• The Wall Street Journal

Börsenaufsicht SEC nimmt Groupon unter die Lupe

    Von SHAYNDI RAICE und JEAN EAGLESHAM

Die amerikanische Börsenaufsicht SEC nimmt sich Groupon vor. Das berichtet eine mit dem Vorgang vertraute Person. Der Gutschein-Anbieter hatte am vergangenen Freitag Umsatz und Gewinn für das vierte Quartal nachträglich gesenkt.

TJ Proechel for The Wall Street Journal

Unter Druck: Groupon-Chef Andrew Mason.

Noch soll sich die Untersuchung in einer frühen Phase befinden. Noch hat die SEC keine offizielle Ermittlung eröffnet. Schon vor dem Börsengang im vergangenen November hatte Groupon seine Geschäftszahlen zweimal korrigieren müssen.

Die Groupon-Aktie fiel am Montag um fast 17 Prozent auf 15,27 US-Dollar. Beim Börsengang war die Aktie 20 Dollar wert. Chief Executive Andrew Mason und Finanzchef Jason Child bemühten sich vergeblich um Schadensbegrenzung.

Nicht genug Barreserven

Noch steht das Unternehmen zu Child, der von Analysten und Anlegern für seine Leistungen heftig kritisiert wird. Aus Firmenkreisen heißt es, Mason und andere Spitzenmanager stünden weiterhin hinter ihm.

Am Freitag hatte Groupon erklärt, dass es sein Ergebnis für das vierte Quartal nachträglich korrigieren musste. Das lag unter anderem an der enormen Umtauschwelle nach Weihnachten, mit der das Unternehmen nicht gerechnet hatte. Der Umsatz fiel demnach um 14,3 Millionen Dollar geringer als zunächst bekannt gegeben, der Verlust war sogar 22,6 Millionen Dollar größer.

Im Februar hatte Groupon festgestellt, dass eine große Anzahl der Kunden ihre im Weihnachtsgeschäft erworbenen Gutscheine im Januar wieder umgetauscht hatte. Das 2008 gegründete Unternehmen hatte für diesen Fall nicht vorgesorgt und nicht genug Barreserven vorgehalten. Am Freitag erklärte Groupon zudem, es gebe „gravierende Schwächen bei den internen Kontrollen".

"Wachstumsschmerz"

Neben Ernst & Young hat Groupon jetzt mit KPMG einen zweiten Rechnungsprüfer beauftragt. KPMG soll Groupon mit den Sarbanes-Oxley-Regeln für börsennotierte Unternehmen konform machen. Zusätzlich will Groupon weiteres Personal für seine Buchhaltung einstellen, so eine mit dem Vorgang vertraute Person.

Die Korrektur der Geschäftszahlen werfe die Frage auf, „ob es bei Groupon überhaupt eine Unternehmensführung gibt", schrieben die Professoren Anthony Catanach und Ed Ketz in ihrem Blog. Andere sehen die Schuld in Groupons rasantem Wachstum. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei 1,62 Milliarden US-Dollar, 2009 waren es noch 14,5 Millionen. Vor dem Börsengang musste das Unternehmen seine Buchführung bereits zwei Mal umstellen, um den Vorschriften der SEC zu entsprechen.

„Ich sehe das als Wachstumsschmerz an", sagt ein Groupon-Anleger. „Das ist wie bei einem Schulkind, das in der zehnten Klasse 1,50 Meter groß ist und in der zwölften Klasse 2,10 Meter."

Doch der Kern des jüngsten Problems ist das „Groupon-Versprechen". Das sieht vor, dass jeder Kunde seine Gutscheine umtauschen kann. Daran will das Unternehmen auch in Zukunft nicht rütteln.

—Mitarbeit: Vipal Monga und Maxwell Murphy

Kontakt zu den Autoren: redaktion@wallstreetjournal.de

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