma. Einen Monat später zog sich Itrade aus der Branche zurück.

Im Juni 2010 meldete Dwyer Insolvenz an, weshalb die Finra Cokers Forderungen für unbestimmte Zeit auf Eis legte. Das zeigen Dokumente des Schiedsverfahrens. Nach amerikanischem Insolvenzrecht müssen solche Forderungen ausgesetzt werden, wenn der Broker Insolvenz anmeldet.

Im März 2011 sprach ein Gremium der Finra Coker einen Schaden- und Kostenersatz wegen Dwyers Fehlverhalten in Höhe von etwa 446.000 Dollar zu. Bisher hat er aber kein Geld von Itrade erhalten. „Wir konnten die Summe nie einfordern", sagt sein Anwalt Allen Williamson. „Die haben einfach ihre Zelte abgebrochen und sind verschwunden."

Finra bietet geschädigten Anlegern keine Unterstützung

Die Finra bietet Anlegern keine Unterstützung dabei, solche Zahlungen einzufordern. Jedoch suspendiere sie Broker und Firmen regelmäßig dafür, dass sie ihre Bußgelder nicht zahlen, sagt Axelrod. Einzelne Fälle wollte sie nicht besprechen. Vergangenes Jahr habe die Finra 15 Firmen und 37 Börsenmakler suspendiert, berichtet sie. „Wir bekommen dann zwar nicht das Geld zurück, aber wir stellen sicher, dass es Konsequenzen hat, wenn eine Zahlung an den Kläger nicht gemacht wird."

Laut der Finra wurden 51 Millionen Dollar an Zahlungen aus Schiedssprüchen aus dem Jahr 2011 bisher noch nicht beglichen. Das entspricht elf Prozent der Zahlungen, die Klägern in dem Jahr zugesprochen wurden, verglichen mit vier Prozent in den Jahren 2010 und 2009. Aktuellere Daten stellte die Finra nicht bereit.

Im Juli 2011, über ein Jahr nachdem Itrade geschlossen wurde, sperrte die Finra die Firma, weil sie angeblich in ihrem Büro in Farmingville (New York) einen so genannten „Boiler Room" betrieb, in dem fragwürdige Produkte mit hohem Druck verkauft wurden.

Brian Sanders, Compliance-Chef bei Itrade, sagt, dass die Firma die Anschuldigungen - die „nicht wahr" seien - nicht anfechte, da das Unternehmen bereits erloschen sei. „Die Finra stellte die Firma als böse dar, stellte mich als böse dar", sagt er. „Wer die Fakten kennt, weiß es besser." Sanders arbeitete gleichzeitig mit Dwyer bei dessen erstem Arbeitgeber.

Als die Finra Itrade sperrte, arbeiteten 21 der ehemaligen Angestellten der Firma, darunter auch Dwyer und Sanders, bereits seit über einem Jahr bei EKN Financial Services.

Netzwerk von Brokern trifft sich immer wieder

EKN stand bereits im Fokus der Aufsichtsbehörden. 2008 verbot die SEC einem Miteigentümer der Firma, Anthony Ottimo, Börsenmakler zu betreuen. Diese Entscheidung war Teil eines Betrugsverfahrens gegen die Firma. EKN und Ottimo legten den Streit bei, ohne eine Schuld zu bekennen oder abzustreiten.

Dwyer verließ EKN im September 2011 und fing schließlich bei seinem zehnten Arbeitgeber an, bei John Thomas Financial in New York City.

2012 waren einige seiner ehemaligen Itrade-Kollegen bei EKN wieder in Bewegung. Am 18. Oktober 2012 sperrte die Finra EKN wegen „dreisten" Regelverstoßes. Der Vorsitzende und Miteigentümer Thomas Guigliano wurde für ein Jahr suspendiert und musste 150.000 Dollar Strafe zahlen. Giugliano wollte sich im Rahmen dieser Recherche nicht äußern.

Die Finra sperrte Ottimo, den anderen Miteigentümer, lebenslänglich von der Wertpapierindustrie, da er angeblich das Verbot, Broker zu betreuen, gebrochen habe, indem er weiterhin als Geschäftsführer bei EKN blieb.

Ottimo sagt, die Finra habe ihre „uneingeschränkte Autorität" missbraucht, um unfaire und unwahre Anschuldigungen anzustellen. Er streitet die Anschuldigungen ab, sagt jedoch, dass es sich wegen der Verfahrenskosten nicht lohnen würde, sich vor Gericht zu verteidigen.

Geld, "so sicher wie unter der Matratze"

Der Marktausschluss von EKN ließ Anlegerin Jaclyn Cedeno auf dem Trockenen sitzen, der noch 319.000 Dollar Schaden- und Kostenersatz aus einem Finra-Verfahren von Anfang 2013 zustanden. Cedeno sagt, ihr Broker von EKN (nicht Dwyer) habe ihr erklärt, dass eine Investition bei der Firma so sicher sei, „wie das Geld unter die Matratze zu legen", doch dann habe er das meiste Geld „verzockt". Ottimo wollte sich zu dem Fall Cedeno nicht äußern.

