• The Wall Street Journal

Analysten warnen vor Cash-Krise bei Blackberry

    Von THOMAS GRYTA und WILL CONNORS

Associated Press

Am vergangenen Montag rieten Analysten von Sanford Bernstein Anlegern noch, sie bräuchten Blackberry nicht mehr negativ einzuschätzen. Am Donnerstag jedoch empfahlen sie ihnen, die Aktien des Smartphone-Herstellers zu verkaufen.

Was in der Zwischenzeit passiert ist? Bernsteins Analysten haben in ihrer Einschätzung zu Blackberrys Liquidität eine 180-Grad-Wende hingelegt.

Die Analysten begründeten die Herabstufung der Aktie auf „Underperform" so: „Wir glauben, dass Blackberry in den kommenden sechs Quartalen fast 2 Milliarden Dollar verbrennen dürfte, was das Unternehmen in ernsthafte Liquiditätsprobleme bringen würde."

Den negativen Schluss ziehen die Analysten aus den Finanzdokumenten, die Blackberry am Dienstag bei kanadischen Regulatoren eingereicht hatte. Laut Bernstein haben diese offengelegt, dass Blackberrys Kassenlage „wesentlich schlechter" ist als erwartet.

Wie die Unterlagen zeigen, muss Blackberry innerhalb des kommenden Jahres Kaufverpflichtungen über 2,9 Milliarden Dollar nachkommen. Etwa 1,5 Milliarden Dollar davon sind Abnahmeverpflichtungen, die das Unternehmen Vertragszulieferern gegenüber eingegangen ist. Weil Blackberry gleichzeitig die Kunden in Scharen weglaufen, sei absehbar, dass Blackberry im großen Stil Geld verbrennen werde, schreibt Bernstein.

Die Geschichte von Blackberry

Noch am Montag hatten die Analysten auf Blackberrys Barreserven in Höhe von 2,6 Milliarden Dollar und auf die Erlöse aus dem Dienstleistungsgeschäft verwiesen und geschlussfolgert, dass es „unwahrscheinlich ist, dass das Unternehmen mittelfristig in Liquiditätsschwierigkeiten gerät".

Blackberry war für einen Kommentar zunächst nicht erreichbar. In seiner Pflichtmitteilung am Dienstag hatte der Konzern erklärt, seine diversen Finanzquellen sowie künftige Kapitalströme, Kostensenkungen, verfügbare Kreditlinien, mögliche Finanzierungs-Deals sowie eine Steuererstattung sollten „die notwendige Kapitalkraft in der absehbaren Zukunft" sichern.

Vor Bernsteins Wende zum Pessimismus hatten bereits die Analysten von Canaccord Genuity vergangene Woche auf Basis der alten Finanzkennziffern Zweifel an Blackberrys Kapitalstärke angemeldet. Entgegen den offiziellen Angaben zum Kassenbestand über 2,6 Milliarden Dollar bewerten die Canaccord-Experten die Barreserven netto nur mit einer Milliarde Dollar, da sie von weiteren Abschreibungen auf die Lagerbestände, zusätzlichen Sanierungskosten und erheblichen vertraglichen Verpflichtungen ausgehen. Diesen Pflichten werde Blackberry angesichts seiner Probleme und der Umstellung des Geschäfts auf Firmenkunden zwar vermutlich nicht komplett nachkommen müssen. Allerdings werde es wohl statt der Vertragserfüllung zu Bargeld-Vergleichen und anderweitigen Ausgaben kommen, was die Barreserven weiter aufzehren dürfte.

Die neuen Sorgen lassen auch das vorläufige Angebot von Fairfax Financial für Blackberry, das jede Aktie mit 9 Dollar bewertet, in einem neuen Licht erscheinen. Aus Sicht von Bernstein hat das Angebot „fast keine Erfolgschancen". Nur ein kapitalkräftiger „strategischer Käufer" könne der Aktie jetzt noch Aufwärtspotenzial verleihen.

Die Wall Street teilt die Sorgen eindeutig. Am Donnerstag fiel die Blackberry-Aktie um knapp 3 Prozent auf 7,73 Dollar. Vor einem Monat war sie noch rund 11 Dollar wert. Am Mittwoch hatte das Wall Street Journal berichtet, dass Finanzinvestoren wie Cerberus Capital, die auf notleidende Firmen spezialisiert sind, das Unternehmen umkreisen.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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