• The Wall Street Journal

Facebooks Freunde suchten schnell das Weite

    Von JOE LIGHT

Als Facebook im Mai seine Aktien anbot, waren Investmentfonds dreier Banken, die den Mega-Börsengang betreuten, eifrig darin, die Papiere des sozialen Netzwerks einzusammeln. Neue Daten zeigen jetzt, dass diese Fonds auch zu den ersten gehörten, die zur Tür heraus drängten, als die Facebook-Aktie kurz nach der Erstnotiz abstürzte.

Vor dem Börsengang von Facebook am 17. Mai kauften Investmentfonds von Morgan Stanley, J.P. Morgan Chase und Wells Fargo – drei der insgesamt 33 Konsortialbanken – insgesamt 8,4 Millionen Aktien des Unternehmens im Wert von 319 Millionen Dollar. Ende des Monats hatten die Fonds 3,5 Millionen Papiere bereits wieder abgestoßen, wie Daten der Researchfirma Morningstar und Pflichtmitteilungen an die US-Börsenaufsicht SEC zeigen. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Aktien von einem Hoch bei 45 Dollar am ersten Handelstag bis auf 29,60 Dollar je Stück gefallen. Inzwischen sind sie nur noch gut 21 Dollar wert.

Richard Drew/AP/dapd

Nach dem Börsengang im Mai verlor die Facebook-Aktie zwischenzeitlich über die Hälfte ihres Wertes.

Die Regulierer in den USA schreibt eine strikte Trennung der Konsortialsparten der Banken von ihren Asset-Management-Bereichen vor. Einen Hinweis darauf, dass die Fonds der drei Häuser dagegen verstoßen haben, gibt es nicht. Auch konnten sie die Aktien aus dem Börsengang nicht im eigenen Haus kaufen, sondern mussten sich an andere Banken wenden.

Nichtsdestotrotz sind die umfangreichen Verkäufe, die die Fonds wahrscheinlich vor weiteren Verlusten bewahrten, ungewöhnlich. Sie zeigen, wie schnell der Markt das Vertrauen in die Facebook-Aktie verlor.

Fonds, die bei Börsengängen umgehend wieder verkaufen, sind normalerweise auf Zeichnungsgewinne aus, die entstehen, wenn die Aktie zum Start nach oben schießt. Dieses Glück war den Fonds, die sich bei Facebook eingekauft hatten, nicht vergönnt. „Hätte es einen nennenswerten Kurssprung gegeben, wäre das eine ganz andere Geschichte", sagt Geoffrey Bobroff, unabhängiger Fondsberater.

Dass die Fonds so schnell von ihren Beständen runterkommen konnten, zeigt die Vorteile, die sie im Vergleich zu Privatanlegern genießen. Viele Discount-Broker, bei denen die meisten Privaten handeln, schließen Anleger von zukünftigen IPOs aus, wenn sie nach einem Börsengang früh wieder verkaufen. Üblicherweise greifen diese Strafen bei Verkäufen in den ersten 15 bis 30 Tagen. Beispielsweise sperrt Fidelity Investments seine Kunden sechs Monate lang für alle IPOs, wenn sie Aktien in den ersten 15 Tagen nach der Erstnotiz verkaufen. Bei Wiederholungstätern fallen die Strafen noch drastischer aus. Ziel sei es, auch nach Handelsbeginn einer Aktie einen „geordneten Markt zu behalten", sagte ein Fidelity-Sprecher. Unter anderem solle die Volatilität in Grenzen gehalten werden.

Gewöhnlich sind die Namen von Anlegern, die bei einem Börsengang Aktien kaufen, ein gut gehütetes Geheimnis. Fonds, die von Konsortialbanken betrieben werden, müssen ihre Käufe und Verkäufe allerdings zweimal im Jahr an die SEC melden. Die meisten der Fonds von Banken, die am Facebook-IPO beteiligt waren, legen den Kunden ihre Beteiligungen sogar einmal monatlich offen, die anderen einmal im Quartal.

