• The Wall Street Journal

Douglas-Familie weicht Aktionärskritik aus

    Von NATALI SCHWAB

ESSEN--Die Aktionäre haben auf der Hauptversammlung des Handelskonzerns Douglas Klarheit über die Pläne der Gründerfamilie gefordert und die mangelnde Transparenz beklagt. Die Krekes - Aufsichtsratsvorsitzender Jörn und sein Sohn sowie Vorstandschef Henning - äußerten sich aber nur schwammig und monierten stattdessen die "Indiskretionen", die die Pläne zum eventuellen Rückkauf Mitte Januar öffentlich werden ließen. Damit bleibt offen, ob die Familie den übrigen Aktionären ein Übernahmeangebot machen wird und den Konzern womöglich sogar von der Börse nimmt. Dafür ernteten sie harsche Kritik.

dapd

Der Vorstandsvorsitzende der Douglas Holding AG, Henning Kreke, auf der Hauptversammlung.Er bekam viele Fragen, gab aber nur wenig Antworten.

Auch sonst haben Anteilseigner wenig Grund zum Jubeln: Die Buchkette Thalia ist ein teurer Sanierungsfall, der das Ergebnis im laufenden Jahr belasten wird. Vorstandschef Henning Kreke signalisierte, dass die Dividende aus diesem Grund 2011/12 geringer ausfallen könnte. Möglich sei sogar ein Ausfall der Ausschüttung, der dann aber eine einmalige Sache sein soll.

Im Mittelpunkt standen jedoch die bislang nicht sonderlich weit gediehenen Pläne der Krekes, den Konzern wieder in den Schoß der Familie zu überführen. "Ob und wann es überhaupt zu einer Transaktion kommt, ist weiterhin absolut offen," war das Einzige, was sich Chef Henning Kreke in seiner Auftaktrede vor mehr als 1.000 Aktionären entlocken ließ. Er beklagte, dass das "Bekanntwerden unserer Überlegungen für unsere Pläne nicht gerade förderlich war".

Keine "Zirkus-Aktie"

Die Krekes halten gut 12,7 Prozent an dem Hagener Konzern. Die Familie hält den Konzern an der Börse für unterbewertet und sieht dadurch das Ansehen von Douglas in Gefahr. Man wolle nicht, dass die Douglas-Aktie zur "Zirkus-Aktie" verkomme, begründete Kreke seine Vorstellungen.

Dabei sei es nie "zwingendes Ziel" gewesen, Douglas von der Börse zu nehmen. Es sei aber auch kein Szenario, "das wir im Ergebnis ablehnen" würden, wand sich der Vorstandschef um eine klare Aussage herum. Ein Delisting stünde aber ganz am Ende einer langwierigen Entwicklung, "deren weiteren Verlauf wir derzeit nicht abschätzen" können.

Ein solches Vorhaben könnten die Krekes jedoch nicht alleine stemmen. Deswegen habe die Familie Gespräche mit "ausgewählten" Finanzpartnern geführt. Aber auch hier ließ Kreke eine klare Linie vermissen: Auf Dauer will die Familie nämlich fremde Investoren offenbar nicht im Unternehmen haben. Es sei klar, dass Finanzinvestoren nur Weggefährten auf Zeit sein könnten, sagte Kreke, der mehrfach erklärte, dass es nicht zu einer Transaktion kommen müsse. "Wir werden - wenn überhaupt - nur mit einem Finanzinvestor zusammenkommen, mit dem eine größtmögliche Überschneidung der Interessen besteht."

"Sie haben kein Konzept"

Aktionärsschützerin Jella Benner-Heinacher von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) kritisierte die Familie: "Sie haben keinen Masterplan, Sie haben kein Konzept", schimpfte sie. Sie habe erwartet, dass die Familie Kreke informiere und auch erste Hinweise zu einem möglichen Übernahmeangebot gebe. Stattdessen habe sie nun das Gefühl, es handele sich "um ungelegte Eier."

"Über die desaströse Informationspolitik der letzten Wochen sind wir bestürzt", sagte auch Portfoliomanager Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Union Investment, die etwas mehr als ein Prozent an Douglas hält. Er sieht außerdem einen massiven Interessenkonflikt zwischen Aufsichtsrat, Management und den Aktionären. "Wie soll der Aufsichtsratschef den Vorstandschef wirksam kontrollieren, wenn es sich um Vater und Sohn handelt, die die Aktionärsinteressen der Familie Kreke widerspiegeln?" Dies widerspreche eklatant den Grundsätzen von Corporate Governance.

