• The Wall Street Journal

David Plouffe – Obamas Königsmacher spielt mit hohem Einsatz

    Von CAROL E. LEE

Wenn Amerika am kommenden Dienstag zur Wahl geht, hat außer Barack Obama kaum jemand so viel zu verlieren wie sein Berater David Plouffe, wenn der Republikaner Mitt Romney gewinnen sollte.

Plouffes einzige Aufgabe ist es, dem US-Präsidenten eine zweite Amtszeit zu sichern. Während der vergangenen zwei Jahre habe er auf fast alle Entscheidungen, die die Wahl kommende Woche beeinflussen könnten, einen Einfluss gehabt, berichten Mitarbeiter im Weißen Haus sowie Außenstehende.

Reuters/Jason Reed

Barack Obama verlässt sich in seinem Wahlkampf voll und ganz auf David Plouffe (links).

Der extrem ehrgeizige Plouffe hatte für Obama vergangene Woche eine Blitztour durch acht Staaten innerhalb von 48 Stunden organisiert. Dabei erschien er vor tausenden Unterstützern aus der Air Force One, hatte einen Auftritt in der „Tonight Show" mit Jay Leno und verbrachte die Nacht im Flieger von Las Vegas nach Tampa.

Seinem Berater hat Obama die Strategie zu verdanken, sich auf die Mittelschicht zu konzentrieren und schon früh Romneys politische Agenda anzugreifen. Damit konnte er schon vor einiger Zeit einen Vorsprung in den Umfragen aufbauen. Plouffe hat Obama auch 2008 geholfen, als er sich in den Vorwahlen gegen Hillary Clinton behaupten konnte.

Doch dieser Wahlkampf läuft nicht ganz so glatt wie der vor vier Jahren. Plouffe gehörte zu denen, die Obama dazu rieten, Romney beim ersten TV-Duell nicht aggressiv anzugreifen, berichten mit der Angelegenheit vertraute Personen. Er hatte auch nicht vorhergesehen, dass Romney die Veranstaltung dazu nutzen würde, um weiter in die politische Mitte zu rücken. Das alles kostete Obama einen Teil seines Vorsprungs in den Umfragen.

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Nach dem TV-Duell lenkte er die Reaktionen auf die Vorstellung. „Wir müssen den Menschen klarmachen, dass das nicht der echte Mitt Romney ist", bläute Plouffe anderen Beratern ein.

Wenn politische Strategen erfolgreich sind, sind ihre Fehler wie vergessen. Verfehlen sie ihr Ziel jedoch, werden ihre Fehler umso wichtiger. „Wenn der Präsident gewinnt, wird das vor allem auch Davids Weitsichtigkeit zu verdanken sein", sagt Bill Carrick, ein demokratischer Stratege, der bereits mit Plouffe zusammengearbeitet hat. Plouffe selbst wollte sich für diesen Artikel nicht äußern.

Interaktiv: Die Kandidaten im Vergleich

Karl Rove, der maßgeblich an den Wahlsiegen von George W. Bush in den Jahren 2000 und 2004 beteiligt war und oft mit Plouffe verglichen wird, nennt seinen Kollegen „taktisch sehr gut". Doch er kritisiert den unablässigen Wahlkampf des Präsidenten während der vergangenen 18 Monate. Das habe ihn davon abgehalten, zu regieren. „Strategisch weiß ich nicht, wie schlau es ist, den Präsidenten 18 Monate lang ständig auf Wahlkampfveranstaltungen erscheinen zu lassen", sagt er.

An Plouffes Einfluss zweifelt niemand. „Keine wichtige Entscheidung wird getroffen, ohne dass Plouffe sich dazu geäußert hat", sagt Robert Gibbs, ein langjähriger Berater von Obama.

Beobachter im Hintergrund

Der 45-jährige Plouffe (gesprochen: ‚Plaff') arbeitet seit über 20 Jahren in der Politik und lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Washington. Seine Arbeit im Weißen Haus nahm er vor 22 Monaten auf und wird den Posten wahrscheinlich nach der Wahl wieder verlassen.

Plouffe übernahm die Kontrolle über alles, was mit Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit zu tun hatte, berichten derzeitige und ehemalige Mitarbeiter im Weißen Haus. Auch interne Umfragen und Studien von Fokusgruppen liefen über ihn. „Er hatte alles genau im Blick", sagt Jared Bernstein, ehemals wirtschaftlicher Berater von Vizepräsident Joe Biden.

Im Frühjahr 2011 begann Plouffe, die Basis für Obamas Wahlkampfpositionen zu wirtschaftlicher Fairness und der Mittelschicht zu schaffen. „Es war ihm sehr wichtig, dass die Menschen verstehen würden, wie die Gesundheitsreform, die Finanzmarktreform und alles andere, was wir tun, für das Wohlergehen der Mittelschicht wichtig sind", sagt Bernstein.

Im September entwarf Plouffe zusammen mit dem Präsidenten ein Arbeitsmarktgesetz, das niemals die Zustimmung des Kongresses bekommen würde, sagen mit dem Plan vertraute Personen. Sinn der Sache war, die Republikaner als Blockierer darzustellen. Plouffe entschied auch, Romney den Mangel eines „Kerns" vorzuwerfen und ihn so als Opportunisten darzustellen.

Bei vielen von Obamas Reden steht Plouffe im Hintergrund und beobachtet den Präsidenten. Er bombardiert andere Berater mit „Plouffe-Notizen", wie er sie nennt – E-Mails mit Ideen, Plänen und Dingen, die er gelesen hat.

Der Präsident hat ein enges Verhältnis zu seinem Berater, doch Freunde sind sie nicht. Während Flügen mit der Air Force One vertreiben sie sich nicht gemeinsam mit einem Spiel auf dem iPad die Zeit. „Er freut sich über Plouffe, aber es ist eher so, wie wenn man einen Anwalt oder einen Buchhalter hat, dem man wirklich vertraut", sagt ein ehemaliger hochrangiger Mitarbeiter des Weißen Hauses.

—Mitarbeit: Peter Nicholas

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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