• The Wall Street Journal

Lufthansa will trotz Gewinn noch härter sparen

    Von KIRSTEN BIËNK
Mario Vedder/dapd

Bei Europas Fluggesellschaften zeigt sich ein erster Lichtstreif am Horizont. Trotz hoher Kerosinkosten flogen die Deutsche Lufthansa und Air France-KLM zumindest in der Hauptferienzeit gute Ergebnisse ein. Doch während die Börse die unerwartet guten Zahlen noch euphorisch feiert, quälen Deutschlands Vorzeigeairline immer stärker die Probleme im Kerngeschäft. Die Beförderung der Passagiere ist einfach zu teuer, es bleibt zu wenig Geld in der Kasse. Die Zeit drängt, Lufthansa sieht bereits die Zukunft des Unternehmens gefährdet - und will nun noch mehr sparen.

Die Lufthansa steigerte zwar im dritten Quartal ihren Gewinn, was aber vor allem an Sonderfaktoren liegt. Zum einen fehlen die Verluste der inzwischen verkauften Tochter BMI, die das Vorjahresergebnis noch belastet hatten. Zum anderen zogen Bewertungseffekte bei Treibstoffsicherungsgeschäften den Gewinn in die Höhe.

Zwar verbesserte auch das Passagiergeschäft der Lufthansa sein operatives Ergebnis. Dies gelang aber nur durch eine Reduzierung des Angebotes. Die Auslastung stieg und steigerte die Durchschnittserlöse pro Passagier. Allerdings ist das dritte Quartal auch die Haupturlaubszeit, in der die meisten Menschen reisen. Die hohen Treibstoffkosten fraßen zudem einen Großteil der Gewinne wieder auf.

Rosige Zeiten sind nicht in Sicht

Wie schwer die hohen Kerosinkosten auf den Flügeln des Kranichs lasten, zeigt der Vergleich mit den Vorjahren. Die Lufthansa verdiente 2012 in dieser größten und wichtigsten Sparte überhaupt erst nach neun Monaten den ersten Cent. In den Vorjahren war die Gewinnschwelle schon einige Monate zuvor überschritten worden.

Die Gewinnmarge ist im laufenden Jahr auf ein so geringes Niveau gesunken, dass der Vorstand rot sieht: Wenn weiterhin so wenig Geld übrig bleibt, sieht sie sogar die Zukunft des Unternehmens gefährdet. „Wir zehren von unserer Substanz", warnte Finanzvorstand Simone Menne.

Eine Entspannung der schwierigen Lage ist kurzfristig nicht in Sicht. Bis Ende Dezember seien die Buchungen rückläufig, auch im Premiumbereich, in dem Lufthansa mehr Geld verdient als bei günstigeren Tickets. Schuld daran sind auch die konjunkturellen Sorgen, die Privat- und Geschäftsleute vom Reisen abhalten.

Beim Transport von Waren sieht es nicht besser aus. Die Lufthansa rechnet frühestens Mitte nächsten Jahres mit einer steigenden Nachfrage. Bis dahin muss die Frachttochter ihr Angebot weiter eindampfen und weniger Maschinen starten und landen lassen. Die Vorzeichen sind also auch hier alles andere als rosig.

Angesichts dieser Situation will die Airline ihren Sparkurs verschärfen. Denn viele der bereits eingeleiteten Maßnahmen zeigen im laufenden Jahr noch keine Wirkung. Alarmierend ist, dass sich gerade im Passagiergeschäft die bereits angestoßenen Veränderungen noch nicht auswirken. Es gibt zwar kleine Erfolge, die laut Vorstand im laufenden Jahr mehr als 280 Millionen Euro bringen. Der Löwenanteil des Erfolgs soll sich aber erst gegen Ende des Planungszeitraums zeigen. Nun will Lufthansa-Chef Christoph Franz das Tempo erhöhen. Konkrete Pläne stellte er jedoch nicht vor.

Viele Leidensgenossen

Der einzige Trost für die Lufthansa zeigt sich jenseits der Grenze. Mitbewerberin Air France schlägt sich mit den gleichen widrigen Rahmenbedingungen herum, leidet unter hohen Ölpreisen und will bis zu 5.000 Stellen abbauen. Harte Einschnitte im Passagiergeschäft ließen aber auch hier ein gutes Drittquartalsergebnis zu. Die Lufthansa hatte im Zuge ihres Sparprogramms ebenfalls schon einen Stellenabbau angekündigt. 3.500 Jobs sollten im Verwaltungsbereich wegfallen. Ob weitere Stellen auf der Kippe stehen, ist ungewiss.

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Die Deutsche Lufthansa hat mit unerwartet guten Drittquartalszahlen alle Beobachter überrascht.Der unerwartet hohe Gewinn kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es im Kerngeschäft der Fluggesellschaft weiter hakt.

Die beiden größten Fluggesellschaften des Kontinents haben viele Leidensgenossen. Airlines in ganz Europa plagen sich seit vielen Monaten mit extrem hohen Kerosinkosten. Dazu kommt der Wettbewerb durch Billigflieger und die Fluglinien vom Golf. Die Euro-Schuldenkrise verschärft die Situation noch. Die International Airlines Group ist davon beispielsweise besonders betroffen. Ihre spanische Tochter Iberia bekommt die schlechte Lage auf ihrem Heimatmarkt zu spüren, während sich die andere Tochter British Airways etwas besser im Markt behaupten kann.

An der Börse kamen die Quartalsberichte von Lufthansa und Air France zumindest gut an. Die Aktie von Lufthansa klettert um knapp 7 Prozent, das Papier von Air France sogar um fast 9 Prozent. Investoren hatten für das dritte Quartal schlimmeres erwartet. Der Kurssprung der Aktien dürfte aber nur kurz die grundlegenden Probleme der Branche in den Hintergrund stellen.

Kontakt zum Autor: kirsten.bienk@dowjones.com

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