An die Adresse von Aufsichtsratschef Jörn Kreke sagte er: "Als Aufsichtsratschef sollten Sie die Interessen aller Aktionäre vertreten und einen möglichst hohen Aktienkurs anstreben, den Sie aber als Käufer natürlich möglichst niedrig halten wollen. Lassen Sie die Aktionäre nicht länger im Ungewissen, und legen Sie endlich die Karten offen auf den Tisch, ob es ein öffentliches Übernahmeangebot für Douglas-Aktien geben wird."

"Welches Spiel wird hier eigentlich gespielt? Soll der Machtkampf zwischen den Krekes und ihrem unliebsamen Großaktionär Erwin Müller jetzt auf dem Rücken der übrigen Aktionäre ausgetragen werden?", fragte Speich.

Müller: "Es gibt nichts zu sagen"

Aber auch Müller bekam sein Fett weg: "Wir wollen nicht der Spielball zwischen zwei rivalisierenden Aktionärsgruppen sein", sagte Benner-Heinacher von der DSW. Sie forderte den Drogerieunternehmer auf, Stellung zu beziehen. Vor Beginn der Hauptversammlung hatte Müller hatte erklärt, es gebe "nichts zu sagen".

Auch Krekes hielten sich zur Beteiligung Müllers bedeckt: Man wisse nicht, welche Beweggründe Müller habe. Als langfristig orientierter Aktionär sei er aber ebenso willkommen wie andere Aktionäre auch.

Müller hält rund 10,8 Prozent an Douglas und kann über verschiedene Finanzinstrumente diesen Anteil erheblich ausbauen. Spekuliert wird, dass Müller auch der Auslöser für die Rückkaufpläne der Kreke-Familie war. Was der Drogerieunternehmer jedoch will, ist unklar.

Beide Unternehmen verträten unterschiedliche Unternehmenskulturen, sagte Vorstandschef Kreke. Aber: "Die Unternehmen Müller und Douglas sind zwar Wettbewerber und liegen sich als solche sicher nicht täglich in den Armen. Wir begegnen uns aber dennoch mit Respekt vor der Leistung des anderen."

Auch die Strategie wurde von den Aktionären kritisiert. So zweifelte Benner-Heinacher von der DSW, ob eine Sanierung der Buchkette Thalia in Eigenregie sinnvoll und ob es nicht besser sei, den Bereich abzustoßen. Thalia befinde sich in einer Existenzkrise, die den Gesamtkonzern bedrohe, so Portfoliomanager Speich. Es gäbe zahlreiche Baustellen. Wenn jetzt außerdem durch Pläne, Douglas von der Börse zu nehmen, "sinnlos" Managementkapazität gebunden werde, wäre das "fatal". Alle Anstrengungen des Managements und des Aufsichtsrates müssten vielmehr darauf gerichtet werden, im operativen Geschäft zu alter Stärke zurückzufinden. "Wir wünschen uns vom Management mehr Weitsicht".

Vorstandschef Kreke hatte zuvor die Aktionäre auf eine längere Durststrecke bei Thalia eingestimmt. Die Buchkette könne nach einer erfolgreichen Restrukturierung "in einigen Jahren" wieder eine positive Entwicklung beim Vorsteuerergebnis nehmen und auch die Kapitalkosten wieder erwirtschaften. Der Weg dorthin sei jedoch "lang, steinig und zäh". Aufgrund der anstehenden Rückstellungen und Wertberichtigungen von rund 170 Millionen Euro werde man beim Vorsteuerergebnis in diesem Jahr womöglich "kräftig zurückstecken" müssen. Dies werde sich auch auf die Dividende auswirken, "bis hin zu einem einmaligen Ausfall". Für das vergangene Jahr will Douglas noch unverändert 1,10 Euro pro Aktie zahlen.

Die Konzernprognose für das laufende Jahr 2011/12 bekräftigte Kreke. Demzufolge soll das EBITDA wegen der Thalia-Probleme auf 200 bis 250 Millionen Euro sinken. Beim Konzernumsatz wird ein leichter Anstieg auf über 3,4 Milliarden Euro erwartet. In den ersten fünf Monaten stieg der Konzernumsatz um 1,3 Prozent auf rund 1,7 Milliarden Euro.

Kontakt zum Autor: natali.schwab@dowjones.com

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