• The Wall Street Journal

Zentralbanken treiben Investoren nach Afrika

    Von PATRICK MCGROARTY und PRABHA NATARAJAN
dapd

Ghanaische Frauen bei der Beerdingung von Staatspräsident John Evans Atta im August. Ghana gilt als einer der Hoffnungsträger Afrikas - auch für Anleger.

Auf der verzweifelten Suche nach Erträgen in einer Welt fallender Zinsen und schwachen Wachstums finden die Investoren zunehmend Gefallen an Afrika.

Im vergangenen Monat konnte Sambia mit einer zehnjährigen Anleihe 750 Millionen US-Dollar aufnehmen, die Gebote in der Auktion lagen dabei mehr als 15 Mal so hoch wie das platzierte Volumen. Auch Nigeria konnte im September fünjährige Anleihen im Gegenwert von 30 Millionen Naira – oder 192.000 Dollar - am Markt unterbringen, die Nachfrage war doppelt so hoch. Angelockt durch das gewaltige Interesse will nun auch Ruanda bis Juni eine globale Anleihe auflegen, und Kenia plant für nächstes Jahr ebenfalls eine Bond-Emission.

Die Bereitschaft der Investoren, afrikanische Anleihen zu kaufen, ist ein weiterer Beleg für ihren Renditehunger. Die US-Notenbank Fed und andere große Zentralbanken treiben die Anleger mit ihren Zinssenkungen und Kaufprogrammen für Anleihen aus entwickelten Staaten immer weiter in die Peripherie.

Der afrikanische Kontinent gilt als eine der letzten Grenzregionen für Investoren. Viele der mehr als 50 Staaten in Afrika sind von den internationalen Märkten abgeschnitten – zum Teil aufgrund von früheren Zahlungsausfällen in einigen Ländern.

Aber mit der wachsenden politischen Stabilität auf dem Kontinent erwacht auch das Interesse des Kapitalmarktes. Fonds mit Anlageschwerpunkt Afrika verzeichneten in den ersten acht Monaten des Jahres 2,53 Milliarden Dollar an Zuflüssen. Das waren bereits 15 Prozent mehr als in den gesamten zwölf Monaten zuvor, zeigen Daten von EPFR Global.

Die Renditen globaler Anleihen von Senegal, Nigeria, Namibia und der Elfenbeinküste sind laut Capital Economics im laufenden Jahr bis Oktober im Schnitt um 2,5 Prozentpunkte gefallen. Einige afrikanische Anleihen liegen mit ihren Renditen mittlerweile nur noch knapp über denen europäischer Krisenstaaten. Spanien, von der Ratingagentur Standard & Poor's mit BBB- bewertet, verkaufte vor zwei Wochen Anleihen im Wert von 4,6 Milliarden Euro zu einer Rendite von 5,3 Prozent. Ein globaler Bond von Sambia, das vier Noten schlechter geratet wird, ging vergangenen Monat zu einer Rendite von 5,6 Prozent weg. Inzwischen ist die Rendite auf 5,3 Prozent gefallen. Käufer der Anleihe haben damit bereits Zeichnungsgewinne erzielt – fallende Renditen bedeuten steigende Preise.

Glaube in die Stabilität Afrikas wächst

Mindestens drei weitere afrikanische Staaten dürften sich im kommenden Jahr mit Anleiheauktionen an internationale Investoren wenden, womit die meisten der dynamischsten Volkswirtschaften des Kontinents dann Anbindung an die internationalen Märkte hätten.

"Die Suche nach Renditen zwingt die Investoren, diese weitere Grenze zu überschreiten", sagt Marcelo Assalin, der bei ING Invesment, einer Anlagegesellschaft mit verwaltetem Vermögen von 377 Milliarden Dollar, den Bereich für Staatsanleihen aus Schwellenländern leitet. Assalin hat seit Anfang des Jahres nigerianische Staatspapiere gekauft.

Es ist aber nicht der Renditehunger alleine, der Investoren nach Afrika lockt. Allmählich wächst der Glaube in die Stabilität des Kontinents: Es gebe mehr demokratische Wahlen, die Regierungen würden transparenter und öffneten sich für Kapital aus dem Ausland, sagen Volkswirte.

In diesem Jahr sollen in 23 Staaten Afrikas Wahlen abgehalten werden, an denen mehr als eine Partei teilnimmt. Noch 1989 gingen nach Angaben des Africa Reseach Institute, einer Organisation aus London, lediglich drei Staaten des Kontinents als Demokratien durch.

Hoffnung auf Aufwertung afrikanischer Währung

Das lege den Grundstein dafür, dass sich die Währungen von Ländern wie Ghana und Ägypten stabilisieren oder diese sogar steigen, sagen Volkswirte. "All diese Länder haben riesige Chancen, wenn sie sich stabilisieren", sagt Steven Bailey-Smith, Leiter des Afrika-Research bei der Standard Bank Group.

Viele afrikanische Staaten sind auf der Suche nach Kapital, mit dem sie modern Straßen, Häfen und Kraftwerke bauen können. Das an den schwankenden internationalen Anleihemärkten aufzunehmen, könnte die Länder zu mehr Disziplin bringen. Die Nutzung traditioneller Geldquellen – Hilfszahlungen oder Kredite von reichen Ländern und multinationalen Geldgebern – hat in der Vergangenheit zu oft zu einer überbordenden Bürokratie und noch mehr politischer Unsicherheit geführt.

Auch heute sind viel afrikanische Staaten noch lange nicht für ein Treffen mit internationalen Investoren bereit. An vielen Stellen des Kontinents brodeln bewaffnete Konflikte, angefangen vom Streit um Öl zwischen dem Sudan und dem abgespaltenen Südsudan bis zum Volksaufstand in der Demokratischen Republik Kongo. Die Rebellen dort werden von der Regierung es Nachbarstaats Ruanda unterstützt, der als einer der investorenfreundlichsten Staaten Afrikas gilt.

Warnendes Beispiel Elfenbeinküste

Die Elfenbeinküste brachte noch im Jahr 2010 Anleihen im Wert von 2,3 Milliarden Dollar auf den Markt. Doch wenige Monate später brach in dem Staat ein blutiger Machtkampf aus, der die Wirtschaft in die Knie zwang. Das Land konnte seine Schulden nicht bedienen und verpasste drei Zinszahlungen. obwohl Präsident Alessane Ouattara versprochen hat, den Gläubigern ihr Geld zurück zu zahlen. Auch bei anderen Staaten wie Nigeria, wo ein Glaubenskonflikt jederzeit eskalieren könnte, bleiben die Investoren auf der Hut.

"Uns gefallen die höheren Renditen in Nigeria, aber diese spiegeln ganz offensichtlich Risiken wider, die man nicht leugnen kann", sagt Michael Lee, Fondsmanager bei Wells Fargo. Er erwägt, Anleihen aus Nigeria und anderen afrikanischen Staaten zu kaufen, hat dies bisher aber nicht getan.

Viele Investoren wählen denn auch einen weniger riskanten Weg, indem sie auf Länder mit starkem Wachstum und weniger politischem Zündstoff investieren. Dave Robbins, Manager eines Schwellenländerfonds der US-Fondsgesellschaft TCW, schaut sich derzeit Anleihen aus Ghana und Kenia an, nachdem er im vergangenen Jahr in Nigeria investiert hatte. "Hohe Renditen und die Aussicht auf einer Aufwertung der Währung sind attraktiv", sagt er. Man müsse sich aber bewusst sein, dass die Märkte wenig liquide und sehr volatil seien. „Nicht immer geht das gut."

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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