• The Wall Street Journal

Analysten raten Xing-Aktionären von Verkauf an Burda ab

    Von MATTHIAS GOLDSCHMIDT
[image] dapd

Xing ist eine Erfolgsgeschichte. Das Netzwerk, in dem Menschen ihre vor allem beruflichen Kontakte pflegen können, hat mittlerweile rund 12,4 Millionen Mitglieder, davon etwa 800.000 zahlende Premiumkunden.

Das Karrierenetzwerk Xing bekommt einen neuen Besitzer. Der Burda-Verlag hat mit einem Stimmrechtsanteil von knapp 39 Prozent die Kontrolle bei dem TecDAX-Konzern übernommen. Das teilte die Burda Digital GmbH am Freitag mit. Der langjährige Großaktionär unterbreitet den Xing-Aktionären nun pflichtgemäß ein Angebot für die Übernahme der restlichen Anteile.

Die Komplettübernahme dürfte sich Burda einiges kosten lassen. Das Angebot von 44 Euro je Xing-Aktie bewertet das Netzwerk mit gut 240 Millionen Euro. Der Preis pro Anteil liegt fast 6,70 Euro über dem Schlusskurs vom Donnerstag und damit auch über dem gesetzlichen Mindestpreis.

Analysten der Commerzbank und von Hauck & Aufhäuser sehen das Angebot jedoch kritisch und raten den Aktionären davon ab. Bei Xing handele es sich um eine Aktie, die noch Wachstumspotenzial biete. Die Commerzbank-Analysten glauben, dass der Xing-Kurs wegen der guten Geschäftsaussichten noch über den Angebotspreis hinaus steigen wird. Außerdem haben die Branchenbeobachter die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass eines Tages LinkedIn - das amerikanische Xing-Pendant - mehr bieten wird.

Der Medienkonzern Burda engagiert sich schon länger als Hauptaktionär bei Xing. Nun soll die Präsenz im Bereich Businessnetzwerke weiter ausgebaut werden. Grundsätzliche Veränderungen des Geschäfts oder der Gremien seien nicht geplant, teilte Burda mit. Auch habe man nicht vor, Xing von der Börse zu nehmen, sagte Holger Eckstein, Finanzchef von Hubert Burda Medien. Der Medienkonzern hatte vor drei Jahren mit 25,1 Prozent eine Sperrminorität von Unternehmensgründer Lars Hinrichs erworben und den Anteil vor gut einem halben Jahr aufgestockt.

Im Handel wird das Angebot als "attraktiv" eingestuft. "Es ist nicht damit zu rechnen, dass es zu einem Gegengebot kommen wird", sagte ein Händler. Die Aktie des Netzwerkes legt in Frankfurt im frühen Handel um mehr als 18 Prozent auf über 44 Euro zu.

Auch Gründer Hinrichs zeigte sich angetan von dem Deal und tat seine Begeisterung via Twitter kund: "Great Deal for Burda & everyone made a profit." Er will seine restlichen Aktien, die er noch an Xing hält, an Burda verkaufen.

Xing ist eine Erfolgsgeschichte. Das Netzwerk, in dem Menschen ihre vor allem beruflichen Kontakte pflegen können, hat mittlerweile rund 12,4 Millionen Mitglieder, davon etwa 800.000 zahlende Premiumkunden. Der Konzern beschäftigt rund 520 Mitarbeiter. Der Umsatz lag 2011 bei 66 Millionen, das operative Ergebnis bei 22 Millionen Euro.

Unternehmen 2003 als Open BC gestartet

Das Unternehmen wurde 2003 unter dem Namen Open BC (kurz für Businessclub) von Hinrichs in Hamburg gegründet. Waren Ende 2004 noch 10 Mitarbeiter damit beschäftigt, knapp 200.000 Mitglieder zu verwalten, konnte die Millionengrenze Anfang 2006 überschritten werden. Rasant ging es weiter. Im April waren es über 2 Millionen Nutzer, noch nicht einmal ein Jahr später war die Schallmauer von 5 Millionen durchbrochen. Die Marke von 10 Millionen wurde schließlich im September 2010 geknackt. Da war Gründer Hinrichs schon nicht mehr an Bord. Den Chefposten hatte er im November 2008 abgegeben, ein gutes Jahr später zog er sich auch aus dem Aufsichtsrat zurück.

Im Dezember 2006 ging Xing an die Börse, auch dies war eine Erfolgsgeschichte, wenn der Start auch eher holprig verlief. Im September 2011 schaffte Xing den Sprung in den Technologieindex TecDAX. Aus dieser Zeit stammt auch das Rekordhoch von 66 Euro, als der Hype um die sozialen Netzwerke mit dem Börsengang von LinkedIn - dem amerikanischen Xing-Pendant - einen Höhepunkt erreicht hatte. Nicht ohne Spuren blieb dann das Debakel um den mit Spannung erwarteten Börsengang von Facebook im Mai 2012. Die Xing-Aktie sank in den folgenden Monaten kontinuierlich bis auf Kurse um 34 Euro. Am billigsten war die Aktie im Oktober 2008 mit 21,80 Euro.

—Mitarbeit: Steffen Gosenheimer

Kontakt zum Autor: matthias.goldschmidt@dowjones.com

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