• The Wall Street Journal

Intel-Chef Paul Otellini legt sein Amt nieder

    Von DREW FITZGERALD und MELODIE WARNER

Der Chiphersteller Intel muss sich einen neuen Chef suchen. Der amtierende Präsident und CEO des Konzerns, Paul Otellini, will sein Amt auf der Aktionärsversammlung im kommenden Mai niederlegen und in den Ruhestand gehen. Der einflussreiche Manager war vier Jahrzehnte für Intel tätig. Acht Jahre lang stand Otellini an der Konzernspitze.

Die Entscheidung des Managers trifft das Unternehmen unvorbereitet. Der Board sei von Otellinis Entscheidung überrascht worden, sagte eine mit der Sache vertraute Person.

"Die Entscheidung, in den Ruhestand zu gehen, war ganz allein die Paul Otellinis", sagte Intel-Sprecher Paul Bergevin. Der Board habe die Entscheidung "mit Bedauern" akzeptiert. In den kommenden sechs Monaten werde nach einem Nachfolger gesucht, dabei kämen interne und externe Kandidaten in Frage. Otellini werde dem Management nach seinem Rücktritt als Berater zur Verfügung stehen.

[image] Getty Images

Paul Otellini

Gleichzeitig beförderte Intel drei hochrangige Manager. Die Softwarechefin Renee James, COO Brian Krzanich und Finanzvorstand Stacy Smith wurden zu Vizepräsidenten ernannt. Das mache die drei Manager de facto zu heißen Kandidaten für die Nachfolge von Otellini, sagte Bernstein-Analyst Stacy Rasgon. Der Konzern aus dem kalifornischen Santa Clara habe schon des Öfteren Insider an die Konzernspitze berufen.

Von dem augenscheinlich geordneten Nachfolgeplan für den CEO zeigte sich Rasgon angesichts des Zeitpunkts überrascht. Schließlich stehe Intel "vor einer der größten Schlachten, die man je schlagen musste". Er habe nicht so früh damit gerechnet. Intel-CEOs würden normalerweise erst mit 65 Jahren in den Ruhestand gehen. Otellini ist aber erst 62.

Intel ist unter der Führerschaft von Otellini erheblich gewachsen. Der Konzern erzielte in seiner Amtszeit 107 Milliarden US-Dollar an Cash und schüttete 23,5 Milliarden Dollar als Dividende an die Aktionäre aus. Der Manager habe Geschäftspartnerschaften ausgeweitet und strategisches Zukäufe getätigt, durch die Intel im Geschäft mit Sicherheitstechnik, Software und mobiler Kommunikation jetzt stärker vertreten sei, hieß es von dem Konzern.

Allerdings hatte das Unternehmen den Boom von Tablet-PCs und Smartphones weitgehend verschlafen und kam deswegen zuletzt immer stärker unter Druck. Seit einiger Zeit versucht Intel gegenzusteuern. Mit den sogenannten Ultrabooks will der Konzern bei den Konsumenten punkten. Bei den Smartphones erhofft sich Intel steigende Marktanteile durch seine Produktreihe der Atom-Chips.

Die ganze Branche steckt derzeit mitten im Umbruch: Der neue Intel-Chef wird das Ruder in einer der stürmischsten Zeiten für die Chipindustrie übernehmen. Zwar ist Intel bei PC-Chips mit einem Marktanteil von rund 80 Prozent nach wie vor unangefochtener Marktführer. Die unsichere Wirtschaftslage und eine immer geringere Nachfrage nach klassischen PCs gefährden jedoch die seit jeher starken Margen des weltgrößten Hersteller von Mikroprozessoren. Selbst im bislang starken Geschäft in den Schwellenländern bröckelt inzwischen die Nachfrage, das Geschäft in den USA und Europa zeigt schon länger Schwäche. Gewinn und Umsatz des Konzerns gingen im dritten Quartal zurück.

Beim Intel-Konkurrenten AMD sieht es nicht besser aus. Der Hersteller von Chips für PCs und Server sowie von graphischen Prozessoren rutschte im dritten Quartal sogar in die roten Zahlen und reagierte mit einer drastischen Restrukturierung auf die anhaltende Misere. Unter anderem will AMD 15 Prozent der Belegschaft streichen und die Produktion von Chips auslagern, um die Fertigungskosten zu senken.

—Mitarbeit: Don Clark

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