• The Wall Street Journal

Bank of Japan entzieht sich dem politischen Druck

    Von MEGUMI FUJIKAWA und TATSUO ITO

Die japanische Notenbank hat sich am Dienstag dem wachsenden politischen Druck entzogen und ihre Geldpolitik unverändert gelassen. Analysten hatten durchweg damit gerechnet, dass die Bank of Japan (BOJ) vorerst keine neuen Lockerungsmaßnahmen ergreifen wird. Erst vor drei Wochen hatten die Währungshüter ein neues Bankenkreditprogramm und weitere Schritte beschlossen.

dapd

Devisenhändler in Tokio: Die japanische Zentralbank hat am Dienstag vorerst keine neuen geldpolitischen Schritte angekündigt. Das könnte sich im Dezember wieder ändern, sagen Analysten.

Das Programm zum Kauf von Wertpapieren – das wichtigste Instrument der japanischen Lockerungspolitik – behält damit seinen derzeitigen Umfang von 91 Billionen Yen (rund 875 Milliarden Euro) bei. Wie die Zentralbank mitteilte, will sie aber ihre Politik der „aggressiven geldpolitischen Lockerung kontinuierlich weiterverfolgen" und den Referenzzins auf fast Null halten sowie ihr Anleihenkaufprogramm stetig ausweiten.

In Japan bewegt sich der unbesicherte Tagesgeldzinssatz, zu dem sich Banken bei der Zentralbank Geld leihen können, innerhalb einer Bandbreite von 0,0 Prozent und 0,1 Prozent. Bei ihrem jüngsten Treffen am 30. Oktober hatte die BOJ ihr Programm zum Kauf von Staatsanleihen und riskanteren Wertpapieren um 11 Billionen Yen ausgeweitet und eine neue unbegrenzte Kreditlinie eingerichtet, um Banken die Kreditvergabe zu erleichtern.

Obwohl am Dienstag vorerst keine neuen Schritte veranlasst wurden, rechnen Analysten damit, dass die BOJ möglicherweise schon im Dezember ihre Geldpolitik weiter lockern könnte. Am 16. Dezember finden in Japan vorgezogene Neuwahlen statt und der Druck auf die Währungshüter ist groß.

In der vergangenen Woche machte sich der Chef der oppositionellen Liberaldemokratischen Partei, Shinzo Abe, öffentlich für eine radikalere Geldmengenerhöhung stark. Er stellt sich unbegrenzte Lockerungsmaßnahmen vor, um das Inflationsziel von 2 bis 3 Prozent zu erreichen. Die Zinsen sollen ihm zufolge auf Null gesenkt werden und die BOJ sollte sich direkt auf den Kauf bestimmter Staatsanleihen festlegen.

Seine Vorstellungen gehen weit über das hinaus, was die BOJ eigentlich unternehmen möchte, und zahlreiche Volkswirte haben die Ideen des Politikers schon kritisiert. Sie sagen, damit würde die Zentralbank im Grunde die massiven Staatsschulden finanzieren. Die Regierung wäre dann zwar wieder in der Lage, ihre Ausgaben zu erhöhen. Aber die BOJ riskiere, den Anleihenmarkt zu unterwandern, der trotz der wachsenden Schuldenlast in Japan bisher stabil geblieben ist.

Abes Vorschläge haben dazu beigetragen, dass der Kurs des Yen weiter gesunken ist. Viele glauben, dass die Liberaldemokraten bei den Wahlen an die Macht kommen und dass Abe sogar neuer Ministerpräsident werden könnte. Um 19.30 Uhr deutscher Zeit will der Notenbankgouverneur Masaaki Shirakawa auf einer Pressekonferenz zu den Ideen Abes Stellung nehmen. Anleger sind gespannt.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Haus der Woche

  • [image]

    Luft, Licht und klare Linien mitten in New York

    Offenes und luftiges Wohnen ist in New York Mangelware und purer Luxus. Dieses Apartment in einer ehemaligen Fabrik im Stadtteil Tribeca bietet eine Terrasse, freien Blick auf den Hudson - und vor allem viel Platz.

  • [image]

    Zu Besuch bei deutschen Start-ups

    Ständig wird über sie berichtet, ihre Dienste werden von Millionen genutzt: Deutsche Start-ups müssen sich vor der Konkurrenz aus den USA längst nicht mehr verstecken. Das zeigt auch ein Blick auf die Büros der jungen Firmen. Wir haben Onefootball, Eyeem, Wooga, Amorelie, Mymuesli, Researchgate und Outfittery in Berlin besucht.

  • [image]

    Die schlimmsten Stau-Städte der Welt

    Für alle deutschen Autofahrer im Stau gilt: Es geht noch schlimmer. Der Navigationsgeräte-Hersteller TomTom hat die Fahrzeiten in den Metropolen verglichen. Wir stellen die Stau-Hochburgen der Welt vor.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 23. Juli

    Sommerlaune in Schanghai, Pappmänner in Peru, Durchhalteparolen bei der Tour de France und ein Seiltänzer über den Dächern von Bangkok - schauen Sie sich unsere Fotos des Tages an!

  • [image]

    Einmal zum Mond und zurück

    Am 20. Juli 1969 gewannen die USA das Wettrennen zum Mond gegen die Sowjetunion. Die US-Astronauten Neil Armstrong und Edwin Aldrin setzten als erste Menschen einen Fuß auf den Mond. Ein Rückblick in Bildern.

  • [image]

    Die Chinesen lieben das Nickerchen im Möbelhaus

    Chinesen mögen es, an merkwürdigen Plätzen ein Schläfchen zu machen. Neu ist dieses Phänomen nicht. Ein Fotograf hat sich nun aber erstmals auf die Lauer gelegt und das seltsame Verhalten bei Ikea in Peking dokumentiert.

  • [image]

    Der neue Villen-Boom in Berlin

    „Arm, aber sexy" war gestern. Heute zeigt Berlin wieder Luxus. Besonders die Altbauvillen im Südwesten der Hauptstadt erleben derzeit eine neue Blütezeit.