• The Wall Street Journal

New Yorks Bürgermeister will Obama-Sieg

    Von MICHAEL HOWARD SAUL
ASSOCIATED PRESS

Der New Yorker Bürgermeister Micheal Bloomberg (r) empfiehlt US-Präsident Barack Obama zur Wiederwahl.

Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg, Ex-Parteimitglied der Republikaner und ehemaliger Fan von George W. Bush, hat sich nach der Sturmkatastrophe öffentlich hinter Barack Obama gestellt. Der US-Präsident verdiene es, wegen seiner Ansichten zum Klimawandel, zur Abtreibung und zur gleichgeschlechtlichen Ehe in der nächsten Woche wiedergewählt zu werden, findet Bloomberg.

Vor acht Jahren hatte er sich noch offen hinter den Konservativen George W. Bush gestellt. Bei der letzten Wahl im Jahr 2008 wollte er nicht verraten, wer seine Stimme bekam.

In einem von der Nachrichtenagentur Bloomberg News veröffentlichten Artikel schreibt Bloomberg jetzt aber, der Wirbelsturm Sandy hätte deutlich gemacht, was bei der Präsidentschaftswahl in den USA auf dem Spiel stehe: „Einer hält den Klimawandel für das dringlichste Problem, das unseren Planeten bedroht; einer tut es nicht. Ich will, dass unser Präsident wissenschaftliche Belege und Risikomanagement über die Wahlpolitik stellt."

Obama habe sich in den vergangenen vier Jahren unter anderem stark dafür eingesetzt, den CO2-Verbrauch zu senken und Kohlekraftwerke sauberer zu machen. Außerdem habe er Umweltauflagen für Fahrzeuge erhöht, schreibt Bloomberg.

Der Republikaner Mitt Romney dagegen hätte zwar als Gouverneur von Massachusetts gegen den Klimawandel gekämpft, aber seitdem hätte er „die Richtung geändert", schreibt Bloomberg. „Das Thema ist zu wichtig. Wir brauchen eine entschlossene Führung auf nationaler Ebene, um die Nation und die Welt voranzubewegen."

Er beschreibt Romney in seinem Kommentar als „guten und anständigen Mann", der „wertvolle Geschäftserfahrung" ins Weiße Haus bringen würde. Aber Romney hätte viele „vernünftige Ansichten" zur Einwanderung, zu illegalem Waffenbesitz, zu Abtreibungsrechten und zur Gesundheitsfürsorge über den Haufen geworfen. In den vergangenen vier Jahren hätte er Romneys Politik nur noch „enttäuschend" gefunden, schreibt Bloomberg.

Auch an Obamas Politik übt der Bürgermeister Kritik. Dieser hätte „wenig Zeit und Mühe" darauf verschwendet, den Zusammenhalt der gemäßigten Politiker zu fördern und verfechte eine „populistische Agenda", die sich stärker auf die Umverteilung als auf die Schaffung von Einkommen konzentriert. Zudem mache Obama wenig Hoffnung, dass es in Fragen des illegalen Waffenbesitzes, der Einwanderung, der Steuerreform, der Schuldensenkung und des Jobwachstums Fortschritte geben werde.

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Trotzdem hält er Obama für den besseren Kandidaten und begründet dies mit dessen Ansichten zur Abtreibung. Obama wolle das Recht der Frau, in dieser Frage selbst entscheiden zu dürfen, für zukünftige Generationen schützen; Romney wolle dies nicht. Und Obama halte die Schwulenehe für im Einklang mit der amerikanischen Freiheitsbewegung, während Romney die gleichgeschlechtliche Ehe ablehne. „Ich will, dass unser Präsident auf der richtigen Seite der Geschichte ist", schreibt Bloomberg.

Seine eigenen parteipolitischen Überzeugungen wechselten mit seinen Ambitionen. Sein Leben lang war Bloomberg Anhänger der US-Demokraten. Er trat aber 2001 den Republikanern bei, als er sich erstmals bei den Stadtratswahlen in New York aufstellen ließ.

Im Jahr 2007 stieg Bloomberg wieder aus der Partei der Republikaner aus – er liebäugelte damals damit, bei der Präsidentschaftswahl anzutreten. Seitdem regiert er die bevölkerungsreichste Stadt der USA als parteiunabhängiger Politiker. Nach 12 Jahren als Stadtoberhaupt wird er im nächsten Jahr das Amt niederlegen.

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