• The Wall Street Journal

Goldman Sachs macht Händlern das Chatten schwer

    Von LIZ RAPPAPORT und KATY BURNE

Die Investmentbank Goldman Sachs will ihren Händlern das Chatten mit Kollegen aus anderen Instituten weitgehend verbieten. Das Ziel: Eigene Informationen im Herzen der Verkaufs- und Handelsaktivitäten sollen geschützt werden. Deshalb dürfen wohl bald einige elektronische Mitteilungsdienste nicht mehr verwendet werden. Der persönliche Austausch über einen Sofort-Mitteilungsdienst, den Bloomberg, Yahoo, AOL und Pivot entwickelt hatten, soll untersagt werden. Das geht aus dem Entwurf eines Dokuments hervor, in den das Wall Street Journal Einblick hatte.

Goldmans drastischer Schritt hängt mit Geheimhaltung zusammen. Die Bank will verhindern, dass interne Kommunikation gefiltert wird und die Mauern des Geldhauses verlässt. Das geplante Verbot offenbart ein großes Misstrauen gegen die Technologien von Mitteilungsdiensten. Diese Werkzeuge machen die Händler zwar effizienter, aber sie können auch für private Zwecke genutzt werden. Streng geschützte Informationen über die Preisgestaltung von Wertpapieren können nach außen gelangen.

AFP

Zentrale von Goldman Sachs in New York: Die Investmentbank will Händlern das Chatten mit Kollegen aus anderen Instituten weitgehend verbieten.

Die Banken setzen lieber auf Eigenregie. Die Mitarbeiter sollen künftig einen Mitteilungsdienst des Datenunternehmens Markit nutzen. An Markit sind mehrere Finanzhäuser beteiligt. Das Angebot von Markit liefert eine Alternative zu Bloomberg. Der Informationsdienstleister ist für die Wall Street in gewisser Weise ein rotes Tuch, da er beispielsweise bei Handelsplattformen mit den Banken konkurriert.

Goldmans Verbot markiert eine Zäsur. Die Banken wollen verhindern, dass Informationen zu frei fließen. Manche Informationen dürfen laut Vorschriften der Aufseher nur innerhalb gewisser Sparten oder der Gesamtfirma zirkulieren. Ansonsten drohen Interessenskonflikte, Datenschutzverletzungen oder schlicht Ideenklau, wenn Dritte Einblick erhalten. Jüngst hatten Goldman und andere Firmen generell elektronische Kommunikation - wie etwa Chatrooms - auf den Prüfstand gestellt. Das Chatten stand im Zentrum eines Skandals um Händler, die Devisenmärkte manipuliert haben sollen und sich verabredeten, den Referenzzinssatz Libor in die gewünschte Richtung zu drücken.

Das entsprechende Memo soll in den kommenden Wochen an tausende Goldman-Beschäftigte versandt werden, die in der Wertpapiersparte arbeiten. Demnach dürfen Händler nur noch über Kanäle kommunizieren, die von der Bank abgesegnet wurden. Dazu zählen der Desktop-Mitteilungsdienst Lync von Microsoft und Enterprise IM von Blackberry. Ein Goldman-Sprecher wollte sich nicht näher zum geplanten Memo äußern. Nur so viel: Dessen Inhalte könnten sich ändern, da es noch nicht an die Mitarbeiter geschickt wurde.

Goldmans Entschluss dürfte die Art und Weise ändern, wie Händler miteinander kommunizieren. Bisher nutzten viele Händler, die mit Bloomberg-Terminals arbeiten, auch den Mitteilungsdienst von Bloomberg. Die Geräte, die rund 20.000 US-Dollar im Jahr kosten, sind aus der Wall Street nicht mehr wegzudenken. Billiger werden die Terminals aber auch dann nicht, wenn Goldman seinen Händlern diese Funktion sperrt.

Goldman will seine Haupteinnahmequelle schützen: den Kauf und Verkauf von Wertpapieren. Handelsräume verdienen viel Geld, wenn sie teurer verkaufen als sie einkaufen. Gerade auf den Anleihemärkten spielt dabei der Informationsstand eine entscheidende Rolle. Wenn die Geschäftspartner weniger gut informiert sind, kann Goldman bessere Deals abschließen. Die Investmentbank fuhr vergangenes Jahr fast 16 Milliarden Dollar durch Vertrieb sowie Handel mit Aktien, Anleihen, Währungen und Rohstoffen sowie mit Provisionen und anderen Handelsdienstleistungen ein.

Die Spannungen zwischen den Wall-Street-Firmen und Bloomberg nahmen in der letzten Zeit zu. Bloomberg nutzt eine Technologie, bei der Computercodes eingesetzt werden und Schlüsselelemente einer Konversation wie Wertpapierpreise plötzlich offenliegen können. Vergangenes Frühjahr tauchten Inhalte privater Kommunikation von Goldman-Mitarbeitern plötzlich auf dem öffentlichen Marktdatenbildschirm auf, wie Insider berichten. Die Bank war verärgert.

So ganz ohne Informationsfluss werden die Händler aber auch in Zukunft nicht dastehen. Goldman will offenbar keine internen Chatrooms verbieten. Aber dieses Zugeständnis könne sich auch wieder ändern, sagt ein Insider.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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