• The Wall Street Journal

Oscar-Verleihung: Ich danke meinen Twitter-Followern

    Von KATHERINE ROSMAN

Die diesjährige Ausstrahlung der Oscar-Verleihung dürfte keine Quotenrekorde brechen. Doch für die sozialen Medien könnte es eine unvergessliche Nacht werden. Zum ersten Mal twittern Journalisten über die Geschehnisse hinter den Kulissen und auch die Organisatoren der Show setzen auf Twitter, Facebook und Streaming im Internet.

MDI Digital

Die diesjährige Oscar-Verleihung wird interaktiv.

Die Organisatoren der Preisverleihung wollen bis zum letzten Augenblick maximale Aufmerksamkeit für die Oscars erhaschen: Der Sender ABC, der die Preisverleihung am Sonntag ausstrahlt, lässt zwei Mitarbeiter über die Geschehnisse hinter den Kulissen twittern. Die Moderatoren auf dem roten Teppich stellen Prominenten vor der Show die Fragen, die Zuschauer auf Twitter angeregt haben. Die „Academy of Motion Picture Arts and Sciences", welche die Preisverleihung ausrichtet, bietet auf Facebook ein neues Programm an, mit dem Nutzer ihre Favoriten für die begehrten Preise angeben und mit ihren Freunden teilen können.

Zusätzlich zu den offiziellen Kameras, die auf die Bühne und das Publikum gerichtet sind, stehen 20 weitere Kameras um den roten Teppich, die Lobbybar und hinter den Kulissen. Vor einer „Dankeskamera" können die Gewinner ihre Dankesreden ausweiten. Die Aufzeichnungen dieser Kameras werden nicht im Fernsehen, sondern als Streaming-Videos auf Oscar.com und der kostenlosen Oscars-App für mobile Geräte gezeigt. Ein Ticker auf Internetseite und App zeigt den Zuschauern in Echtzeit, wer gerade vor welcher Kamera steht. So soll es mehr Material geben, worüber die Fans sich im Internet unterhalten können.

Mitmachen der Zuschauer ausdrücklich erwünscht

Während der Ausstrahlung werden Twitter-Beiträge der Zuschauer mit den Stichworten #oscars, #redcarpetqa und #bestdressed auf Oscars.com und der App erscheinen. Karin Gilford, stellvertretende Leiterin digitale Medien beim Sender ABC, sagt, eine externe Firma sei extra dafür angeheuert worden, die Tweets zu moderieren und Spam von der Internetseite fernzuhalten.

Selbst scharfzüngige Kommentare der Zuschauer können für den Sender nützlich sein. „Wenn alle Welt von einem Ereignis bei der Fernsehsendung total verrückt ist, wissen wir, welche Videoclips wir auf die Internetseite stellen sollten", sagt Gilford.

Die Oscar-Organisatoren bauen dabei auf einen wachsenden Trend: Immer mehr Zuschauer sehen sich nicht mehr nur ihre Lieblingsserien an, sondern veröffentlichen gleichzeitig einen ständigen Fluss an Kommentaren auf Twitter und Facebook.

Vergangenes Jahr diskutierten die Twitter-Nutzer im Netz das abwesende Verhalten von Mitmoderator James Franco. Joy Behar, Moderatorin der US-Talkshow „The View", schrieb über Franco und seine Kollegin Anne Hathaway: „Ich bin überrascht, dass Anne Hathaway noch keinen Leistenbruch davon bekommen hat, dass sie James Franco die ganze Nacht durch die Show schleppt. #Oscars."

Zur Oscarverleihung 2010 gab es 966.000 Social-Media-Kommentare, und insgesamt war die Resonanz darin positiv, so die Analysefirma Bluefin Labs. Während der Fernsehausstrahlung drehten sich 87 Prozent aller Social-Media-Beiträge um die Preisverleihung. Nach den Stichworten „#oscars" und „Oscars" war „love" das dritthäufigste. „Dress" (Kleidung) war das fünfthäufigste.

Auch andere große TV-Veranstaltungen bekommen immer mehr Aufmerksamkeit aus den sozialen Medien. Während der Ausstrahlung des diesjährigen Super Bowl gingen 12,2 Millionen Kommentare bei sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook ein. Das sind 578 Prozent mehr Kommentare als beim Spiel im Jahr zuvor, so Bluefin Labs. Während der Grammy-Verleihung wurde 13 Millionen Mal getwittert und kommentiert, 2280 Prozent öfter als vergangenes Jahr. Die hohe Aufmerksamkeit hatte die Show allerdings auch dem Tod von Sängerin Whitney Houston am Vortag zu verdanken.

Den Einfluss der Aufmerksamkeit via Social Media auf die TV-Quoten können Medienvertreter noch nicht beziffern, berichten diese. „Wir wissen allerdings, dass sich Zuschauer durch soziale Medien mehr beteiligen und länger an dem interessiert bleiben, was sie sehen", sagt Albert Cheng, stellvertretender Leiter der digitalen Medien bei der Disney-ABC Television Group.

Tweets und Online-Videos von der After-Show-Party

Für die diesjährigen Oscars hat Twitter mehrere Fernseh- und Musikstars engagiert, während der Zeremonie zu twittern – darunter „Desperate Housewives" Star Eva Longoria sowie Randy Jackson, Jurymitglied bei „American Idol".

Sogar die After-Show-Party können Nutzer der sozialen Medien mitverfolgen. Das Magazin Vanity Fair, das traditionell eine Oscar-Party ausrichtet, lässt einen Mitarbeiter von der Veranstaltung aus twittern. Videos der Feier werden stündlich online gestellt, sagt Chris Rovzar, Redakteur für digitale Medien bei Vanity Fair.

Die Videos und Tweets würden Leser an der Party teilhaben lassen, ohne die Privatsphäre der VIP-Gäste zu beeinträchtigen, so Rovzar. „Es ist ein Balanceakt, den Leuten mitzuteilen, was bei der Party so passiert, und gleichzeitig niemandem den Spaß zu verderben."

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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