• The Wall Street Journal

Romney holt Sieg bei Vorwahl in New Hampshire

    Von NEIL KING JR. und PATRICK OCONNOR
[RomneyWins] Getty Images

Mitt Romney ließ sich am Wahlabend von seinen Anhängern feiern.

MANCHESTER, NEW HAMPSHIRE - Mitt Romney hat die Vorwahl der republikanischen Partei im Bundesstaat New Hampshire für sich entschieden. Für seine Rivalen wird es jetzt schwer, in den nächsten Wochen noch an ihm vorbeizukommen.

Romney galt bei der ersten offenen Vorwahl (Primary) des Präsidentschaftswahlkampfs ohnehin als Favorit. Schließlich war er Gouverneur des angrenzenden Bundesstaates Massachusetts und hatte mit Abstand die größte Summe in seinen Wahlkampf investiert. Doch die 39 Prozent der Stimmen, die er nach Auszählung von 95 Prozent der Wahlbezirke geholt hat, sind mehr, als zu erwarten war. Zusammen mit seinem knappen Sieg in der vergangenen Woche in Iowa wird es für die anderen Kandidaten der republikanischen Partei schwierig, ihn noch auszubremsen.

Bilderstrecke

Getty Images

Auf dem zweiten Rang liegt der libertäre Ron Paul mit etwa 23 Prozent, auf ihn folgt Jon Huntsman, Gouverneur von Utah, mit etwa 17 Prozent. Newt Gingrich und Rick Santorum holten je knapp zehn Prozent.

In seiner Siegesrede attackierte Romney vor allem Präsident Barack Obama, wehrte sich aber auch gegen Vorwürfe seines Rivalen Newt Gingrich: "Der Präsident stellt die freie Marktwirtschaft auf die Probe, und einige verzweifelte Republikaner stehen an seiner Seite", sagte Romney. "Das ist ein großer Fehler für unsere Partei und für unsere Nation".

Romney ist damit der erste republikanische Präsidentschaftsbewerber, der sowohl in Iowa als auch in New Hampshire siegen konnte. "Heute Abend haben wir Geschichte geschrieben", sagte er bei seiner Wahlparty. "Heute feiern wir, ab morgen arbeiten wir weiter".

Nächster Termin auf dem Wahlkalender ist South Carolina. Die dortige Vorwahl am 21. Januar könnte die letzte Chance für einen weiteren Kandidaten sein, sich als Herausforderer für Romney zu positionieren. Bis jetzt ist dies keinem der verbliebenen fünf Mitbewerber gelungen. So hat Romney die Nase vorn, ohne an der republikanischen Basis für Begeisterungsstürme zu sorgen.

Wahlkampf in den USA

Auf Newt Gingrich, Rick Perry und Rick Santorum wächst nun der Druck, sich aus dem Rennen zurückzuziehen. Dann könnte sich der konservative Flügel der Republikaner hinter einem Kandidaten sammeln.

Jon Huntsman, der in Iowa nicht angetreten war, sieht seinen dritten Platz jedenfalls als Ermutigung, weiterzumachen: "Auf geht es nach South Carolina," sagte er zu seinen Unterstützern. Er hatte erst in der vergangenen Woche genug Geld eingesammelt, um in New Hampshire Anzeigen schalten zu können.

Nach seinem Überraschungserfolg in Iowa konnte Rick Santorum aus New Hampshire keinen Schwung mitnehmen. In der vergangenen Woche lag er nur acht Stimmen hinter Romney, am Dienstag holte er lediglich 9,4 Prozent. Damit liegt er gleichauf mit Newt Gingrich, der trotz einer massiven Wahlkampagne nicht richtig Fuß fassen kann.

Gestärkt geht der libertäre Ron Paul aus der Vorwahl hervor. Er konnte sein Ergebnis von 2008 fast verdoppeln. Paul spricht besonders die Gruppe der Wähler unter 30 an und konnte auch bei Erstwählern punkten.

Nach Bekanntgabe der ersten Ergebnisse griff Paul erneut die Fed an und kritisierte die militärische Strategie der USA: "Nur solides Geld und individuelle Freiheit können die Krise lösen", sagte er. "Wir haben genug davon, unsere Kinder und unser Geld rund um den Erdball zu schicken und den Weltpolizisten spielen zu lassen. Es ist Zeit, sie nach Hause zu holen." Seine Anhänger skandierten darauf "End the Fed!".

