• The Wall Street Journal

Ist das Kanzlergehalt zu niedrig?

    Von DAPD

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück handelt sich mit seinen Gehaltsvorstellungen viel Kritik ein. "Nahezu jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen verdient mehr als die Kanzlerin", hatte der Ex-Finanzminister geklagt. Für seine Beschwerde erntete der 65-Jährige hauptsächlich Spott. Doch manche Parteikollegen unterstützten die Forderung auch.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach sagte der Düsseldorfer "Rheinischen Post": "Steinbrück hat in der Sache natürlich Recht: In Anbetracht der Größe des Landes ist das Gehalt der Kanzlerin zu gering."

Steinbrück hatte kritisiert, die Bundeskanzlerin verdiene weniger als die meisten Sparkassendirektoren in Nordrhein-Westfalen. Das Monatsgehalt von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beträgt 16.085,91 Euro. Hinzu kommt eine steuerfreie Aufwandsentschädigung von gut 1.000 Euro.

Lauterbach bezeichnete die Debatte über Steinbrücks Äußerungen als Heuchelei, die dem Kandidaten aber nicht schaden werde. "Jeder weiß, dass die Kanzler verglichen mit den Top-Managern zu wenig verdienen", sagte er.

Der Vorsitzende der NRW-Landesgruppe der SPD-Abgeordneten im Bundestag, Axel Schäfer, sagte der Zeitung: "Die sachliche Einschätzung Steinbrücks wird von allen in der Politik geteilt."

Der Sprecher der Parlamentarischen Linken in der SPD-Bundestagsfraktion, Ernst Dieter Rossmann, sagte dagegen der Berliner Zeitung laut Vorabbericht: "Ökonomische Markt-Wahrheiten sind ein schlechter Maßstab für politische Werte." Steinbrück habe jedoch damit Recht, dass "sogenannte Spitzenkräfte in der Wirtschaft eindeutig zu hoch bezahlt werden - bis hin zur Obszönität".

Grünen-Chefin Claudia Roth fand die Gehaltsvorstellung ihres möglichen Koalitionspartners unpassend. "Unser Land hat drängende Probleme, die es anzupacken gilt. Die Frage des Gehalts der Kanzlerin gehört sicher nicht dazu", sagte sie der "Süddeutschen Zeitung". Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion Volker Beck, sagte dem Blatt, bei der Wahl gehe es nicht um das Gehalt der Kanzlerin, sondern um deren Politik.

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