• The Wall Street Journal

Fracking-Pioniere bekommen mehr Wettbewerb

    Von ALISON SIDER

Das Wort Fracking ist inzwischen in aller Munde. Der Boom bei der Schiefergasförderung in Nordamerika hat einen regelrechten Sturm der Unternehmen auf das lukrative Geschäft ausgelöst. Deswegen ist der Preis für das Druckbohren nach Öl und Gas in den vergangenen Jahren kräftig ins Rutschen geraten. Den Fracking-Pionieren macht das zu schaffen. Sie steuern jetzt gegen und bauen dabei auf neue Technologien, mit denen sie sich von den Wettbewerbern absetzen.

Einst sorgten die Ölfeldausrüster Schlumberger, Halliburton und BJ Services, mittlerweile eine Tochterfirma von Baker Hughes, nahezu allein für das notwendige Material zum Fracking in den USA. Damit halfen sie den Energieunternehmen, vorher unzugängliche Öl- und Gasschiefervorkommen auszubeuten. Der Erfolg stellte sich schnell ein. Mittlerweise sorgt Fracking für einen Boom in der US-Energieproduktion und gilt manchen sogar als Schlüssel für ein Wiedererstarken der Industrie des Landes.

Associated Press

Fracking, wie hier im US-Bundesstaat Colorado, ist für die Ausrüster ein lukratives Geschäft

Die drei Marktführer verdienten bislang satte Profite. Doch dies rief zahlreiche Konkurrenten auf den Plan. Bei den sogenannten Druckpumpen – der Königsdisziplin beim Fracking – sind inzwischen auch Wettbewerber aktiv, oft zu deutlich niedrigeren Preisen. Die Marktdominanz der drei etablierten Konzerne ist deshalb deutlich ins Wanken geraten. Beim Druckpumpen wird Wasser oder anderes Material in das Bohrloch hineingeschossen. Dadurch werden die Gesteinsschichten zertrümmert und Öl oder Gas kommt frei.

Die Geschäfte des größten Anbieters Halliburton laufen inzwischen nicht mehr so rund wie früher. Vor zwei Jahren fuhr das Unternehmen noch eine Marge von 27,5 Prozent ein, diese rutschte 2012 auf unter 20 Prozent. Im ersten Quartal dieses Jahres kamen die Texaner aus Houston sogar nur noch auf etwas mehr als 16 Prozent. Die Marktbeherrschung der drei Platzhirsche wird geringer. Sie kontrollierten 2012 nur noch knapp zwei Drittel des Marktes, im Vergleich zu 85 Prozent vor einer Dekade.

„Als Unternehmen hassen wir es, wenn wir uns mit 20 anderen Bietern herumschlagen müssen", sagt Mario Ruscev, Technologievorstand von Baker Hughes. „Das ist kein gutes Geschäftsmodell." Doch es gibt auch Hoffnung, dass die Preise für das Druckpumpen ihren Tiefpunkt gefunden haben und im Laufe des Jahres wieder klettern könnten: Mehr Ölförderung könnte auch mehr Nachfrage nach bisher ungenutztem Fracking-Equipment bedeuten.

Sollten die Gaspreise wieder anziehen, könnten die Energieunternehmen auch wieder mehr in die Förderung investieren. Noch halten sie sich wegen eines Überangebots zurück. Aber wenige rechnen mit einer Rückkehr zu den goldenen Tagen, als die Dienstleister satte Profite einfuhren und die Nachfrage nach Fracking-Ausrüstung das Angebot kräftig überstieg.

Kleinere Ölfelddienstleister wie Nabors Industries, Basic Energy und Patterson-UTI haben enorm in Druckpumpausstattung investiert, um auf dem Markt ihre Fußspuren zu hinterlassen. Und neue Start-ups zeigen: Die Eingangshürden für die Schiefergasförderung – wie hohe Anlaufkosten und technische Expertise – sind bei weitem nicht mehr unüberwindbar.

Die großen börsennotierten Ölfelddienstleister kontern derzeit: Sie nutzen ihre größeren Budgets, um leistungsstärkeres und effizienteres Equipment zu fertigen. Auch die Anstrengungen, den Kunden fundierte Informationen über das Fördergeschehen unter Tage an die Hand zu geben, soll sich auszahlen, hoffen die alteingesessenen Firmen. Das war in den frühen Tagen des Schiefergasbooms anders. Die Energieunternehmen wollten sich vor allem schnell die Ressourcen sichern und mit dem Bohren beginnen. Inzwischen seien sie anspruchsvoller und verlangten technisch mehr Rat und Tat. „Es geht voll und ganz um Risiken. Wenn wir zu ihnen kommen und ihnen zeigen, dass sie ihre Risiken signifikant senken können, zahlen sie uns dafür selbstredend auch mehr Geld", verdeutlicht Ruscev.

Inzwischen bevorzugen die Energieunternehmen die Förderung von ölreichen Schieferölreservoirs statt der Schiefergassschichten. Das kommt den großen Dienstleistern zugute, da hier mehr Spezialchemikalien und andere Hochtechnologie eingesetzt wird. Bei der Schiefergasförderung reicht oft brutale Kraft aus. Besondere Techniken, über die kleinere Firmen oft nicht verfügen, seien nicht notwendig, sagt Barclays -Analyst James West.

Aber der Trend zu Hochtechnologie wird oft nicht ausreichend honoriert. Schlumberger-Chef Paal Kibsgaard warnte Analysten im April davor, dass die US-Kunden nicht allzu enthusiastisch auf neuere, reibungslosere Technologie reagierten. Die gesamten Investitionen in die Schiefertechnologie würden eher kritisch betrachtet. Das Unternehmen aus Houston gibt für Forschung und Entwicklung mehr aus als die ewigen beiden Konkurrenten Halliburton und Baker Hughes zusammen.

Schlumberger will sich trotzdem beweisen und die Öl- und Gasförderung entscheidend vorantreiben. Dazu ging das Unternehmen eine Partnerschaft mit Forest Oil ein, um Schieferressourcen in Südtexas auszubeuten.

Auch Halliburton schläft nicht. Das Unternehmen will künftig mit weniger Ausrüstung auskommen, um Frackingkosten zu bremsen. Beim „Fracking der Zukunft" sollen besonders leistungsstarke Druckpumpen, die unter Hochdruck Wasser in das Bohrloch hineinpressen, länger halten und weniger Treibstoff verbrauchen als gewöhnliche Geräte. Das Unternehmen preist auch ein solarbetriebenes Vorratssilo an, das weniger Platz verbraucht und in dem typischerweise Hunderttausende Kilo Sand und andere Materialien gelagert werden, die dann ins Bohrloch gepumpt werden.

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