• The Wall Street Journal

Apple-CEO Tim Cook: Der Aktionärsversteher

    Von JESSICA E. VASCELLARO

Die Entscheidung des Technologiekonzerns Apple, eine Dividende auszuzahlen, ist nicht nur eine radikale Wende in der Unternehmensphilosophie. Es ist auch ein deutliches Zeichen dafür, dass CEO Tim Cook einen neuen Umgang mit den Aktionären pflegt.

Associated Press

Apple-CEO Tim Cook hat ein offenes Ohr für die Anleger.

Unter Firmengründer Steve Jobs hatte sich Apple darauf konzentriert, hohe Bargeldreserven aufzubauen. Die Anleger fragte man äußerst selten nach ihren Ansichten. Doch seit Tim Cook den Chefposten im August übernahm und Jobs im November verstarb, haben sich diese Dinge geändert.

Im Januar überraschte Apple einige Großanleger damit, dass das Unternehmen um ihre Meinung bat, was man mit den gewaltigen Bargeldreserven und anderen flüssigen Posten tun solle. Ende Dezember hatte Apple 97,6 Milliarden US-Dollar (etwa 74 Milliarden Euro) auf der hohen Kante.

Die Welt stürmt auf das neue iPad

Auch in der Öffentlichkeit sprach die Apple-Führung das einst so sensible Thema an. In einem seiner seltenen Auftritte auf einer Investorenkonferenz erklärte Cook im Februar, die Konzernleitung diskutiere Optionen für die Barreserven, da diese größer sei als für das operative Geschäft notwendig.

Das führte zu der Telefonkonferenz vom Montag, bei der Apple die erste Dividende seit 1995 und ein Rückkaufprogramm über 10 Milliarden Dollar verkündete. Finanzchef Peter Oppenheimer sagte, man habe diese duale Strategie gewählt, „nachdem wir die Meinung unserer Aktionäre eingeholt haben".

Das ist ein völlig neues Verhältnis von Apple zur Wall Street und zu den Anlegern. Jahrelang ließen Apple-Manager wenig durchblicken über das Barvermögen. Es gab lediglich standardisierte Erklärungen, in denen davon die Rede sei, man brauch das Geld, um den Nachschub zu sichern und flexibel zu bleiben. Für Jobs, der ohnehin wenig Zeit für die Aktionäre übrig hatte, war das Thema tabu.

„Es stand einfach nie auf der Tagesordnung", sagt Jeremy Gleeson, Fondsmanager bei AXA Investment Managers. Die Entscheidung vom Montag schaffe endlich eine dringend benötigte Transparenz.

Lange ein heikles Thema

Der 51-jährige Cook gilt als kommunikativer als sein Vorgänger Steve Jobs. Auch viele Mitarbeiter merken, dass sich die Firmenkultur ändert. Cook habe kürzlich eine Versammlung mit allen Angestellten abgehalten, bei dem die jüngsten Quartalszahlen und auch die Kritik an den Arbeitsbedingungen bei den Zulieferern in China diskutiert wurden. Seit er im Rampenlicht von Medien und Aktivisten steht, ist Cook in die Offensive gegangen und verteidigt die Firmenpolitik gegenüber Medien und Investoren.

Gerade die Bargeldfrage war lange ein heikles Thema bei Apple. Jobs hatte bei seiner Rückkehr 1996 Apple vor der Pleite gerettet. Gegenüber Kollegen betonte er stets, dass er dagegen sei, Geld an die Aktionäre zurückzugeben. Nach den Terroranschlägen des 11. September wollte er ein Rückkaufprogramm starten, da der Kurs der Apple-Aktie niedrig war, so eine mit der Sache vertraute Person.

Video auf WSJ.com

Apple CEO Tim Cook unveiled plans Monday to share billions of dollars in profits with shareholders. Jessica Vascellaro stops by digits to weigh in on the company's future, and whether it's famed founder Steve Jobs would have approved of the plan. Photo: Getty Images.

Doch nachdem die Banken einen Plan dafür ausgearbeitet hatten, verwarf er die Idee wieder. Ihm war es wichtiger, dass das Unternehmen mit dem Geld Wachstum erzeugen könne und dass ein Rückkauf die Optionen von Apple einschränke.

Warren Buffet, Chef von Berkshire Hathaway, erklärte kürzlich in einem Interview mit dem Fernsehsender CNBC, Jobs habe ihn vor einigen Jahren um Rat gebeten, was er mit Apples Barreserven tun solle. Buffet habe ihm geraten, Aktien zurückzukaufen, wenn er das Gefühl habe, sie seien unterbewertet.

Ob die neue Transparenz im Hause Apple auch über die Bargeldfrage hinausgeht, ist offen. Anleger beklagen sich regelmäßig, dass sie keinen Einblick in die Planungen für neue Produkte erhalten. Als ein Aktionär in der Telefonkonferenz vom Montag eine ähnliche Beschwerde äußerte, konterte Cook: „Wir lieben es, über neue Produkte zu sprechen. Aber nicht in Telefonkonferenzen."

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Panorama

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 24. April

    Kleingedruckte Rezepte auf Sri Lanka, ein kleiner Eisbär in St. Petersburg, eine brenzlige Lage im Osten der Ukraine und ein tief gefallener Bernie Ecclestone in München. Das und noch mehr steckt diesmal in unseren Bildern des Tages.

  • [image]

    Wo Europas Schuldenberge am höchsten sind

    Trotz Fiskalpakt: Die Haushaltsdefizite und die Staatsschulden in der Europäischen Union bleiben hoch. Vor allem die Spanne zwischen den finanziellen Musterschülern und den Haushaltssündern ist beträchtlich.

  • [image]

    Die Auto-Neuheiten aus China

    Der chinesische Automarkt gilt als schwierig - aber auch als lukrativ. Im Jahr des Pferdes versuchen die Autobauer mit limitierten Editionen und protzigen Modellen, die Käufer zu umgarnen. Wir zeigen Ihnen die Neuheiten der Automesse in Peking.

  • [image]

    Panini-Sticker: Höhepunkte aus 40 Jahren

    Zur Weltmeisterschaft im eigenen Land kamen 1974 die ersten Panini-Klebebilder in Deutschland auf den Markt, inzwischen haben sie Kultstatus. Ein Rückblick auf 40 Jahre Fußballgeschichte.

  • [image]

    Diese Länder sind die Wachstums-Stars

    Die Weltwirtschaft gewinnt weiter an Schwung. Wachstums-Impulse kommen aus den Industrieländern, auch aus Europa. Die höchsten Wachstumsraten sitzen aber woanders. Wir zeigen Ihnen, wo die Wirtschaft am stärksten boomt.

  • [image]

    Die bestverdienenden Bankenchefs der Welt

    Das vergangene Jahr hat sich für die Chefs der internationalen Großbanken wieder gelohnt. Doch auch in der Liga der Großverdiener gibt es deutliche Klassenunterschiede. Wir haben aufgelistet, wer wie viel erhalten hat.

Erwähnte Unternehmen