• The Wall Street Journal

Neue schwere Kämpfe in Syrien

    Von dapd
Reuters

Eine zerstörte Moschee in Daraya in der Nähe von Damaskus, die laut Rebellen von der syrischen Luftwaffe zerstört wurde. Auch am Neujahrstag gab es wieder heftige Kämpfe in dem vom Bürgerkrieg zerrissenen Land.

Das Jahr 2013 hat in Syrien mit neuer Gewalt begonnen. Aufständische und Regierungstruppen lieferten sich Berichten zufolge am Dienstag schwere Gefechte in den Außenbezirken der Hauptstadt Damaskus und nahe der Metropole Aleppo. Die Streitkräfte hätten "Dutzende Terroristen" im Damaszener Viertel Daraja und dessen Umgebung getötet, meldete die staatliche Nachrichtenagentur SANA. Die Regierung in Damaskus bezeichnet die Rebellen üblicherweise als Terroristen.

Regierungskritische Aktivisten berichteten unterdessen von schweren Gewalttaten in Damaskus. Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete, in Damaskus seien am Montag Dutzende Leichen gefunden worden. "30 Leichen wurden in dem Bezirk Barse entdeckt", zitierte der arabische Fernsehsender Al Dschasira die Aktivisten auf seiner Internetseite. "Sie tragen Folterspuren und wurden bislang nicht identifiziert."

Zuvor war dem Bericht zufolge im Internet ein Video aufgetaucht, das zeigen sollte, wie in dem Damaszener Stadtteil Dschobar drei Kindern die Kehlen durchgeschnitten werden. Wegen der Medienblockade der syrischen Regierung konnte die Authentizität der Aufnahme nicht unabhängig überprüft werden.

Flughafen von Aleppo wegen schwerer Gefechte gesperrt

Am Dienstag flog die Luftwaffen nach Angaben der Beobachtungsstelle für Menschenrechte schwere Angriffe auf Daraja. Die Kämpfe seien ein Zeichen dafür, dass die Rebellen im Hauptstadtgebiet gegenüber den Truppen von Präsident Baschar al Assad weiter Boden gut gemacht hätten.

Wegen der Gefechte um den Stützpunkt der Brigade 80 nahe dem Flughafen von Aleppo sei der Airport am Montag geschlossen worden, teilte die Beobachtungsstelle mit. Zuvor hatten die Rebellen gedroht, sowohl zivile als auch militärische Maschinen anzugreifen, die Aleppo anfliegen. Sie warfen der Regierung vor, Waffen auch in Zivilflugzeugen ins Land zu bringen.

Bereits am Montag hatten die Aufständischen staatlichen Medienberichten zufolge im ölreichen Osten des Landes eine Gaspipeline in die Luft gesprengt. Die Explosion habe sich rund 30 Kilometer nördlich der Stadt Deir el Sur ereignet, meldete SANA. Die Pipeline versorgte Elektrizitätswerke und eine Düngemittelfabrik, wie ein Sprecher des Ölministeriums sagte. Die Rebellen greifen häufiger Öl- und Gasanlagen an, um der Regierung finanziell zu schaden.

Erdogan ruft Assad erneut zum Rückzug auf

Unterdessen erhöhte die Türkei den politischen Druck auf das Nachbarland. Abermals rief der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan den syrischen Staatschef Assad zum Rücktritt auf. Mehr als 100 Länder hätten bereits die oppositionelle Syrische Nationalkoalition als legitimen Vertreter des syrischen Volkes anerkannt, sagte Erdogan in einer Rede in dem Grenzort Akcakale.

"Das bedeutet, dass mehr als 100 Staaten Assad nicht länger anerkennen. Das bedeutet, dass Assad gehen muss", zitierte die türkische Nachrichtenagentur Anadolu den Regierungschef. "Führer, die von ihrem Volk nicht mehr akzeptiert werden, können nicht an der Macht bleiben."

Nach Gesprächen mit Assad und dem russischen Außenminister Sergej Lawrow warnte der internationale Sondergesandte Lakhdar Brahimi vor einem Zusammenbruch der staatlichen Ordnung in Syrien. Im kommenden Jahr drohe eine Herrschaft der Kriegsfürsten mit bis zu 100.000 weiteren Toten, sagte Brahimi. "Wenn es in den kommenden Monaten keine Lösung gibt, werden Frieden und Sicherheit in der Welt von Syrien direkt bedroht. Die Alternativen sind: Eine politische Lösung oder der vollständige Zusammenbruch des syrischen Staates."

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