• The Wall Street Journal

Schanghai lässt die Hedgefonds rein

    Von LING LING WEI

Regierungsvertreter in Schanghai wollen ein Pilotprogramm starten, um ausländischen Hedgefonds und anderen Interessenten das Einsammeln von Yuan zu erlauben, um dieses Geld dann weltweit zu investieren. Dies wäre ein weiterer Schritt der Behörden, den Kapitalfluss über Ländergrenzen hinweg zu lockern und langfristig zu einer international anerkannten Anlagewährung zu werden. Bislang bewegt sich die chinesische Währung innerhalb eines starren Währungsregimes – so will Peking negative Einflüsse aus dem Ausland auf seine Wirtschaft abmildern.

Hedgefonds stehen in den Startlöchern

Das Yuan-Programm werde „vorbereitet", sagte Fang Xinghai, Chef der staatlichen Finanzbehörde in Schanghai in einem Interview mit dem Wall Street Journal. Er berichtet, seine Behörde stehe mit der Zentralregierung in engem Kontakt, um die Details auszuloten.

Fang ist Volkswirt, war bereits für die Weltbank tätig und bildet die Speerspitze für Schanghais Bemühungen, ab 2015 zur Welthauptstadt für Yuan-Geschäfte aufzusteigen. Einen genauen Zeitplan wollte der Ökonom jedoch nicht aufstellen.

dapd

Die Finanzindustrie blickt nach Schanghai. Dort wittern vor allem Hedgefonds neue Geschäfte.

Demnach sollen ausgewählte Vertreter der Private-Equity-Branche und Hedgefonds aus China und dem Ausland die Möglichkeit erhalten, Yuan einzusammeln, um das Geld im Ausland anzulegen. Chinesische Broker wie Citic Securities sollen beim Sammeln von Kapital eine aktive Rolle spielen. Einige der größten Anbieter von Hedgefonds bereiteten sich bereits auf das Pilotprogramm vor, berichten Branchenkenner.

Bisherige Pilotprojekte sind voller Erfolg

Trotzdem müssen einige Fragen noch geklärt werden. „Die Frage ist, wie denn die Gewinne aus diesen Geschäften besteuert werden", sagt John Brynjolfsson, Manager des Hedgefonds Armored Wolf. „Während Schanghai solche Geschäfte zu gewissem Maß unabhängig von der Zentralregierung genehmigen kann, muss Peking in der Steuerfrage zumindest eine Art stillschweigende Einwilligung geben."

Im Jahr 2009 startete in Schanghai ein Pilotprogramm, das es inländischen Unternehmen erlaubte, Währungsgeschäfte mit dem Ausland zu machen. Das Projekt wurde inzwischen verlängert und umfasst bereits ein Volumen von 318 Milliarden Dollar, was zehn Prozent des gesamten chinesischen Handelsumsatzes entspricht.

Auf einer Tagung von Vertretern aus Regierung und Handel äußerten kürzlich viele Teilnehmer ihre Zuversicht, dass sich China langfristig zu einem Land mit starker Binnennachfrage entwickelt, dessen Wirtschaftsleistung weniger von der Entwicklung der Weltkonjunktur abhängig ist.

China fördert grenzüberschreitende Kapitalströme

Ein wichtiger Schritt hin zu dieser Entwicklung ist es, die Währung konvertibel zu machen und sie vom Korsett ihres Währungsregimes zu befreien. Auch der chinesische Finanzsektor wurde lange als Hindernis auf diesem Weg gesehen.

„Mit jedem Fortschritt setzen wir mehr auf Offenheit", freute sich Vize-Präsident Li Keqiang kürzlich in einer Rede. China werde ausländische Investitionen innerhalb des Landes anschieben und gleichzeitig auch im Ausland Investitionen tätigen.

Das Land hat in den vergangenen Jahren eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um grenzüberschreitende Kapitalflüsse zu fördern. Beispielsweise bekamen ausländische Investoren die Erlaubnis, in chinesische Aktien zu investieren. Die dafür nötigen Yuan kamen meist aus Hongkong. In der letzten Woche gab die Zentralregierung in Peking bekannt, dass darüber nachgedacht werde, den Einwohnern der der ostchinesischen Stadt Wenzhou Investments im Ausland zu erlauben.

Der Yuan ist erwachsen geworden

Auch bei der Währung tut sich etwas: Die chinesische Zentralbank erlaubt es dem Yuan seit Jahresbeginn, stärker zu schwanken. Heute intervenieren die Währungshüter viel später als noch 2011. Seit 2010 darf sich der Yuan innerhalb eines Korridors bewegen, doch die Zentralbank hat gleich mehrmals interveniert, um die Währung zu stärken. Zuletzt schwächelte die Währung jedoch als Folge des schwindenden chinesischen Handelsüberschusses.

Im ersten Quartal gab der Yuan um 0,1 Prozent nach. Das ist das erste Mal, dass sich die Währung auf Quartalssicht im Vergleich zum Dollar verbilligt. Noch 2011 legte die Währung um 4,7 Prozent zu.

Die jüngsten Schwankungen beim Yuan sprechen aus Sicht einiger Experten dafür, dass die Währung erwachsen geworden ist. Auch spreche die Entwicklung dafür, dass künftig möglicherweise mehr Chinesen ihr Geld in andere Währungen tauschen wollen. Sollte der Yuan an Wert verlieren, dürften Chinesen wieder mehr auf Dollars setzen.

Hedgefonds brennen aufs Geschäft mit China

Einige Vermögensverwalter sind bereits dabei, Geschäfte in Schanghai vorzubereiten. Sailing Capital Management aus Schanghai hat bereits rund 1,6 Milliarden Dollar von staatlichen und auch privaten Unternehmen eingesammelt, um einen Yuan-Private-Equity-Fonds aufzulegen, der außerhalb Chinas investiert.

Eine mögliche Anlagechance könnte sein, Yuan vom Festland in Hongkong in Dollars zu tauschen, da die Landeswährung dort häufig etwas teurer ist. Es gibt keine Vorgaben darüber, wie das Geld der Fonds aus Schanghai eingesetzt werden muss.

Isaac Souede, Chef der Permal Group, ein New Yorker Anbieter von Hedgefonds mit einem verwalteten Vermögen von 21 Milliarden Dollar, ist „sehr erfreut" über die jüngsten Pläne. So könnte der chinesische Markt für ausländische Investoren offener werden.

„Wir sind sehr stark am Geschäft mit chinesischen Kapitalanlagen interessiert", sagte Souede in einem Interview.

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