• The Wall Street Journal

Präsidentschafts-Duell bestimmt die Börsen

    Von MANUEL PRIEGO-THIMMEL
Reuters/Larry Downing

Wer steht künftig hinter dem präsidialen Pult? Anleger würden dort wohl lieber Mitt Romney sehen.

Die kommende Börsenwoche kennt nur ein Thema: Das Duell zwischen Barack Obama und Mitt Romney. Meinungsumfragen sagen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem amtierenden Präsidenten und dem Herausforderer voraus. Die meisten Beobachter schätzen die Siegchancen Obamas aber klar besser ein. Eine Wiederwahl des Amtsinhabers würde vermutlich keine größeren Bewegungen an den Börsen auslösen, auch weil dieses Szenario weitestgehend eingepreist ist.

Glaubt man Intrade, sind die US-Wahlen ohnehin schon gelaufen. Auf der viel beachteten Internet-Börsenplattform wird die Wahrscheinlichkeit, dass Obama auch nach dem 6. November im Oval Office sitzt, mit fast zwei Drittel angegeben. Ein Obama-Sieg käme für die Börsen also nicht unerwartet und dürfte die Anleger auch nicht aus der Reserve locken. Wäre da nicht die drohende Fiskalklippe in den USA Ende des Jahres. Dann laufen nämlich Steuererleichterungen aus der Ära Bush aus. Zugleich treten automatische Ausgabenkürzungen in Kraft.

Hier geht's zum

[image]

Ohne Kompromiss im Kongress droht den USA im kommenden Jahr der Rückfall in die Rezession. Und hier liegt der Hund begraben. Denn ein wiedergewählter Präsident Obama wird aller Wahrscheinlichkeit einem von den Republikanern kontrolliertem Repräsentantenhaus gegenüber stehen. Die politische Eiszeit in Washington wird also vermutlich auch nach den Wahlen weitergehen. Die wenigsten Börsianer glauben zwar, dass die Politik die US-Wirtschaft gegen die Wand fahren lässt. Die Konsensmeinung ist, dass die Verhandlungen um sechs bis zwölf Monate hinausgeschoben werden.

Kaum Impulse von der EZB

Allerdings könnte es wieder knapp werden mit einer Einigung in letzter Minute, wie beim Drama um die Anhebung der Schuldenobergrenze im August vergangenen Jahres gesehen. Unsicherheit passt den Investoren aber gar nicht. Die Volatilität an den Märkten dürfte in den kommenden Wochen also wieder steigen, auch wegen der Angst weiterer Abstufungen der US-Bonität durch Standard & Poor's. Die Ratingagentur war über den mangelnden Willen der Politiker, die langfristigen Fiskalprobleme anzugehen, so erzürnt, dass sie den USA das Top-Rating entzogen.

Kein Wunder, dass ein Sieg Romneys an den Aktienmärkten deutlich freundlicher ankäme. Und das nicht nur, weil ein Kompromiss bei der Fiskalklippe leichter fiele. Die Börsianer ziehen grundsätzlich eine Politik niedrigerer Steuern und laxerer Regulierung unter Romney vor. Das legt auch das hohe Spendenaufkommen an der Wall Street an den Herausforderer nahe. Tatsächlich wäre vermutlich der Bankensektor Hauptprofiteur eines Romney-Sieges. Aber auch die traditionell den Republikanern nahestehenden Branchen Verteidigung und Energie sollten profitieren.

Kaum Impulse für die Märkte dürften hingegen von der Sitzung der Europäischen Zentralbank am kommenden Donnerstag ausgehen. Trotz der sich weiter eingetrübten Wirtschaftsdaten wird die Zentralbank kaum die Leitzinsen senken. Präsident Mario Draghi wird vor der Bekanntgabe neuer Maßnahmen zunächst die Wirkung des noch inaktiven neuen Anleihekaufprogramms OMT abwarten. Hauptkandidat für die Inanspruchnahme ist Spanien. Das Land macht derzeit aber wegen der damit verbundenen Auflagen keine Anstalten für einen Hilfsantrag in Brüssel.

Wichtiger könnte da schon Griechenland werden. Am kommenden Mittwoch stimmt das Parlament über das mit der Troika vereinbarte Strukturprogramm ab. Rein rechnerisch verfügt die Regierung Samaras über ausreichend Stimmen, um das Paket durchzuwinken. Die Zahl der Abweichler steigt aber - und damit die Gefahr unangenehmer Überraschungen für die Märkte. Ohne Ratifizierung des Pakets wird die Troika die Mitte November fällige nächste Hilfstranche nicht auszahlen können. Die Folge wäre die Pleite des Landes und neue Ansteckungsgefahren in den Rest der Eurozone.

Kontakt zum Autor: manuel.priego-thimmel@dowjones.com

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Fußball-WM

  • [image]

    Panini-Sticker: Höhepunkte aus 40 Jahren

    Zur Weltmeisterschaft im eigenen Land kamen 1974 die ersten Panini-Klebebilder in Deutschland auf den Markt, inzwischen haben sie Kultstatus. Ein Rückblick auf 40 Jahre Fußballgeschichte.

  • [image]

    Australische Villa im Zeichen des Drachens

    Feurig kommt dieses Luxusanwesen im australischen Melbourne daher: Auf dem Dach wacht ein mächtiger Terrakotta-Drache und im Haus lodern dutzende Kaminfeuer. Die Ausstattung mit Tennisplatz, Pool und ausgiebigen Ländereien lässt es jedem Australien-Fan warm ums Herz werden.

  • [image]

    Alt, neu, kurios und nicht chancenlos – Parteien zur Europawahl

    In Deutschland sind 25 Parteien zur Europawahl zugelassen. Neben den etablierten Bundestagsparteien können sich die Wähler für eine Menge kurioser Alternativen entscheiden – von der Christlichen Mitte bis zur Bayernpartei. Da die 3-Prozent-Hürde gefallen ist, haben die Kleinen sogar eine Chance.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 15. April

    Wilde Tulpen in Afghanistan, Wasserfontänen in China, der Vollmond über Schanghai und Ordensbrüder mit wunden Füßen in Spanien. Das und mehr zeigen unsere Fotos des Tages.

  • [image]

    Die furchterregendste Gondelfahrt der Welt

    Was Besuchern den Angstschweiß auf die Stirn treibt, ist für die Einwohner der georgischen Stadt Tschiatura Alltag. Die Seilbahnen aus der Stalin-Zeit an den Hängen des Kaukasus fahren trotz Rost noch immer.

  • [image]

    Diese Länder sind die Wachstums-Stars

    Die Weltwirtschaft gewinnt weiter an Schwung. Wachstums-Impulse kommen aus den Industrieländern, auch aus Europa. Die höchsten Wachstumsraten sitzen aber woanders. Wir zeigen Ihnen, wo die Wirtschaft am stärksten boomt.

  • [image]

    Wie sich die Nasdaq seit dem Tech-Crash verändert hat

    Vor gut 14 Jahren begann in den USA die Tech-Blase zu platzen. Jetzt bewegt sich der Nasdaq Composite wieder auf dem Niveau von damals. Ist das ein Grund zur Sorge? Wir zeigen, was sich seitdem an der Nasdaq verändert hat und was das für Anleger heute bedeutet.

  • [image]

    Die bestverdienenden Bankenchefs der Welt

    Das vergangene Jahr hat sich für die Chefs der internationalen Großbanken wieder gelohnt. Doch auch in der Liga der Großverdiener gibt es deutliche Klassenunterschiede. Wir haben aufgelistet, wer wie viel erhalten hat.