• The Wall Street Journal

Das neue iPad: eine Millionen Pixel mehr als HDTV

    Von WALT MOSSBERG

Apples iPad könnte man als ein persönliches Display beschreiben, auf dem man Texte, Grafiken, Fotos und Video übers Internet ansieht und bearbeitet. Wie sieht nun das Upgrade des Technologiegiganten aus Cupertino für sein extrem populäres Tablet aus? Er hat das Display dramatisch verbessert und einen neuen Mobilfunkstandard mit deutlich höherer Geschwindigkeit integriert.

Apple's latest iPad could be described as like getting a new eyeglasses prescription, WSJ's Walt Mossberg says. Its dramatically better display and faster content delivery make you suddenly realize what you've been missing.

Es gibt noch andere Änderungen bei der neuen, nunmehr dritten Generation des iPad - die einfach nur "iPad" genannt wird, ganz ohne Nummer. Am Freitag startet der Verkauf zum gleichen Preis wie sein Vorgänger: 499 Euro. Entscheidend sind aber die beiden Upgrades beim 9,7-Zoll-Display und bei der Datengeschwindigkeit übers Mobilfunknetz. Und die sind gewaltig. Der neue Bildschirm wirkt, als ob man eine neue Brille verschrieben bekommen hat. Was man vorher für scharf gehalten hat, ist plötzlich nicht annähernd so scharf, wie es sein könnte.

Wenn man diese beiden Merkmale - das Display und die Datenrate - verbessert, geht dies normalerweise auf Kosten der Akkuleistung. Aber Apple hat den Akku so aufgerüstet, dass die Zeit bis zum nächsten Aufladen praktisch gleich geblieben ist. Die war bisher schon recht lang und war ein Grund, warum sich das iPad von der Konkurrenz abhebt.

Das bedeutet aber nicht, dass es keine Kompromisse gibt. Vor allem wegen des größeren Akkus wiegt das neue iPad rund 8 Prozent mehr und ist 7 Prozent dicker als das Vorgängermodell. Das dünnste und leichteste Tablet kann Apple - wie noch beim iPad2 - damit nicht mehr für sich reklamieren.

Umfrage

Wir haben das neue iPad getestet und meinen, dass die Verbesserungen trotz der Kompromisse seine Position als bestes Tablet auf dem Markt gestärkt hat. Apple hat das iPad nicht von Grund auf neu erfunden oder eine Menge neue Features verpasst. Aber es wurde stark verbessert, und das zum gleichen Preis.

Es hat den spektakulärsten Bildschirm, den wir je auf einem Mobilgerät gesehen haben. Apple hat vier Mal so viele Pixel in den gleichen Raum gepackt wie beim iPad 2 und behauptet, dass der neue Bildschirm einen Million mal mehr Pixel habe als das hochauflösende HD-TV. Alles was wir wissen ist, dass Texte viel schärfer und Fotos viel satter aussehen.

So sieht das neue iPad aus

Associated Press

Wenn sie schon ein iPad 2 haben, müssen sie nicht sofort los, um das neue zu holen. Dennoch, wer das iPads als wichtigstes digitales Lesegerät oder zumeist außerhalb des eigenen WLAN nutzt, für den macht es einen Riesenunterschied.

Mit der optionalen, teureren 4G-LTE-Version fühlt es sich an, als wäre man ständig mit einem schnellen WLAN verbunden. Die Fotos, die wir mit der deutlich verbesserten Kamera gemacht haben, waren super. Und die Akkuleistung ging nur um gerade mal elf Minuten zurück und ist damit viel besser als bei jedem anderen von uns getesteten Tablet.

Der echten Unterschied sieht man nur schwer auf einer Website, man muss den Unterschied gesehen haben. Im Vergleich zum neuem iPad wirkt die Schrift des iPad verschwommen.

Hinzu kommen die unvergleichlich große Sammlung von 200.000 Apps speziell für den großen Bildschirm, die riesige Auswahl an Musik, Büchern, Videos sowie Zeitungen und Zeitschriften. Wir sind deshalb der Meinung, das neue iPad ist für normale Nutzer das beste derzeit verfügbare Tablet.

Die Ausnahme wären nur Leute, die ein kleineres Gerät bevorzugen, das man mit einer Hand halten kann oder die das iPad einfach für zu schwer halten. Der Gewichtsunterschied ist merklich, aber wir halten es für keine großes Problem, auch nicht bei längerem Lesen und Videos anschauen. Dass es etwas dicker ist macht kaum etwas aus.

Für die Gewichtssensiblen und diejenigen, die keine 499 Euro zahlen wollen, gibt es einen Ausweg: Apple verkauft zum ersten Mal auch das Vorgängermodell zum reduzierten Preis. Der Einstieg beim iPad 2 kostet jetzt nur noch 399 Euro, wobei es nur die Modell mit 16 Gigabyte Speicherplatz gibt. Beim neuen iPad kann man sich auch mit 32 oder 64 GB ausrüsten, mit Preisen von bis zu 799 Euro.

Das Display

Es ist nicht so, dass sich die iPad-Nutzer bisher über den Bildschirm beklagt hätten. Sie halten es für so attraktiv, dass Apple innerhalb von zwei Jahren 55 Millionen Geräte verkauft hat. Aber der Bildschirm ist jetzt deutlich besser.

