• The Wall Street Journal

Dem Kino droht ein Sommer der Kannibalisierung

    Von BEN FRITZ
[image] Warner Bros./Associated Press

Man of Steel: Warner Brothers lässt sich die Neuverfilmung des Superman-Epos mehr als 200 Millionen US-Dollar kosten.

In den Kinos sind in diesem Jahr viele Sitze leer geblieben. Umso größer ist der Druck in Hollywood, im Sommer mehr Zuschauer anzulocken. In den nächsten Monaten kommen 50 Prozent mehr teure Blockbuster-Filme heraus, ob die Zahl der Zuschauer in gleichem Maße steigt, muss sich noch zeigen.

Die Hochsaison in den Kinos beginnt an diesem Wochenende in den USA mit „Iron Man 3". Insgesamt erscheinen im Sommer etwa 22 Filme, die ein hohes Budget wieder hereinholen müssen, darunter Fortsetzungen, teure Action-Abenteuer und Animationsfilme, die fast alle mehr als 100 Millionen Dollar gekostet haben. Im vergangenen Jahr gab es nur 15 solcher Filme, und in den drei Sommern davor jedes Mal zwischen zwölf und 15.

Die Filmfirmen hoffen nun, dass die massive Welle an Blockbustern die Branche aus ihrer Winterstarre herausholt. Laut Hollywood.com sind die Einnahmen an den US-Kinokassen im Vergleich zum Vorjahr um zwölf Prozent gefallen.

Doch diese Strategie ist auch riskant: An sieben Wochenenden im Sommer werden zwei teure Filme gleichzeitig in die Kinos kommen, verglichen mit nur ein oder zwei Wochenenden mit einem solchen Start in den vergangenen Jahren.

Hollywood-Hits neu aufgelegt

Christopher Reeve als Clark Kent/Superman im ersten "Superman" von 1978. Der Film spielte 518 Millionen Dollar an US-Kinokassen ein.

Im Juni erscheinen gleichzeitig der Animationsfilm „Die Monster Uni" von Pixar und der Zombiefilm „World War Z" mit Brad Pitt. Der animierte Fortsetzungsfilm „Ich – Einfach Unverbesserlich 2" konkurriert am 3. Juli mit „The Lone Ranger", in dem Johnny Depp die Hauptrolle spielt. Eine Woche später kommen sowohl die Fortsetzung der Komödie „Kindsköpfe" (Sony Pictures) als auch der Roboter-und-Monster-Film „Pacific Rim" (Warner Brothers und Legendary Pictures) in die Kinos.

„Es ist ein beängstigender Sommer. Es ist, als laufe man durch den Himalaya, wenn man an diese riesigen Filme denkt", sagte Michael Lynton, Chef von Sony Pictures Entertainment, vergangene Woche bei der Global Conference des Milken Institute.

Wenn fast jedes Wochenende neue Hit-Filme erscheinen, geraten die Filme der Vorwoche schnell in Vergessenheit – es sei denn, die Mundpropaganda ist extrem positiv.

Paramount Pictures

World War Z: Verschoben von Dezember, um das Ende neu zu verfilmen, kommt der Film über den Zombie-Krieg mit Brad Pitt n un im Juni in die Kinos. Das Budget: 190 Millionen Dollar.

Columbia Pictures

White House Down - Sony Pictures finanzierte für 135 Millionen einen Film von Desastermeister Roland Emmerich.

Disney/Associated Press

Lone Ranger - Disneys Versuch, den maskierten Helden wiederzubeleben mit Johnny Depp als Tonto kostete 225 Millionen Dollar.

Filmstudios hoffen darauf, dass das Interesse an Filmen in der zweiten und dritten Woche nur moderat sinkt – nur dann haben sie eine Chance, auch unter dem Strich ein Erfolg zu werden.

„Man muss etwas mehr für das Marketing ausgeben, um den Zuschauern im Gedächtnis zu bleiben", sagt Rob Moore, stellvertretender Vorsitzender von Paramount. „Doch der größte Nachteil ist: Wenn ein Film nicht besonders gut ist und die Zuschauer mehrere Alternativen haben, fallen die Einnahmen umso schlechter aus."

