• The Wall Street Journal

Berliner Chauffeur-Service Blacklane will die Welt erobern

    Von NICO SCHMIDT

Alles andere als vorweihnachtliche Ruhe erlebte das Start-Up Blacklane Ende vergangenen Jahres. Schließlich musste die angestoßene Internationalisierungsoffensive mit größtem Aufwand in trockene Tücher gebracht werden. Für Aufsehen und jede Menge Schlagzeile sorgte außerdem der Einstieg Daimlers bei den Berlinern. Auch wenn es viel Grund zum Feiern gab, hat sich Blacklane für dieses Jahr einiges vorgenommen, wie Jens Wohltorf, Gründer und Geschäftsführer, in einem Interview mit dem Wall Street Journal Deutschland erklärte.

Dabei wurde die erst im Frühjahr geborene „Mission 100" gerade einmal erfolgreich abgeschlossen. "Seit Anfang August, als das Partnernetzwerk von Blacklane noch aus 30 Städten bestand, haben wir jeden Tag unseren Service in einer neuen Stadt gestartet. In 100 Tagen konnten wir so in 100 neuen Geschäftsgebieten starten und können unseren Kunden nun rund um den Globus von Hong Kong über Paris bis nach New York City unseren Service anbieten", erklärt Mitgründer Frank Steuer.

Am 16. Dezember war es soweit: Palma de Mallorca kam als 100. Neuzugang zur Blacklane-Landkarte hinzu. Das Unternehmen, über das Kunden rund um die Uhr online Luxus-Chauffeur-Services zu Festpreisen buchen können, ist nun in mehr als 130 Städten und 45 Ländern vertreten.

Das zu erreichen war laut Wohltorf ein Kraftakt: „Dazu waren enorme Prozessoptimierungen und Anstrengungen nötig", er. "Wir haben kontinuierlich unsere internen Prozesse, IT-Systeme und Kommunikationskanäle verbessert. Alles, was unnötig Zeit kostete, wurde vor dem Start der Mission auf den Prüfstand gestellt und konsequent hinterfragt. Nur so konnten wir es schaffen, dem Arbeitspensum und den neuen Aufgaben gerecht zu werden."

Expansion nach China

Doch damit soll noch lange nicht Schluss sein. „Für 2014 haben wir weitere Pläne", sagt Wohltorf. Einerseits soll nach seiner Aussage der Buchungsprozess weiterentwickelt und der Standard des Services verbessert werden. Andererseits gebe es auf der Landkarte noch ein paar weiße Flecken, zum Beispiel in Asien. "Wir sind zuversichtlich, die einzigartigen Herausforderungen in Märkten wie China zügig zu überwinden und schon bald Millionenstädte wie Peking und Shanghai an unser Partnernetzwerk anschließen zu können", so Wohltorf. Das rasanten Wachstumstempo des vergangenen Jahres werde allerdings nicht zu halten sein, stellt er klar.

Die Dynamik der Expansion war in der Tat immens. Schließlich ging das Unternehmen, das aktuell rund 70 Mitarbeiter hat, erst Mitte 2012 an den Start. Und das nur in Deutschland und bald darauf in Österreich, der Schweiz und Frankreich. „Wir haben erst Anfang 2013 mit der Internationalisierung begonnen, nachdem uns klar wurde, dass es unseren Kunden enorm wichtig ist, auf eine globale Lösung aus einer Hand zugreifen zu können", sagt Wohltorf.

Stärkste Städte nicht mehr in Deutschland

Der Auslandsdrang ist kein Selbstzeck: „Unsere stärksten Städte sind schon lange nicht mehr in Deutschland", erklärt der Gründer, der ehemals Unternehmensberater war. „In Europa steckt das Geschäft mit Chauffeurs-Dienstleistungen eher noch in Kinderschuhen. In den USA im Vergleich agiert die Industrie schon längst auf Augenhöhe mit der Taxi-Branche".

Die grundsätzliche Idee, einen Chauffeurs-Service zu gründen, entstand 2009: „Ich kannte die Welt der Limousine früher aus der Perspektive desjenigen, der hinten rechts im Wagen sitzt. Damals haben mein Partner Frank Steuer und ich gemerkt, wie offline diese Welt noch ist", erinnert er sich an die Zeit, als die beiden das Geschäftspotenzial zu wittern begannen. „Es hat dann allerdings eine Weile gedauert, bis wir die Entscheidung getroffen haben, uns tatsächlich ins Abenteuer zu stürzen".

Unterschiede zu Uber

Blacklane

Frank Steuer (links) und Jens Wohltorf von Blacklane.

Blacklane versteht sich laut Wohltorf als „globaler Reise-Kompagnon". „Unsere Hauptzielgruppe sind internationale Geschäftsreisende", sagt er. Einzigartig ist bei den Berlinern nach seiner Aussage die Art des Buchens. Anders als Konkurrenten wie Uber setzt Blacklane weniger auf spontane Anfragen, sondern will vielmehr ein verlässlicher Partner sein, der planbare Services zu transparenten Festpreisen bietet und deshalb von (Geschäfts-)Reisenden genutzt wird.

Details zum Geschäftsvolumen will Wohltorf nicht nennen. „Wir befördern monatlich zehntausende Fahrgäste", sagt er lediglich. Die Perspektiven scheinen aber gut, schließlich konnte Blacklane mit Daimler unlängst einen prominenten Investor an Land ziehen, der laut Finanzkreisen rund 10 Millionen in die Hand nahm.

„Daimler war unser absoluter Wunschpartner", sagt Wohltorf. Der Einstieg der Schwaben sei sehr wichtig für Blacklane, da das Traditionsunternehmen sehr gut zur eigenen Strategie passe. „Die Marke Mercedes-Benz hat einen einzigartigen Stellenwert und eröffnet uns daher viele neue Optionen – auf Angebots- wie auch auf Nachfrageseite", sagt er.

Daimler bei Start-ups aktiv

Auch in Stuttgart ist man von der Zusammenarbeit überzeugt: „Das Wachstum bei Blacklane ist beeindruckend. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit - Daimler Mobility Services und Blacklane werden die Mobilität im urbanen Raum gemeinsam voranbringen", sagte Marcus Spickermann, Finanzvorstand der Daimler-Tochter für alternative Mobilitätskonzepte. Blacklane passt ins Beuteschema von Daimler Mobility Services. Dazu gehören unter anderem das Carsharing-Programm Car2go sowie die Mobilitätsapp Moovel.

Neben Daimler sind mehrere Finanzinvestoren, darunter unter anderem Alstin, die Beteiligungsgesellschaft von AWD-Gründer Carsten Maschmeyer, an Blacklane beteiligt. Maschmeyer stieg Ende 2012 bei den Berlinern ein und unterstützte die Weiterentwicklung des Start-Ups mit Geld und unternehmerischem Know-how. Zudem gehören die Firmengründer, RI Digital Ventures, b-to-v Partners und car4you zu den Blacklane-Eignern.

Kontakt zum Autor: nico.schmidt@wsj.com

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