Der Erfolg von Ron Paul dürfte Romney allerdings in die Karten spielen. Die außenpolitischen Ansichten des 76-Jährigen wie etwa seine Gegnerschaft zu einem militärischen Vorgehen gegen den Iran machen ihn für viele Republikaner unwählbar. Durch seine starke Position haben es gefährlichere Rivalen von Romney schwer, Unterstützung zu sammeln.

Video auf WSJ.com

Mitt Romney gets the benefit of winning the New Hampshire primary by a strong margin, plus his closest rivals, Ron Paul and Jon Huntsman, will not pose a long term threat to his candidacy. Washington Bureau Chief Jerry Seib weighs in.

Enttäuschend ist das Ergebnis für Rick Perry. Der Gouverneur von Texas kam nur auf 0,7 Prozent der Stimmen. Er hatte sich aber bereits auf den Wahlkampf in South Carolina konzentriert. In einer Erklärung hieß es, er wolle weiter kämpfen und die konservative Alternative zu Romney sein.

Auch Newt Gingrich will trotz seines schwachen Abschneidens weitermachen. South Carolina sei jedoch der Staat, den er gewinnen müsse.

Romney hat jedenfalls die nächsten Vorwahlen in South Carolina und Florida fest im Blick. Am Mittwoch trifft er sich mit seinen Sponsoren in Boston, um die weitere Strategie zu beraten. Viele Sponsoren der republikanischen Partei zögern immer noch, sich hinter seine Kampagne zu stellen. Spender aus Texas warten beispielsweise ab, wie sich ihr Gouverneur Rick Perry verhält. Gibt er seinen Rückzug bekannt, dürften diese Gelder Romney zufließen.

Der Enthusiamus der Republikaner ist allgemein noch recht verhalten. Die Wahlbeteiligung dürfte geringer ausgefallen sein als im Jahr 2008. Viele registrierte Unterstützer blieben zu Hause, dafür stieg die Zahl der "Independents".

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Panorama

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 24. April

    Kleingedruckte Rezepte auf Sri Lanka, ein kleiner Eisbär in St. Petersburg, eine brenzlige Lage im Osten der Ukraine und ein tief gefallener Bernie Ecclestone in München. Das und noch mehr steckt diesmal in unseren Bildern des Tages.

  • [image]

    Wo Europas Schuldenberge am höchsten sind

    Trotz Fiskalpakt: Die Haushaltsdefizite und die Staatsschulden in der Europäischen Union bleiben hoch. Vor allem die Spanne zwischen den finanziellen Musterschülern und den Haushaltssündern ist beträchtlich.

  • [image]

    Die Auto-Neuheiten aus China

    Der chinesische Automarkt gilt als schwierig - aber auch als lukrativ. Im Jahr des Pferdes versuchen die Autobauer mit limitierten Editionen und protzigen Modellen, die Käufer zu umgarnen. Wir zeigen Ihnen die Neuheiten der Automesse in Peking.

  • [image]

    Panini-Sticker: Höhepunkte aus 40 Jahren

    Zur Weltmeisterschaft im eigenen Land kamen 1974 die ersten Panini-Klebebilder in Deutschland auf den Markt, inzwischen haben sie Kultstatus. Ein Rückblick auf 40 Jahre Fußballgeschichte.

  • [image]

    Diese Länder sind die Wachstums-Stars

    Die Weltwirtschaft gewinnt weiter an Schwung. Wachstums-Impulse kommen aus den Industrieländern, auch aus Europa. Die höchsten Wachstumsraten sitzen aber woanders. Wir zeigen Ihnen, wo die Wirtschaft am stärksten boomt.

  • [image]

    Die bestverdienenden Bankenchefs der Welt

    Das vergangene Jahr hat sich für die Chefs der internationalen Großbanken wieder gelohnt. Doch auch in der Liga der Großverdiener gibt es deutliche Klassenunterschiede. Wir haben aufgelistet, wer wie viel erhalten hat.