• The Wall Street Journal

Neues Unglück überschattet Shells Arktis-Ölpläne

    Von TOM FOWLER

Die großen Arktis-Bohrpläne des Ölkonzerns Royal Dutch Shell haben einen weiteren Schlag erlitten, nachdem eine Bohrinsel vor der Küste Alaskas im Sturm außer Kontrolle geraten und auf Grund gelaufen ist. Das Unglück habe sich bereits am Montagabend ereignet, teilten Eigentümer Shell und der schweizerische Betreiberkonzern Noble sowie die US-Küstenwache mit.

Associated Press

Ein Hubschrauber der US-Küstenwache evakuiert Mitarbeiter der Ölbohrplattform Kulluk, die am Montagabend im Sturm vor Alaska auf Grund gelaufen ist.

Die Plattform namens Kulluk hat rund 139.000 Gallonen Diesel geladen, außerdem eine Mischung aus rund 12.000 Gallonen Schmieröl und Hydraulikflüssigkeit. Nach Angaben der Küstenwache, die am Dienstag mit einem Flugzeug die Lage sondiert hat, ist aber bisher kein Leck entdeckt worden. Rettungskräfte sind bereits auf dem Weg in die abgelegene Region rund 480 Kilometer südwestlich von Anchorage, wo die Bohrplattform vor der Insel Sitkalidak festsitzt.

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Shell hatte Kulluk und eine weitere Plattform im vergangenen Jahr eingesetzt, um Probebohrungen nach Öl im arktischen Ozean vorzunehmen. Das Unterfangen war das erste dieser Art der USA in der Arktis seit mehr als zwei Jahrzehnten.

Aber die großen Bohrpläne, die von Branchenrivalen, der US-Regierung und Umweltschützern genauestens verfolgt wurden, kamen bald ins Stocken. Weil Shell auf unerwartet viel Eis in der Gegend stieß, konnte die Bohrsaison erst später als geplant beginnen. Schon die andere Plattform Noble Discoverer wäre im vergangenen Jahr beinahe auf Grund gelaufen, als sich ihr Anker löste.

Sicherheitssystem kaputt, Bohrungen verkürzt

Außerdem ging ein Teil der Ausrüstung zum Schutz vor Lecks wärend der Tests kaputt, weshalb Shell am Ende nur zwei der geplanten sechs Bohrlöcher fertigstellte. Eine Untersuchung der Noble-Plattform durch die Küstenwache nach der Bohrsaison stellte unter anderem Probleme mit den Sicherheitssystemen fest.

Shell hat schon mehr als 4,5 Milliarden US-Dollar in sechs Jahren für Genehmigungen, Personal und Ausrüstung ausgegeben, um Behörden und Einwohner von Alaska davon zu überzeugen, dass das Vorhaben umweltfreundlich und sicher sei. Der Konzern hatte trotz der Vorfälle im vergangenen Jahr angekündigt, in die Arktis zurückkehren zu wollen.

Der jüngste Zwischenfall aber schürt neue Zweifel an dem heiklen Projekt. Bei der verunglückten Kulluk-Plattform war in der vergangenen Woche im Sturm der Motor eines Schleppers ausgefallen, der die Bohrinsel von ihrem Einsatzort zurück nach Seattle ziehen sollte. Ein Ersatzschlepper und Boote der Küstenwache waren zu Hilfe geeilt, aber bei bis zu 14 Meter hohen Wellen und Sturmböen um 90 Stundenkilometer scheiterten alle Versuche, die Plattform anzuleinen. Am Abend entschieden die Betreiber des lahmenden Schleppers aus Angst um dessen Besatzung, die Zugseile zu kappen. Die Mannschaft auf der Bohrinsel war bereits evakuiert worden.

Schon vor dem neuesten Rückschlag am Montag hatten Konkurrenten in der Ölbranche bereits auf Shells Schwierigkeiten in der Arktis reagiert. So teilte der norwegische Ölkonzern Statoil mit, seine Bohrpläne in der Region vorerst nicht umzusetzen. Und der französische Konzern Total sagte im vergangenen Jahr, die Risiken eines Unfalls und einer möglichen Ölpest in einer ökologisch derart empfindlichen Gegend wie der Arktis seien für Unternehmen zu hoch, um dort weiter zu bohren.

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