Es ist schwer, auf einer Webseite oder auf Papier zu zeigen, wie brillant das neue Display ist. Man muss es sehen. Apple nennt es ein "Retina" Display, weil das menschliche Auge bei normalem Abstand nicht mehr in der Lage ist, einzelne Bildpunkte zu erkennen. Es packt 264 Pixel in jedes Inch, doppelt wo viel wie das iPad 2. Die Auflösung beträgt 2048 x 1536 Pixel, die vom Vorgänger 1024 x 768 Pixel.

Die Offenbarung kam für uns, als wir beide iPads mit dem gleichen Text nebeneinander legten. Buchstaben und Wörter, die fünf Minuten zuvor auf dem älteren Modell scharf aussahen, sahen plötzlich verschwommener aus.

Während wir das neue Modell fünf Tage lang testen, konnten wir kleinere Schriftgrößen einstellen, um Bücher oder E-Mails zu lesen. Die gleichen Fotos, die uns schon beim iPad2 gefallen haben, sahen nun noch viel besser aus. Nicht nur wegen der besseren Auflösung sondern auch weil die Farbsättigung laut Apple um 44 Prozent verbessert wurde. Weiterhin ein Problem ist dagegen - wie bei allen glänzenden Farb-LCDs - das Lesen bei direktem Sonnenlicht.

Die Geschwindigkeit

Das neue iPad ist nicht das erste Gerät, das die 4G LTE Mobiltechnik nutzt. Aber es ist ein großer Unterschied zum iPad2 - auch wenn der neue Standard in Deutschland derzeit noch nicht genutzt werden kann, da das iPad einen anderen Frequenzbereich nutzt, als die in Deutschland angebotenen. In unserem Test erreichten wir im Durchschnitt Download-Geschwindigkeiten von über 17 Megabit pro Sekunde, schneller als in den meisten DSL-Verbindungen, die heutzutage zu Hause üblich sind. Beim Vorgängermodell liegt die Geschwindigkeit gerade mal bei gut 1 Megabit pro Sekunde. Der Aufpreis für 4G LTE beträgt 120 Euro.

Walter S. Mossberg/The Wall Street Journal

Der 4G-LTE Funkstandard beim neuen iPad ist schneller als manche DSL-Verbindungen zu Hause, wie dieser Geschwindigkeitstest zeigt.

Die Geschwindigkeit hat noch eine andere Dimension: die allgemeine Reaktionsfreudigkeit des Geräts. Das neue iPad ist genauso leichtgängig wie das iPad 2. Apple hat den Prozessor aufgerüstet, vor allem die Grafik-Fähigkeiten. Im neuen iPad schlägt jetzt der A5X, Apples mobiler Vierkernprozessor. Das iPad 2 hatte „nur" den Doppelkernprozessor A5.

Der Akku

Apple gibt eine Akkulaufzeit von bis zu zehn Stunden bis zum nächsten Aufladen und zu neun bei ständigem Mobilfunkbetrieb an. In unserem Standard-Akku-Test spielen wir Videos ab, haben gleichzeitig Mobil- und WLAN eingeschaltet, die Bildschirmhelligkeit auf 75 Prozent gestellt. Dabei schaffte das neue iPad 9 Stunden und 58 Minuten, vergleichen mit 10 Stunden und 9 Minuten beim iPad 2. Andere Tablets gaben in dem gleichen Test schon Stunden vorher den Geist auf. Bei einer normaleren Nutzung hielt das neue iPad mehr als einen ganzen Tag durch allerdings nicht so lange wie das ältere Modell.

Die Kamera

Wie das iPad 2 hat das neue Modell sowohl auf der Vorder- als auch auf der Rückseite eine Kamera. Erste, die sogenannte FaceTime-Kamera, ist vorrangig für Video-Gespräche und hat sich auf der technischen Seite nicht verändert. Die Kamera auf der Rückseite hat beim iPad 2 ziemlich schlechte Fotos gemacht hat und hatte eine geschätzte Auflösung von nicht mal einem Megapixel. Jetzt ist sie mit einer Auflösung von fünf Megapixel deutlich besser. Auch die Optik wurde verbessert. Die Fotos waren super, sowohl drinnen als auch draußen. Und auch die Full-HD-Videoaufnahmen können sich sehen lassen.

Die Funktionen des neuen iPad

Andere Merkmale

Das neue iPad ist das erste, das man wie viele Smartphones als persönlichen Hotspot nutzen kann, um Laptops oder andere Geräte mit dem Internet zu verbinden. In unserem Test funktionierte das gut.

Man kann jetzt auch E-Mails oder andere Texte diktieren statt zu schreiben. Wir fanden die Funktion erstaunlich genau. Der Sprachassistent Siri ist jedoch nicht dabei. Zudem hat Apple nun eine hervorragende neue Version ihrer iPhoto Software, die für das iPad neu geschrieben wurde.

Ergebnis

Seit seinem Start 2010 ist das iPad das beste Tablet auf dem Markt. Auch mit der neuen, der dritten Generation, halt es diesen Titel.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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