"Es ist sehr schwer, unlautere Broker zu verfolgen", sagt ihr Anwalt Peter Silverman. „Das braucht viel Zeit und Geld, und dann können sie einfach zusperren und verschwinden."

Finra-Expertin Axelrod dagegen sagt, dass es anderen Anlegern schaden könnte, problematische Brokerhäuser nicht sofort zu schließen, wenn Schiedsverfahren laufen. „Bei einigen dieser Firmen, die schwere Regelbrüche begangen haben, wäre das schlimmste, was wir tun könnten, diese Firmen weiter bestehen zu lassen", sagt sie.

Einige Broker von EKN mussten nicht weit weggehen, um in ihrem Beruf weiterarbeiten zu können. Im selben Büro in Long Island, wo einst EKN angesiedelt war, arbeiten heute mindestens 16 ehemalige EKN-Broker bei Laidlaw & Co. Manche von ihnen arbeiteten auch schon bei Itrade.

Laidlaw übernahm das Büro von EKN zusammen mit Kundenverträgen und mehreren Brokern über eine Lizenzvereinbarung mit dem ehemaligen Vermieter und EKN-Broker, Louis Ottimo, dem Sohn von Anthony Ottimo. Das berichten mit der Angelegenheit vertraute Personen.

14 Schiedsverfahren und immer noch aktiv

Der jüngere Ottimo hat schon 14 Schiedsverfahren und andere Vergehen in seiner Akte, darunter auch eine laufende Finra-Ermittlung, weil er angeblich Anleger in die Irre geführt habe. Im September verließ er Laidlaw, zeigen Aufsichtsdokumente.

Laidlaw gibt an, nicht für die ausstehende Zahlung an Cedeno verantwortlich zu sein, da die Firma EKN nicht gekauft habe und ein anderes Management sowie andere Eigentümer habe, berichten mit Laidlaw vertraute Personen.

Matthew Eitner, Chef von Laidlaw, erklärte in einer Stellungnahme, dass der Firma "schon immer eine Kultur der Ehrlichkeit und Transparenz wichtig war". Laidlaw habe jeden der „wenigen" ehemaligen EKN-Broker, die die Firma eingestellt hat, genau überprüft. Keiner von ihnen sei mit ausstehenden Schadenersatzzahlungen verbunden.

Drei Jahre, nachdem Itrade geschlossen wurde, ermittelt die Finra immer noch, was dort passiert ist, berichten mit den Ermittlungen vertraute Personen. Die Behörde benachrichtigte im Februar mindestens acht ehemalige Itrade-Broker, von denen sieben später bei EKN arbeiteten - davon einer, der danach zu Laidlaw wechselte -, dass ein Verfahren gegen sie geplant sei, zeigen Dokumente der Aufsichtsbehörde.

Dwyer verließ John Thomas Financial im Juni, im selben Monat, in dem die Firma geschlossen wurde. Seither ist er nicht mehr bei der Finra registriert.

Eine beliebte Masche: Betrug mit Penny Stocks

Finra und SEC leiteten Anfang des Jahres beide rechtliche Schritte gegen John Thomas und dessen Geschäftsführer, Anastasios „Tommy" Belesis ein. Unter anderem soll er Anleger in Penny Stocks betrogen haben. Belesis' Anwalt Ira Sorkin sagt, dass sein Klient sich gegen die Anklage wehren werde, die „in vielerlei Hinsicht grundlos" sei.

John Thomas schuldete über 2.600 Kunden insgesamt 42,9 Millionen Dollar, als die Firma geschlossen wurde, zeigen Aufsichtsdokumente vom Juni. Der zweite und der dritte Arbeitgeber von Dwyer schulden Kunden noch 45 Millionen Dollar. Beide Firmen haben Insolvenz angemeldet. Diese Situation scheint nicht mit Dwyers Verhalten bei den Firmen in Verbindung zu stehen.

Ein weiterer Broker, der eine Benachrichtigung von der Finra erhalten hat, ist Adam Sclafani, der bei Dwyers erstem Arbeitgeber und später bei Itrade, EKN und John Thomas mit ihm zusammengearbeitet hat. Er sagt, er wolle gegen die Anschuldigungen der Fina vorgehen. Zu diesen gehören übermäßiges und nicht genehmigtes Handeln sowie unangemessene Handelsempfehlungen.

„Ich werde jetzt nicht erzählen, dass Börsenmakler Engel sind, aber diese Kunden wussten von allem, was da vor sich ging", sagt Sclafani. „Ich hatte nie etwas mit Boiler Rooms zu tun."

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