• The Wall Street Journal

Die BVB-Aktie kommt immer besser ins Spiel

    Von BENJAMIN KRIEGER
[image] AFP

Zuschauer beim DFB-Pokalfinale im Mai: Borussia Dortmund hat nicht nur im Stadion, sondern auch an der Börse Fans.

Die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund spielt in der dritten Liga. In die ist nun auch die Aktie des Fußballklubs aufgestiegen. Mit der Aufnahme der BVB-Aktie in den SDax der Deutschen Börse, in dem sich 50 mehr oder minder bekannte Nebenwerte tummeln, hat dieser Index nun einen publikumswirksamen Exoten.

Es ist ein Aufstieg mit Anlauf. In den vergangenen zwei Jahren hat sich der BVB-Kurs und damit auch der Börsenwert der Schwarz-Gelben verdoppelt. Gleichzeitig stiegen die Handelsumsätze. Beides qualifiziert die Aktie für die dritte Indexliga unter Dax und MDax. Die Börse reagiert euphorisch: Der Aktienkurs steigt am Donnerstag auf den höchsten Stand seit zwölf Jahren.

Anfang März kletterte der Kurs des BVB erstmals nach einer zwölf Jahre dauernden Flaute wieder auf vier Euro. Zu diesem Zeitpunkt war die Messe in der Bundesliga zwar längst gelesen, der BVB lag mit 20 Punkten Rückstand hinter Bayern München. Doch in der Champions League, wo das große Geld verdient wird, waren die Schwarz-Gelben gerade durch den Sieg gegen Zenit Sankt Petersburg ins Viertelfinale eingezogen.

Dort war dann allerdings Schluss, der BVB scheiterte knapp am späteren Champion Real Madrid. In den vergangenen Wochen dümpelte der Kurs deshalb vor sich hin. Nun treibt ihn die SDax-Aufnahme am Donnerstag um fast zehn Prozent auf 4,25 Euro nach oben.

Und vielleicht beflügelt den Kurs auch eine Meldung der Tageszeitung Die Welt, nach der die Deutsche Bank mit bis zu zehn Prozent bei Borussia Dortmund einsteigen könnte. Demnach soll Deutsche-Bank-Aufsichtsrat Paul Achleitner die Idee von seinem früheren Arbeitgeber Allianz mitgebracht haben, der zusammen mit Adidas und Audi Aktionär beim FC Bayern München ist.

Für die Aktionäre des BVB wäre der Einstieg der Deutschen Bank eine gute Nachricht, denn sie sind als Fußballfans und Aktionäre gleichermaßen leidgeprüft. Wer das Papier mit dem Börsenkürzel „BVB" vor 14 Jahren beim Gang aufs Parkett zeichnete – und als treuer Fan natürlich nie verkauft hat – der liegt trotz der Kurserholung der vergangenen zwei Jahre noch immer mit gut 60 Prozent „hinten". Den Ausgabepreis von 11 Euro hat die Aktie jedenfalls noch nie gesehen. Bei 10,32 Euro liegt noch heute das Rekordhoch vom Börsengang am 31. Oktober 2000.

An der Börse spielen sportliche Erfolge keine Rolle – wenn diese nicht mit Umsatz und Gewinn einhergehen. Als sich die Borussia in der Spielzeit 2000/2001 als Bundesligadritter für die Champions League qualifizierte, schnellte der Aktienkurs noch einmal kräftig in die Höhe. Anschließend ging es fast nur noch abwärts. Ein teurer Stadionausbau, kostspielige Kicker und hohe Schulden ließen den Verein nur knapp an der Insolvenz vorbeischlittern. Im Jahr des sechsten Meistertitels 2002 zog die Aktie noch einmal über 6 Euro an. Das sollte für viele Jahre die letzte Kurserholung gewesen sein.

Sportlicher Tiefpunkt war die Saison 2007/2008. Als 13. der Bundesliga-Tabelle waren die Dortmunder meilenweit von den Fleischtöpfen des europäischen Fußballs entfernt. Zu dieser Zeit, die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA hatte bereits drei schwere Kapitalerhöhungen hinter sich, war sie an der Börse mit einem Kurs von 80 Cent nicht einmal mehr 50 Millionen Euro wert. Zum Vergleich: Fast so viel zahlte der FC Bayern München im vergangenen Jahr allein für den Dortmunder Star Mario Götze.

Geldtopf der Dortmunder füllt sich zusehends

Seit diesem Zeitpunkt hat sich die Marktkapitalisierung auf 280 Millionen fast versechsfacht. Zwei Meisterschaften und zwei Vizemeisterschaften bedeuteten zuletzt vier Jahre Champions League in Folge. Mit hohen Einnahmen aus TV-Rechten, Erfolgsprämien des europäischen Fußballverbandes Uefa, gutem Merchandising-Geschäft, Werbung und Ticketverkäufen. Finanzanalysten sind optimistisch: „Im sportlichen Bereich ist die Champions League der klare Treiber", hieß es bereits Mitte März in einem Kommentar des Bankhauses Lampe.

Vor allem die höheren TV-Einnahmen überkompensierten Siegprämien für Spieler und Reisekosten „sehr deutlich", argumentierte deren Analyst Christoph Schlienkamp nach Investorentreffen mit dem BVB-Finanzchef Thoms Treß. Der Geldtopf der internationalen Vermarktung fülle sich zusehends.

Das dürfte sich in den Gewinnen niederschlagen. Marcus Silbe von Close Brothers Seydler prognostiziert, dass der Nettogewinn des BVB in den kommenden beiden Jahren um 60 Prozent steigen wird. „Alles in allem war auch die vergangene Saison einmal mehr sehr erfolgreich", sagt Silbe.

„Die Aktie hat auch an der Börse ihre Fans", meint Petra von Kerssenbrock von der Commerzbank . Nach Aussage der Index-Expertin ist der Titel im SDax mit einem Gewicht von knapp einem Prozent zwar ein Leichtgewicht. Doch Fonds, die sich auf kleine, aber wachstumsstarke Nebenwerte konzentrieren, könnten die Aktie verstärkt ins Visier nehmen. Der Fondsanbieter iShares, eine Tochter des US-Finanzriesen Blackrock, führt die BVB-Aktie in zwei börsengehandelten Fonds für „Small Caps". Keine schlechten Aussichten also für die Aktionäre – jedenfalls solange die Borussia auch in Zukunft häufiger ins Tor trifft als der Gegner.

Kontakt zum Autor: benjamin.krieger@wsj.com

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