• The Wall Street Journal

Der Retro-Mustang bekommt sein Gnadenbrot

    Von MIKE RAMSEY
[MUSTANG02] Ford

Ein Ford Mustang Cabrio von 1964 - Die Geburtsstunde der Pony-Cars

In den vergangenen zehn Jahren haben die Autohersteller vor allem die Nostalgie der Baby-Boomer-Generation bedient und Autos wie den VW Käfer, den Chevrolet Camaro oder den Dodge Challenger neu aufgelegt. Doch jetzt tritt Ford beim Retro-Trend auf die Bremse und wendet sich jüngeren Generationen zu.

Der Mustang, der als „Pony Car" den Weg für erschwingliche und kompakte Sportwagen ebnete, erinnert auch heute optisch stark an das Original aus dem Jahr 1964. Wie aus Unternehmenskreisen verlautet, will Ford dem Klassiker jetzt jedoch eine radikale Auffrischungskur verpassen. Die nächste Generation wird zwar den unverwechselbaren Kühlergrill und die runden Scheinwerfer behalten, soll ansonsten aber mehr an den neuen Ford Fusion erinnern, heißt es.

Damit soll der Mustang auch für die in den 1980er und 1990er Jahren geborene Generation attraktiv bleiben. Diese Altersgruppe kommt bald in ihre besten Autokauf-Jahre. Die Wagen, die bereits ihre Eltern gefahren haben, interessieren sie nicht wirklich.

„Man kann den Ansatz nicht aufrecht erhalten, wenn man nicht nach neuen Kunden sucht. Man muss die Käuferschichten auffrischen", sagt Alexander Edwards. Analyst bei Strategic Vision. Seine Firma erforscht im Auftrag der Autobauer, warum Kunden bestimmte Modelle kaufen.

Fotostrecke: Pony Cars

Wieck

Die neuste Modellversion des Mustang - Der 2012er Mustang Boss 302

„Es gibt ein Ziel, dass alle Hersteller erreichen wollen: Die Autos zu bauen, die die nächste Generation fahren will, aber auch die Merkmale besitzt, die ältere Fahrer schätzen", erklärt Edwards.

Für Ford könnte die junge Generation eine schwierige Zielgruppe sein. Autofahren hat in der Ära von iPad und Facebook viel von seiner Coolness eingebüßt. Eine Studie der Universität Michigan fand im vergangenen Jahr heraus, dass nur noch zwei Drittel aller 18-jährigen Amerikaner im Jahr 2008 einen Führerschein besaßen. 1983 waren es noch 80 Prozent.

Toyota hat eine eigene Marke, genannt Scion, aufgebaut, mit der man auf die „Millennium-Generation" zielt. Nach anfänglichen Erfolgen ist der Absatz auf ein Drittel zurückgegangen. Auch Retro-Designs laufen nicht wirklich. Im vergangenen Jahr verkaufte Volkswagen nur 6.468 New Beetles. Im Jahr 2000 waren es 81.134. Chrysler stellte 2011 seinen nostalgischen PT Cruiser ganz ein.

Auch dem Mustang, der seit 2005 ganz im Retro-Look daher kommt, ist die Puste ausgegangen. Im vergangenen Jahr verkaufte Ford 70.438 Exemplare, 4,4 Prozent weniger als 2010 und nur die Hälfte der 166.530 Wagen von 2006. Der von Chevrolet neu designte Camaro und der Challenger von Chrysler zogen im vergangenen Monat an ihrem Rivalen vorbei.

Der neue Mustang wird 2014 auf den Markt kommen und äußerlich an Modelle von Aston Martin erinnern. Personen, die den Mustang gesehen haben, sagen, dass er optisch fast identisch mit dem Konzeptauto Evos sei, dass Ford im vergangenen Herbst in Frankfurt vorstellte.

Den Mustang optisch zu verändern ist ein gewagter Schritt von Ford. Das Auto habe eine große Fangemeinde, sagt Rebecca Lindland, Analyst bei IHS Automotive. „Ford hatte großen Erfolg mit dem Retro-Mustang. Es ist riskant, davon abzuweichen", erklärt sie. „Man muss das Design weiterentwicklen, aber darf dies nicht zu schnell oder zu radikal tun".

Die Babyboomer sind immer noch eine wichtige Kundengruppe. Sie haben Trends wie die Minivans, die SUVs und Luxuslimousinen angeschoben. Doch die Generation geht zunehmend in den Ruhestand und hat damit aus Sicht der Hersteller ihren Zyklus als Autokunden abgeschlossen.

Der durchschnittliche Mustang-Käufer ist heute 51 Jahre alt, sagt Alexander Edwards. Er ist männlich und bevorzugt teurere Produkte. Mustang-Fahrer mögen „Kraft und Leistung", so Edwards.

Leo Stewart hat gerade ein 2013er Mustang-GT Cabrio geordert. Der 45-jährige Buchhalter liebt den Look der 1960er Jahre. Das Konzeptauto Evos sei „ein schöner Wagen, aber kein Mustang", sagt er.

Der Original-Mustang war der erste einer ganzen Welle erschwinglicher, sportlicher Autos mit einem einmalig amerikanischen Design. Das Modell war ein Lieblingsprojekt des damaligen Ford-Vizepräsidenten Lee Iacocca, der es trotz des Vetos von Henry Ford II am Leben erhielt.

Der Mustang kam auf den Markt, als die Babyboomer Teenager waren. Ihm folgten eine ganze Schar kleiner, sportlicher Viersitzer. General Motors startete den Camaro, und Chrysler brachte den Dodge Charger und den Challenger heraus. Dank des Wegbereiters Mustang wurden sie als „Pony Cars" bekannt.

In den 1970er Jahren bekamen die Autobauer aus Detroit immer mehr Konkurrenz aus Japan. Dazu mussten die Autos Benzin sparen. Die großen drei Hersteller schrumpften die „Pony Cars" und verpassten ihnen neue Designs. Das brachte keinen Erfolg, und so waren Mustang & Co Ende der 1990er Jahre von den Straßen Amerikas verschwunden.

1998 erkannte Volkswagen mit den New Beetle als erstes das Potenzial der Babyboomer. 2005 wurde der Retro-Mustang zum Hit.

Aber die neue Generation hat andere Vorstellungen. Adam Perito etwa findet den Mustang durchaus gut und plant, ihn sich zu kaufen. „Aber das neue Design ist echt schick. Vielleicht sollte ich warten, bis das neue Modell rauskommt".

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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