• The Wall Street Journal

Apples heimlicher Schwachpunkt

    Von ROLFE WINKLER

Apples neueste Produkteinführungen, iPad 4 und iPad mini, können zum Start mit guten Verkaufszahlen glänzen: Mehr als drei Millionen der Tablets hat Apple bereits kurz nach dem Start der Geräte verkauft. Damit seien die beiden Tablets "praktisch ausverkauft", teilte Apple am Montag mit. Keine Angaben machte Apple über die verkauften Stückzahlen aufgeschlüsselt nach den beiden Modellen. Für das iPad mini wird auf Apples Website derzeit eine Wartezeit von etwa zwei Wochen angebeben.

Apple gibt Investoren auch sonst nicht viel In die Hand, wenn es um Prognosen geht. Deshalb sind einige Leckerbissen, die Apple in seinem jährlichen Finanzreport verrät, umso interessanter. Die einzige Orientierungshilfe für Prognosen, die Apple Investoren regelmäßig gibt, bezieht sich auf das kommende Quartal – und unter Analysten sind wachsen auch die Zweifel an diesen Zahlen. Unterm Strich hat der iPhone-Hersteller die Latte für sich regelmäßig so niedrig angesetzt, dass sie mit den Zahlen stets leicht zu überspringen war.

dapd

Blick in einen Apple Store in New York. Der Konzern gewährt einen seltenen Blick in seine Prognosen.

Im einem vergangene Woche bei der US-Börsenaufsicht eingereichtem Bericht wagt Apple aber zumindest in einem Aspekt den Blick nach vorne: Das Unternehmen schätzt dort, wie viel Geld es im kommenden Jahr in Investitionen, insbesondere Fabrikanlagen, stecken will. Einige haben diese Zahlen in der Vergangenheit dazu genutzt, die Verkäufe im kommenden Jahr zu schätzen – aber seit 2012 gilt der bisherige Zusammenhang zwischen Verkäufen und Fabrikinvestitionen nicht mehr.

Apples Investitionen 2012 sprunghaft angestiegen

Im Geschäftsjahr, das im September endet, sind Apples Kapital-Investitionen sprunghaft angestiegen - von 4,6 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr auf 10,3 Milliarden. Würde die alte Korrelation mit den Verkaufszahlen noch gelten, hätte Apple Zehntausende Milliarden Dollar mehr bei den Umsätzen ausweisen müssen als es im Geschäftsjahr 2012 der Fall war. Für 2013 weist Apple nun Investitionsaufwendungen von 10 Milliarden Dollar aus. Es ist das erste Mal seit 2004, dass das Unternehmen sinkende Investitionen voraussagt.

Ein Teil des Geldes plant Apple in Rechenzentren und Apple Stores zu investieren. Die größere Summe fließt aber in die Ausweitung der Produktion in den Fabriken der Zulieferer. Beachtenswert ist der Sprung in Apples Investitionen in China - von 2,6 Milliarden auf 7,3 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr. Das ist ein sehr großes Investment, das Apple getätigt hat, um bei seinen chinesischen Zulieferern das Risiko in der Produktion seiner Geräte abzufedern. Angesichts der niedrigen Gewinnmargen der Zulieferer ist es für Apple einfacherer, die Investitionen für spezielle Produktionsanlagen, mit denen nur das eigene Produkt gefertigt werden kann, im Voraus zu zahlen, als den Zulieferern das Risiko des Baus aufzubürden.

Kein schlechtes Signal für Verkäufe

Die plötzliche Stagnation bei den Kapitalaufwendungen im kommenden Jahr 2013 bedeutet allerdings nicht, dass Apples Verkäufe an eine Wachstumsgrenze stoßen. Eine andere Zahl des Berichts offenbart, warum: Apple verspricht seinen Zulieferern bis Ende September Produkte und Komponenten im Wert von 21 Milliarden Dollar abzunehmen. Das ist eine deutlich höhere Zahl als die 14 Milliarden bis September vergangenen Jahres.

