• The Wall Street Journal

Fiskal-Deal bedeutet weiteres langsames Wachstum

    Von SUDEEP REDDY

WASHINGTON – Was bedeutet die Einigung im Haushaltsstreit vom Montag? Das Wirtschaftswachstum dürfte weiter zäh bleiben - aber eine Rezession ist unwahrscheinlich.

Der Kompromiss zwischen dem Weißen Haus und den Republikanern im Senat würde die plötzlichen Ausgabenkürzungen und den größten Teil der Steuererhöhungen vermeiden, die Ängste vor einer Rezession in diesem Jahr ausgelöst hatten. Aber einige dennoch kommende Belastungen und für das Frühjahr vorbestimmte erneute Kämpfe um den Haushalt werden das Wachstum im nächsten Jahr drücken.

Zudem kann die Einigung noch im Repräsentantenhaus scheitern, wo die republikanischen Abgeordneten vor kurzem bereits einen weniger weitgehenden Vorschlag ihres Sprechers John Boehner abblitzen ließen. Aber falls er in Kraft tritt, blieben für 99 Prozent der US-Haushalte die derzeitigen Einkommenssätze bestehen. Damit wäre ihnen die bisherige Ungewissheit genommen, die zuletzt ihre Zuversicht untergraben hat, und die Mittelklassefamilien könnten sich auch bei Dividenden und anderen Steuern auf stabile Sätze einstellen.

Getty Images

Der US-Vizepräsident Joe Biden verlässt am 31. Dezember den Raum, in dem er demokratische Senatoren von der Unterstützung eines Kompromisses mit den Republikanern im Repräsentantenhaus überzeugt hat. Der Haushaltsstreit ist damit aber alles andere als beigelegt.

Nur für die Haushalte mit mehr als 450.000 US-Dollar Einkommen erhöhte sich der Steuersatz von 35 auf 39,6 Prozent. Das würde die US-Konjunktur 2013 aber nur wenig belasten.

Bedeutsamer sind dagegen die nun wieder höheren Beiträge für die Sozialversicherung. Diese waren für die vergangenen zwei Jahre von 6,2 auf 4,2 Prozent gesenkt worden, aber diese Maßnahme wird mit dem Kompromiss nicht verlängert. Sie steigt deshalb wieder um zwei Prozentpunkte und mindert das Einkommen einer amerikanischen Durchschnittsfamilie um ca. 1.000 Dollar. Für einen Angestellten mit einem Gehalt an der Bemessungsgrenze von derzeit gut 110.000 Dollar steigt die zusätzliche Belastung in diesem Jahr sogar um 2.200 Dollar.

US-Wirtschaft wächst 0,5 Prozent langsamer

Letztlich würde also für die Angestellten trotz der verlängerten Steuersenkungen die Gesamtbelastung steigen – und zwar für die meisten Haushalte auf den höchsten Stand seit 2008. Insgesamt beliefen sich die zusätzlichen Abgabenbelastungen laut J.P. Morgan Chase auf 125 Milliarden Dollar im Jahr. Das sind rund 0,8 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung. Vielen Analysten zufolge würde dies das Wachstum der USA um einen halben Prozentpunkt mindern – nicht wenig für eine Wirtschaft, die derzeit jährlich um zwei Prozent wächst.

Lewis Alexander, Volkswirt bei Nomura, ist deshalb mit Blick auf die Konjunktur im ersten Halbjahr skeptisch. „Wir rechnen in Reaktion auf die kommenden Belastungen und die weiter bevorstehenden Haushaltsdiskussionen weiter mit einem deutlichen Abschwung zu Jahresbeginn", sagt er. Ihm zufolge wird der Kompromiss vom Montag "nur kurzfristig positiv sein".

Mit dem Deal würden neben den geminderten Steuersätzen auch die nach der Finanzkrise verlängerte Bezugsdauer von Arbeitslosenunterstützung erneut um ein Jahr verlängert. Eigentlich wäre diese zum Jahreswechsel für zwei Millionen arbeitslose Amerikaner ausgelaufen.

Weitere Haushaltsdiskussionen vorprogrammiert

Zudem würden die automatischen Ausgabenkürzungen über insgesamt 110 Milliarden Dollar, die zum 1. Januar in Kraft getreten wären, um zwei Monate hinausgeschoben. Nach dieser Zeit dürfte auch die aktuell geltende Schuldengrenze von 16,4 Billionen Dollar endgültig erreicht sein, so dass der nächste große Kampf zwischen Demokraten und Republikanern bereits vorprogrammiert ist.

