• The Wall Street Journal

Schwache Nachfrage lastet auf Lanxess

    Von HEIDE OBERHAUSER-ASLAN
[image] dapd

Lanxess-Chef Axel Heitmann.

Kein Wachstum bei Lanxess : Der erfolgsverwöhnte Chemiekonzern kann den positiven Geschäftsverlauf aus dem ersten Halbjahr nicht fortsetzen. Die im zweiten Quartal noch robuste Nachfrage der wichtigen Kunden aus der Reifen- und Automobilindustrie ist mittlerweile eingebrochen. Mit dem starken Polster des ersten Halbjahres im Rücken hält der Konzern zwar an seiner Jahresprognose fest. Allerdings hält Lanxess jetzt nur noch den unteren Rand des Gewinnziels für erreichbar.

Die rückläufigen Absatzzahlen in der europäischen Automobil- und Reifenindustrie belasteten bei Lanxess die Nachfrage nach Synthesekautschuk und Hightech-Kunststoffen im Quartal. Mit Kunden aus der Automobil- und Reifenindustrie erzielt Lanxess insgesamt etwa 40 Prozent der Konzernerlöse. Zudem drückten rückläufige Preise auf das Ergebnis. Der Dax-Neuling musste daher für die Monate Juli bis September deutliche Umsatz- und Gewinneinbußen hinnehmen.

Auch im vierten Quartal sieht Lanxess kein Licht am Ende des Tunnels. Die Nachfrage aus der Reifenindustrie schätzt der Konzern weiter als schwach ein. Zudem erwartet er, dass sich die Schwäche in der Automobilindustrie in Europa fortsetzen wird. Für Nordamerika und China sieht er ein langsameres Wachstum. Auch für die europäische Bauindustrie erwartet der Konzern keine Erholung.

Mit der schwachen Geschäftsentwicklung liegt Lanxess im Branchentrend. Auch der niederländische Spezialchemiekonzern DSM, der ebenfalls Zahlen veröffentlichte, musste einen Gewinnrückgang ausweisen. Schon der weltgrößte Chemiekonzern BASF hatte unlängst über einen deutlichen Gewinnrückgang in allen Chemiesparten berichtet. Bei Bayer in Leverkusen läuft es ebenfalls in der Kunststoffsparte nicht rund. Zwar konnte der Teilkonzern Material Science auch dank höherer Absatzmengen und günstiger Währungseinflüsse den Umsatz im Quartal noch ausweiten, das operative Ergebnis landete aber unter dem Vorjahreswert.

Lichtblick bleibt bei Lanxess das starke Geschäft mit Agrochemikalien, das auch im vierten Quartal stabil eingeschätzt wird. Allerdings steuert dieses Geschäft nur etwa 5 bis 10 Prozent zu den Konzernerlösen bei. Die Schwäche des Geschäfts mit der Reifen- und Autoindustrie kann Lanxess damit nicht ausgleichen.

Auf die Krise will Deutschlands viertgrößter Chemiekonzern mit bewährten Maßnahmen wie flexiblem Anlagenmanagement und strikter Kostendisziplin reagieren, wie Lanxess-Chef Axel C. Heitmann sagte. An seiner Preis-vor-Menge-Strategie will Lanxess trotz der schwierigen Marktbedingungen festhalten. Auf Geschäfte, die keine auskömmlichen Preise liefern, will der Konzern wie bisher lieber verzichten. Die Rohstoff- und Energiepreise schätzt Lanxess im vierten Quartal stabil ein.

Im dritten Quartal ging der Konzernumsatz um 8 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro zurück. Das bereinigte operative Ergebnis (EBITDA) rutschte um 18 Prozent auf 255 Millionen Euro ab. Neben Absatzeinbußen belasteten den operativen Gewinn Aufwendungen für geplante Wartungsarbeiten. Nach Steuern und Anteilen anderer Gesellschafter verdiente der Konzern mit 94 Millionen Euro sogar 39 Prozent weniger als in der entsprechenden Vorjahresperiode, was zum Teil auch einem niedrigeren Finanzergebnis geschuldet war. Die Zahlen lagen noch leicht unter den ohnehin bescheidenen Analystenerwartungen.

Das Unternehmen bekräftigte für das Gesamtjahr seine Ergebnisprognose, die nun allerdings nur das untere Ende der angepeilten Spanne erreichen soll. Bislang war ein Anstieg des bereinigten operativen Gewinns in einer Bandbreite von 5 bis 10 Prozent erwartet worden, nach 1,15 Milliarden Euro im Vorjahr.

Kontakt zum Autor: heide.oberhauser@dowjones.com

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