• The Wall Street Journal

Europas Autobauer fahren schmerzhaften Sparkurs

    Von DAVID PEARSON, MATTHEW CURTIN und CHRISTOPH RAUWALD

Die Autoindustrie in Europa steckt in der Krise. Nun ergreifen einige Hersteller Maßnahmen, um Kosten zu sparen und die Produktion zu reduzieren. So kündigte am Mittwoch der Autobauer Ford an, ein Werk in Belgien zu schließen.

Die größten Schwierigkeiten aber hat Peugeot . Das angeschlagene französische Unternehmen bekommt nun Staatshilfen für seine Finanztochter PSA Finance. Anfang der Woche hat die Regierung die Eigentümerfamilie dazu gedrängt, zwei neue Aufsichtsratsposten zu schaffen. Außerdem wird ein neues Kontrollgremium eingeführt – künftig muss der Staat bei allen wesentlichen Entscheidungen zustimmen. Im Gegenzug garantiert Frankreich mit bis zu sieben Milliarden Euro für die Emission von Anleihen in den kommenden drei Jahren. Ein Bankenpool soll zudem 11,5 Milliarden Euro an Liquidität zur Verfügung stellen.

Associated Press

Weinende Mitarbeiter: Das Ford-Werk im belgischen Genk soll geschlossen werden.

Außerdem will Peugeot gemeinsam mit dem ebenfalls kriselnden Autobauer Opel vier neue Modelle entwickeln. Auf diese Weise wollen die beiden Unternehmen innerhalb der kommenden fünf Jahre jährlich zwei Milliarden Euro einsparen. CEO Philippe Varin schloss nicht aus, dass man die Partnerschaft noch ausbaue.

Anders als Ford, Peugeot und Opel steht Volkswagen gut da. Der Konzern verkaufte im dritten Quartal mehr Autos und konnte seinen Umsatz deutlich steigen. Der Nettogewinn stieg auf 11,3 Milliarden Euro. Dazu trug auch die schnell wachsende Audi-Marke trug ihren Anteil bei. Trotz der positiven Entwicklung warnte der größte europäische Autohersteller, dass sich die Aussichten für die Branche zunehmend verschlechterten. „Wir haben immer gesagt, dass es in der zweiten Jahreshälfte schwieriger wird", sagte Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch. „Im Vergleich mit unserer Konkurrenz sind wir aber relativ stark – das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind."

Unterdessen hat Ford angekündigt, seinen Standort im belgischen Genk zu schließen, wo etwa 4.300 Mitarbeiter den Ford Mondeo und den S-Max fertigen. Grund dafür seien die schlechten Aussichten für die Autobranche in Europa – die Verkaufszahlen sind so niedrig wie seit 20 Jahren nicht mehr, und Ford erwartet auch im kommenden Jahr keine Besserung. „Der Umbau unserer Produktion in Europa ist ein wichtiger Teil unseres Plans, das Geschäft von Ford in Europa zu stärken und wieder Gewinn zu erzielen", sagte Europachef Stephen Odell.

Seit dem Beginn der Finanzkrise im Jahr 2008 sind in Europa nur wenige Fabriken geschlossen worden. In den USA sieht das anders aus. Im Gegenzug für die finanzielle Unterstützung für GM und Chrysler hatte die Regierung einen drastischen Umbau in der Branche gefordert. Der könnte nun auch in Europa beginnen. Peugeot will 2014 die Produktion in einem Werk bei Paris einstellen, GM denkt darüber nach, den Standort Bochum im Jahr 2016 zu schließen. Das wäre das erste Mal seit dem Zweiten Weltkrieg, dass in Deutschland eine große Autofabrik geschlossen wird.

„Die Produktion zu verringern wird ein teurer Prozess, der je nach Land und Unternehmen anders abläuft und für die Politik nicht leicht wird", sagt Eric Tanguy, der als Analyst bei Standard & Poor's in Paris die Automobilbranche beobachtet. „Es läuft nicht wie in den USA, wo Unternehmen Insolvenzschutz beantragen, Hilfe von der Regierung bekommen, umstrukturiert werden und sich ein halbes Jahr später wieder erholt haben", sagt Tanguy. In Europa – so glaubt er - werde dieser Prozess teurer und schmerzhafter werden.

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