Diese Männer führten die USA an den finanziellen Abgrund

Eigentlich wurde die Schuldengrenze schon am vergangenen Montag erreicht, aber durch interne Haushaltsverschiebungen lässt sich noch eine Gnadenfrist von etwa zwei Monaten herausholen. Aber Anfang März muss die Grenze vom Kongress wieder erhöht werden, ansonsten könnte der Staat ab diesem Zeitpunkt seine Angestellten und Rechnungen wohl nicht mehr bezahlen.

Viele Analysten glauben, dass die Anleger, die Unternehmen und die Konsumenten weiter abwarten werden, weil die Unsicherheit über das, was in Washington geschehen wird, bestehen bleibt. Das Verbrauchervertrauen und die Zuversicht der Unternehmen waren in den vergangenen Wochen und Monaten wegen der scheinbar ergebnislosen Verhandlungen bereits abgestürzt.

"Der Vertrauensverlust hat äußerst negative Konsequenzen für die Wirtschaft", sagt Sung Won Sohn, Volkswirt an der California State University Channel Islands. „Die Unternehmen sind sehr zurückhaltend was Neueinstellungen und Investitionen in die Betriebe und die Ausrüstung angeht. Und auch die Konsumenten öffnen nur widerwillig ihre Portemonnaies".

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Haus der Woche

  • [image]

    Australische Villa im Zeichen des Drachens

    Feurig kommt dieses Luxusanwesen im australischen Melbourne daher: Auf dem Dach wacht ein mächtiger Terrakotta-Drache und im Haus lodern Dutzende Kaminfeuer. Die Ausstattung mit Tennisplatz, Pool und ausgiebigen Ländereien lässt es jedem Australien-Fan warm ums Herz werden.

  • [image]

    Panini-Sticker: Höhepunkte aus 40 Jahren

    Zur Weltmeisterschaft im eigenen Land kamen 1974 die ersten Panini-Klebebilder in Deutschland auf den Markt, inzwischen haben sie Kultstatus. Ein Rückblick auf 40 Jahre Fußballgeschichte.

  • [image]

    Alt, neu, kurios und nicht chancenlos – Parteien zur Europawahl

    In Deutschland sind 25 Parteien zur Europawahl zugelassen. Neben den etablierten Bundestagsparteien können sich die Wähler für eine Menge kurioser Alternativen entscheiden – von der Christlichen Mitte bis zur Bayernpartei. Da die 3-Prozent-Hürde gefallen ist, haben die Kleinen sogar eine Chance.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 15. April

    Wilde Tulpen in Afghanistan, Wasserfontänen in China, der Vollmond über Schanghai und Ordensbrüder mit wunden Füßen in Spanien. Das und mehr zeigen unsere Fotos des Tages.

  • [image]

    Die furchterregendste Gondelfahrt der Welt

    Was Besuchern den Angstschweiß auf die Stirn treibt, ist für die Einwohner der georgischen Stadt Tschiatura Alltag. Die Seilbahnen aus der Stalin-Zeit an den Hängen des Kaukasus fahren trotz Rost noch immer.

  • [image]

    Diese Länder sind die Wachstums-Stars

    Die Weltwirtschaft gewinnt weiter an Schwung. Wachstums-Impulse kommen aus den Industrieländern, auch aus Europa. Die höchsten Wachstumsraten sitzen aber woanders. Wir zeigen Ihnen, wo die Wirtschaft am stärksten boomt.

  • [image]

    Wie sich die Nasdaq seit dem Tech-Crash verändert hat

    Vor gut 14 Jahren begann in den USA die Tech-Blase zu platzen. Jetzt bewegt sich der Nasdaq Composite wieder auf dem Niveau von damals. Ist das ein Grund zur Sorge? Wir zeigen, was sich seitdem an der Nasdaq verändert hat und was das für Anleger heute bedeutet.

  • [image]

    Die bestverdienenden Bankenchefs der Welt

    Das vergangene Jahr hat sich für die Chefs der internationalen Großbanken wieder gelohnt. Doch auch in der Liga der Großverdiener gibt es deutliche Klassenunterschiede. Wir haben aufgelistet, wer wie viel erhalten hat.

Erwähnte Unternehmen