Warum die Kapitalausgaben 2013 niedriger sein werden, ist unklar. Möglicherweise liegt der Grund schlicht in den hohen Investitionen im laufenden Jahr. Vergangenes Jahr war dieses Budget 2 Milliarden höher als von Apple ursprünglich vorausgesagt.

Tatsächlich könnte das größere Problem für Apple in diesem Quartal nicht der Verkauf sondern der Bruttogewinn sein. Das iPhone 4S war gegenüber dem iPhone 4 größtenteils unverändert und lieferte eine besonders hohe Marge, weil Apple von zwei Jahren profitierte, in denen das Unternehmen die Komponentenkosten optimieren konnte, argumentiert Analyst Toni Sacconaghi von Bernstein Research.

Apples Marge ist gefährdet

Das Ende September eingeführte iPhone 5 ist ein komplett neues Gerät. Dass Apples Margen fallen werden, ist eine leichte Wette, wenn man sich dazu noch vor Augen hält, dass das Unternehmen gerade die Produktion eines völlig neuen Geräts – des iPad mini – hochfährt. Entgegen diesen Hinweisen erwarten Analysten aber immer noch 13,57 Dollar Gewinn pro Aktie für das aktuelle Quartal. Apple selbst prognostiziert einen Gewinn von 11,75 Dollar pro Aktie.

Ohne bessere Indizien gehen die Analysten also einfach davon aus, dass das Unternehmen wieder einmal tief stapelt. Die Anleger scheinen auf einer anderen Fährte: Der jüngste Verfall der Apple-Aktie – 18 Prozent Kursverlust seit dem Hoch im September – spricht dafür, dass die Investoren nach einer langen Zeit der Zuversicht zunehmend daran zweifeln, dass das Unternehmen seine Pläne übererfüllen wird.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Panorama

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 1. August

    Schlangenzauber in Indien, ein japanischer Ballzauberer in Brasilien, ein bissiger Apfel-Protest in Polen und eine Abkühlung in Südkorea. Das und noch mehr gilt es heute in unseren Bildern des Tages zu entdecken.

  • [image]

    Tiere – Die Geheimwaffe der Tech-Konzerne

    Viele Produkte von Tech-Firmen sind schwer verständlich für Laien. Die Unternehmen haben es darum oft nicht leicht, für sich zu werben. Etliche setzen auf Tiere, um ihre Marke bekannt zu machen. Wir stellen 30 von ihnen vor.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 31. Juli

    Wasser marsch: in Frankreich spielten Kinder am Donnerstag an Springbrunnen, in Deutschland strömten Urlauber ins Freibad und in Indien trotzten Anwohner einem Wolkenbruch. Das und mehr zeigen unsere Fotos des Tages.

  • [image]

    Die teuersten Hotelstädte Europas

    Paris, London, Berlin, Lissabon: Im Sommer locken Städte die Urlauber. Bei den Zimmerpreisen sind die Unterschiede groß. Wir zeigen, wo Touristen sich das Hotel leisten können - und in welchen Städten die saftigsten Preise fällig werden.

  • [image]

    Zu Besuch bei deutschen Start-ups

    Ständig wird über sie berichtet, ihre Dienste werden von Millionen genutzt: Deutsche Start-ups müssen sich vor der Konkurrenz aus den USA längst nicht mehr verstecken. Das zeigt auch ein Blick auf die Büros der jungen Firmen. Wir haben Onefootball, Eyeem, Wooga, Amorelie, Mymuesli, Researchgate und Outfittery in Berlin besucht.

  • [image]

    Die schlimmsten Stau-Städte der Welt

    Für alle deutschen Autofahrer im Stau gilt: Es geht noch schlimmer. Der Navigationsgeräte-Hersteller TomTom hat die Fahrzeiten in den Metropolen verglichen. Wir stellen die Stau-Hochburgen der Welt vor.

  • [image]

    Der neue Villen-Boom in Berlin

    „Arm, aber sexy" war gestern. Heute zeigt Berlin wieder Luxus. Besonders die Altbauvillen im Südwesten der Hauptstadt erleben derzeit eine neue Blütezeit.