• The Wall Street Journal

Apple macht Apps in Deutschland teurer

    Von STEPHAN DÖRNER

Im App Store von Apple bestimmen nicht die Anbieter den Preis allein – sie können nur aus den von dem Technologiekonzern vorgegebenen Preisstufen auswählen. Deshalb kosten so viele Apps für iPhone und iPad 79 Cent – die niedrigste verfügbare Preisstufe. Im Euro-Raum sind das künftig 89 Cent. Die weiteren Preisstufen sind künftig 1,79 Euro, 2,69 Euro, 3,59 Euro, 4,49 Euro und teurer. Neben dem Euro-Raum wurden auch die Preise für mexikansiche Pesos und dänische Kronen angepasst.

dapd

Apps auf einem iPhone. Apple erhöht die Preise im Euro-Raum.

Die bisherigen Preisstufen lagen bei 79 Cent, 1,59 Euro, 2,39 Euro, 2,99 Euro, 3,99 Euro und so weiter. Preisstufen ab 7,99 Euro wurden mit der Umstellung sogar um einen ganze Euro teurer, höhere Preisstufen um zwei Euro und mehr.

Preiserhöhung nicht von Apple angekündigt

Vermutlich soll die Preisumstellung vor allem amerikanischen Entwicklern helfen, die durch die schwache Entwicklung des Euro in Europa ihre Apps günstiger angeboten haben als im Heimatmarkt. Für europäische Entwickler und die Verlage, die ihre digitalen Inhalte für iPad und iPhone verkaufen, kommt der Schritt aber überraschend. Kommuniziert wird er von Apple nur in einer E-Mail an die Entwickler mit dem Betreff „iTunes Connect: New App Store currencies available" – die Preisumstellung taucht also noch nicht einmal im Betreff auf.

Zuvor hatte Apple bereits die Preise für die Hardware in Euro-Preisen erhöht. So kostet das günstigste iPhone 4S noch 629 Euro, das iPhone 5 beginnt bei 679 Euro in Deutschland. In den USA kostet das iPhone 5 genauso viel wie das 4S zum Verkaufsstart.

Von der Preiserhöhung ist neben dem App Store von iOS auch der Mac App Store betroffen. So kostete die Mac-Bildbearbeitungssoftware Aperture von Apple bislang 62,99 Euro und nun 69,99 Euro. Der Preis von Apples Final Cut Pro X für den Mac wurde von 239,99 Euro auf 269,99 Euro angehoben. Bei den iOS-Apps für iPad und iPhone wurde beispielsweise Apples iPhoto, iMovie und GarageBand um 50 Cent im Preis von 3,99 Euro auf 4,49 Euro erhöht.

Problem für Verlage

Christian Röpke, Geschäftsführer von Zeit Online, äußerte sich im Gespräch mit dem Branchendienst Meedia: "Wir befinden uns jetzt im intensiven Gespräch mit Apple. Wie wir auf die Preiserhöhung reagieren, werden wir in den nächsten Tagen entscheiden. Zunächst sehen wir aber keine Veranlassung auf den niedrigeren Preis zu gehen, der einen so deutlichen Abschlag gegenüber unserem Produkt am Kiosk bedeutet."

Die digitale Ausgabe der Zeit kostete vor der Preiseerhöhung wie der Spiegel 3,99 Euro. Nun kosten beide Magazine 4,49 Euro. Das gilt auch für ältere Ausgaben. Am Kiosks kostet der Spiegel 4,20 Euro - und damit nun weniger als die iPad-Ausgabe.

Gerade für Verlage ist die Preisgestaltung schwierig. Einerseits erwarten Kunden bei einem reinen Digitalprodukt einen niedrigeren Preis als bei der gedruckten Ausgabe. Andererseits fließen alleine 30 Prozent des Erlöses direkt an Apple. Zudem unterliegen Drucksachen einem reduzierten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent. Nun könnten einige im App Store angebotenen Digitalprodukte teurer sein als das Print-Äquivalent.

Kontakt zum Autor: stephan.doerner@wsj.com

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