• The Wall Street Journal

Indien zieht Patent für Roche-Medikament zurück

    Von RUMMAN AHMED
dapd

Die Regierung Indiens entzog dem Schweizer Pharmakonzern Roche den Patentschutz für ein Medikament gegen Hepatitis C. Damit kann Roche das teure Mittel Pegasys in Indien nicht mehr exklusiv vermarkten. Hier zu sehen: Vorstandsvorsitzender Severin Schwan (links) und Finanzvorstand Alan Hippe im Februar 2012.

BANGALORE - Die Auseinandersetzung um den Patentschutz von Medikamenten in Indien verschärft sich. Einen Rückschlag musste nun der schweizerische Pharmakonzern Roche hinnehmen. Die Regierung Indiens entzog ihm den Patentschutz für ein Medikament gegen Hepatitis C. Damit kann Roche das teure Mittel Pegasys in Indien nicht mehr exklusiv vermarkten.

Es ist nicht das erste Mal, dass Pharmakonzerne in dem Land ohne den wichtigen Patentschutz auskommen müssen, der ihnen im Rest der Welt gewährt wird. So kämpft Roche-Wettbewerber Novartis vor dem Obersten Gericht darum, sein Krebsmittel Glivec vor unliebsamer Konkurrenz in Indien zu schützen. Der deutsche Konzern Bayer wurde dazu gezwungen, eine Lizenz für sein Krebsmittel Nexavar zu erteilen, das nun zu einem Dreizehntel des ursprünglichen Preises vermarktet wird. Bayer wehrt sich dagegen derzeit noch.

Für die Pharmabranche steht viel auf dem Spiel. Sollten die Unternehmen oft und immer wieder auf ihre Rechte zur exklusiven Vermarktung verzichten müssen, kommen ihre Kosten für Forschung und Entwicklung nicht wieder herein. Dem steht das Bedürfnis entgegen, Patienten mit Medizin zu versorgen, die sich weite Teile der Bevölkerung schlicht nicht leisten können.

Roche hatte den Patentschutz für Pegasys zunächst im Jahr 2006 erhalten. Der indische Generikahersteller Wockhardt und eine Aktivistengruppe gingen dagegen jedoch vor - zunächst erfolglos. Sie kritisierten, das Hepatitis-Mittel von Roche sei keine Neuentwicklung und erfülle deshalb nicht die Kriterien für die Gewährung von Patentschutz. Nun setzten sie sich doch mit ihren Argumenten durch.

Indien hat eigentlich alle Zutaten, die Pharma-Managern den Glanz in die Augen treiben könnten. Der Markt für Medikamente dürfte sich in den nächsten acht Jahren auf 74 Milliarden Dollar mehr als versechsfachen. Bei einem Verlust der Patentrechte würde allerdings nicht viel davon bei den westlichen Pharmakonzernen ankommen.

Wie es im Fall von Roche nun weitergeht, steht noch nicht fest. Ein Sprecher sagte, der Konzern werde nun zunächst einmal das Urteil prüfen. Er warnte, die Aberkennung von Patentrechten werde die Entwicklung neuer Behandlungsmöglichkeiten behindern. Aktivisten äußerten dagegen die Hoffnung, nun gebe es die Chance auf eine bezahlbare Behandlung der Lebererkrankung Hepatitis für viele Menschen, die bislang darauf verzichten mussten.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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