• The Wall Street Journal

China ist für Apple längst keine Fußnote mehr

    Von JESSICA E. VASCELLARO

Es ist noch nicht lange her, dass die Region Asien Pazifik in der Bilanz des iPhone-Konzerns Apple nicht mehr war als eine Fußnote im Anhang. Aber diese Zeiten sind vorbei.

Die Umsätze auf den asiatischen Markt haben sich – befeuert vom Absatz in China – zuletzt mehr als verdoppelt. 26 Prozent des Konzernumsatzes von 39,2 Milliarden US-Dollar in den ersten drei Monaten hat Apple in Asia Pacific gemacht.

Reuters

Kunden testen das iPad in einem Apple Store in Schanghai.

Schon im laufenden Quartal könnte die Region zum umsatzstärksten Apple-Markt überhaupt werden. Auf 10,2 Milliarden Dollar summierten sich die Einnahmen in den ersten drei Monaten – verglichen mit 13,2 Milliarden in der Region Amerika, der seit vielen Jahren unbestritten stärksten Geldquelle. Wenn man Japan, wo sich die Erlöse auf 2,6 Milliarden Dollar fast verdoppelt haben, anders als Apple das tut, noch dazurechnet, liegen beide Regionen schon jetzt fast gleichauf.

Wie dramatisch der Wandel ist, zeigt ein Blick in die Bilanz der vergangenen Jahre. Erstmals wurde Asien Pazifik im vierten Quartal 2009 bei der geographischen Aufschlüsselung der Umsätze aufgeführt. Seinerzeit hatte Apple das iPhone auf dem chinesischen Markt eingeführt – zwei Jahre nach seinem Debüt in den Vereinigten Staaten.

Das Potenzial in der Volksrepublik ist wahrscheinlich riesig. Denn Apple muss sein iPad in China erst noch auf den Markt bringen, von dem weltweit 11,8 Millionen Stück in den ersten drei Monaten abgesetzt wurden.

China macht Apple endgültig zur globalen Marke

Selbstverständlich hat die Marke mit dem Logo des angebissenen Apfels längst außerhalb Amerikas einen klangvollen Namen. In den vergangenen Jahren eröffnete der Konzern viele eigene Geschäfte im Ausland oder fand Vertriebspartner. Vor einem Laden in Peking sorgte der Verkaufsstart des jüngsten iPhone für eine derart lange Schlange, dass die Polizei einschreiten musste.

Das rasante Wachstum in Asien zeigt, in welchem Maße Apple bereits zu einer globalen Marke geworden ist. 64 Prozent des gesamten Umsatzes machte der Konzern in den ersten drei Monaten außerhalb des Heimatmarktes – ein Rekordwert. „Das iPhone treibt die internationale Expansion viel stärker an als alle anderen Apple-Produkte", bringt Mike Walkley, Direktor bei der Investmentbank Canaccord Genuity, die Entwicklung auf den Punkt.

[appleumsatz]

In der Volksrepublik China hat Apple den iPhone-Absatz im Auftaktquartal verglichen mit dem Vorjahr verfünffacht, in Japan wurde er verdoppelt, wie aus der am Dienstag veröffentlichten Quartalsbilanz hervorgeht. Der Gesamtumsatz mit Apple-Produkten in China und Taiwan hat sich verdreifacht.

Das kalifornische Unternehmen führt den Erfolg in China auf den Verkaufsstart des neuen iPhone im Februar ebenso zurück wie auf den seit März laufenden Vertrieb über den zusätzlichen Mobilfunkanbieter China Telecom . Branchenführer China Mobile bietet das Gerät noch nicht einmal an.

Apple-Chef Tim Cook nannte das China-Ergebnis in einer Analystenkonferenz schlicht "umwerfend". Es gebe auf dem chinesischen Markt „noch viel Platz nach oben", äußerte er sich für weitere Zuwächse optimistisch.

Touchscreen hilft iPhone bei der Verbreitung

Cook war erst im März in China, um mit Regierungsvertretern und örtlichen Lieferanten zu sprechen. Die iPhone-Nachfrage erzeuge einen Halo-Effekt, mache also auch andere Apple-Produkte sympathisch und sorge für verstärkte Nachfrage in der Region, verkündete er. Erkennbar ist das auch beim Mac – dem Apple-PC. Dessen Absatz in China ist nach absoluten Zahlen zwar noch sehr gering – doch im zurückliegenden Quartal wurden 60 Prozent mehr Macs verkauft als noch vor Jahresfrist.

Analysten weisen in ihren nach wie vor höchst positiven Kaufempfehlungen auf einen weiteren Faktor hin, der die Verbreitung von Apple-Produkten weltweit erleichtert. Sie lassen sich ohne größere Umstände für andere Sprachen umrüsten, weil der berührungsempfindliche Bildschirm keinen Wechsel der Tastatur erfordert.

In den USA dagegen zeigt sich ein ganz anderes Bild. Dort ist der Markt tendenziell gesättigt. Genau weist der Konzern die iPhone-Verkäufe für das Heimatland zwar nicht aus. Doch die Zahlen der beiden größten US-Mobilfunkanbieter, die das beliebte Telefon vertreiben, sehen erheblich moderater aus als in einigen Auslandsmärkten.

Sales of Apple iPhones and iPads in greater China are skyrocketing, with five times as many iPhones sold in the latest quarter as a year earlier. How far will China take Apple? The WSJ's Deborah Kan speaks to Dow Jones' Yun-Hee Kim.

So hieß es bei AT&T, im zurückliegenden Quartal seien 4,3 Millionen Geräte aktiviert worden – nach 3,6 Millionen vor Jahresfrist. Verizon Wireless, wo das iPhone im Vorjahr nur in einem Teil des Quartals vertrieben wurde, verbuchte ein Wachstum von 2,2 auf 3,6 Millionen in diesem Jahr.

Anleger ließen sich von den vergleichsweise geringeren Wachstumsraten irritieren und stiegen nach Bekanntwerden der Aktivierungszahlen zunächst aus der Apple-Aktie aus. Nach Veröffentlichung der Apple-Bilanz mit den gestiegenen iPhone-Zahlen im Ausland – und Analysten glauben, dass sie auch den Absatz anderer Apple-Produkte ankurbeln werden – schwenkten Investoren aber schon wieder um. Der Kurs der Apple-Aktie stieg am Mittwoch um 8,9 Prozent auf 610 Dollar. Die vorherigen Verluste sind damit weitgehend ausgebügelt.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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