Der 8,7 Milliarden Dollar schwere Large Cap Growth Fund von J.P. Morgan, der die Aktien vieler Technologie-Größen wie Apple und Amazon im Portfolio hat, kaufte beim Börsengang 561.400 Facebook Aktien. Bis Ende Mai hatte der Fonds diese komplett wieder verkauft. Das ist insofern ungewöhnlich, als Fondsmanager Giri Devulapally Aktien sonst im Schnitt mehr als drei Jahre hält, wie Morningstar-Daten zeigen. Devulapally ließ über eine Sprecherin ausrichten, dass er für einen Kommentar nicht zur Verfügung steht.

Insgesamt kauften 14 Fonds aus dem Hause J.P. Morgan zusammen fast 1,1 Millionen Facebook-Aktien. Ende Mai hatten die 13 Fonds, für die Daten vorliegen, 620.000 Stück wieder abgestoßen. Eine Sprecherin der Bank wollte sich dazu nicht äußern.

Noch deutlich stärker war Morgan Stanley bei Facebook engagiert. Die Investmentbank des Instituts betreute den Börsengang als leitender Konsortialführer. Und der von Dennis Lynch betreute Morgan Stanley Focus Growth Funds, der sein Anlagevermögen von 1,5 Milliarden Dollar zu 40 Prozent in Tech-Aktien investiert, kaufte 2,8 Milliarden Aktien beim IPO. Davon verkaufte Lynch bis Ende Mai 1,2 Millionen Stück wieder. Alles in allem zeichneten 17 Fonds von Morgan Stanley Investment Management 6,8 Millionen Facebook-Aktien. Die 15 Fonds, für die Daten vorliegen, hatten davon bis Ende des Monats 2,6 Millionen Aktien verkauft. Ein Morgan-Stanley-Sprecher wollte dies nicht kommentieren.

Laut Morningstar-Daten beträgt die durchschnittliche Haltedauer des Morgan Stanley Focus Growth Fund ungefähr drei Jahre. Zudem hat Lynch bei anderen IPOs aus dem Bereich Social Media in jüngster Zeit nach der Erstnotiz weiter zugekauft. Als der Spiele-Dienstleister Zynga im Dezember vergangenen Jahres zu 11 Dollar je Aktie an die Börse ging, kaufte der Focus Growth 875,857 Aktien. Ende des Jahres war der Bestand auf 1,4 Millionen Stück angewachsen, obwohl die Aktie zwischen 9 und 10 Dollar dümpelte. Morgan Stanley war auch hier Konsortialbank.

Bei Facebook zog Lynch dagegen die Reißleine. Trotzdem gehören der Focus Growth Fund und andere von ihm betreute Produkte nach wie vor zu den Fonds mit dem höchsten Gewicht an Facebook-Papieren im Portfolio. Ende September hatte der Focus Growth Fund rund 5,6 Prozent seines Vermögens in das soziale Netzwerk investiert.

Deutlich zurückhaltender präsentierte sich Wells Fargo, eine weitere Bank aus dem Konsortium, das Facebook an die Börse brachte. Der 11 Milliarden Dollar schwere Wells Fargo Advantage Growth Fund, der seine Aktien durchschnittlich länger als zwei Jahren hält, kaufte beim IPO 146.000 Facebook-Aktien, die er laut Morningstar bis Ende Mai komplett verkaufte. Insgesamt erwarben elf Fonds der Bank 577.000 Anteile, wovon acht Fonds bis Ende Mai fast 237.000 Papiere wieder abgestoßen hatten. Auch bei Wells Fargo wollte niemand die Aktienverkäufe kommentieren.

Bei Goldman Sachs kauften zehn Fonds rund 1,5 Millionen Aktien. Informationen zu Verkäufen bis Ende gibt es laut Morningstar nur zu zwei Fonds. Diese hatten zu diesem Zeitpunkt weder Anteile verkauft noch zusätzlich erworben. Von acht Fonds gibt es Informationen über die Transaktionen bis Ende Juni. Demnach hielten sie anderthalb Monate nach dem IPO 175.000 weniger Aktien als unmittelbar nach dem Börsengang.

Eine Goldman-Sprecherin erklärte in einer E-Mail, die Vermögensverwaltung der Bank treffe „unabhängige Anlageentscheidung für ihre Fonds, die sie für Kunden verwaltet".

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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