Ein Film mit einem Budget von 100 Millionen Dollar muss weltweit etwa 250 Millionen Dollar einspielen, um am Ende einen Gewinn zu bringen. Für die teuersten Filme kann der für Profit nötige Umsatz auf bis zu 500 Millionen Dollar steigen. Floppt ein solcher Film hingegen, kann ein Studio dadurch mehr als 100 Millionen Dollar Verlust erleiden.

„Eine gewisse Kannibalisierung wird es sicher geben, mit so vielen Angeboten auf dem Markt", sagt Vincent Bruzzese, Chef der Worldwide Motion Picture Group, einer Analysefirma.

Doch die Zeichen stehen gut. „Iron Man 3", dessen Produktion etwa 200 Millionen Dollar gekostet hat, brachte in anderen Ländern bereits 307 Millionen Dollar ein und dürfte dieses Wochenende in den USA etwa 175 Millionen Dollar Umsatz liefern, berichten mit Umfragen vertraute Personen. Damit würde der Film den zweitstärksten Kinostart aller Zeiten hinlegen (die Inflation nicht mit eingerechnet), nach „The Avengers" im vergangenen Jahr. Beide Filme stammen aus den Marvel Studios von Disney .

Es ist schon vorgekommen, dass zwei große Filme am gleichen Wochenende in die Kinos gekommen sind und trotzdem erfolgreich waren – jedoch vor allem dann, wenn sie unterschiedliche Zielgruppen ansprachen. Doch in etlichen Fällen dürften diesen Sommer zwei Filme um das gleiche Publikum konkurrieren.

Viele Beobachter erwarten einen erbitterten Kampf um die Gunst des Kinopublikums zwischen „Hangover 3" und dem sechsten Film in der Reihe „Fast and Furious", die beide vor allem auf junge männliche Zuschauer zugeschnitten sind.

Warner Bros., eine Sparte des Time-Warner-Konzerns, hat für die Fortsetzung von „Hangover" 103 Millionen Dollar ausgegeben. Der neue „Fast and Furious"-Film hat Universal Pictures etwa 160 Millionen Dollar gekostet.

Dan Fellman, Vorsitzender bei Warner für den Filmverleih in den USA, glaubt, dass es genug Spielraum für beide Filme gibt. Eine Sprecherin von Universal äußerte sich ähnlich.

Auch in anderen Ländern fallen die Kinostarts einiger großer Filme zusammen. In Australien kommen „Ich – Einfach Unverbesserlich 2", „Die Monster Uni" und „World War Z" alle gleichzeitig in die Kinos; in Brasilien starten „The Lone Ranger" und „Man of Steel" am gleichen Wochenende.

„The Lone Ranger" hat nach Schätzungen zwischen 225 und 250 Millionen Dollar verschlungen, während die Superman-Verfilmung „Man of Steel" einen Einsatz von mehr als 200 Millionen Dollar erforderte. „World War Z" hat etwa 190 Millionen Dollar gekostet.

Ebenfalls riskant ist, dass zehn der Filme, die diesen Sommer erscheinen, weder Fortsetzungen noch Neuverfilmungen sind, verglichen mit nur fünf solchen Filme im vergangenen Jahr. Laut Bruzzese bringen neue Filme meistens etwa 35 Prozent weniger an der Kinokassen, wenn sie keine Fortsetzung eines schon bekannten Plots sind.

Seit Jahren versuchen Filmstudios mehr „Erlebnisfilme" zu produzieren, die bei ganz unterschiedlichen Zuschauern auf der ganzen Welt beliebt sind. 69 Prozent der Filmumsätze wurden vergangenes Jahr außerhalb der USA erzielt.

Hollywood nimmt die Risiken dieser großen Menge an Filmen in Kauf, da auch ein weiterer Vorteil daraus entstehen könnte. Studien zeigen, dass die Häufigkeit von Kinobesuchen exponentiell steigt. „Der Besuch im Kino ist eine Angewohnheit", sagt Jeffrey Katzenberg, CEO von Dreamworks Animation . „Wenn Leute gute Filme sehen, wollen sie noch mehr davon."

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