• The Wall Street Journal

Profitiert Apple vom umgekehrten Januar-Effekt?

    Von JACK HOUGH

Die Großen auf dem Aktienmarkt mussten in den letzten Tagen des alten Jahres einiges einstecken - so auch Tech-Riese Apple . Einige Beobachter machen dafür nicht harte Fakten, sondern Steuertricks verantwortlich.

Nach der Einigung im Washingtoner Haushaltstreit steigt die Kapitalertragssteuer in den USA von 15 auf 20 Prozent an. Anleger mit einem Nettoeinkommen von über 200.000 Dollar müssen auf ihre Gewinne zudem noch 3,8 Prozent mehr für die Sozialversicherung drauflegen. Wer seine Aktien behält, zahlt zwar gar nichts. Trotzdem ist das Jahresende eine gute Verkaufsgelegenheit gewesen – zumindest, wenn die Papiere gut liefen und die Anleger so ohnehin mit dem Gedanken, zu verkaufen, gespielt haben.

Associated Press

Apple gehörte im Jahr 2012 zu meistdiskutierten Unternehmen bei den Anlegern.

Das trifft besonders auf die Aktie von Apple zu. „Apple fällt aus einem einfachen Grund" erklärte CNBC-Moderator Jim Cramer seinen Zuschauern im Dezember. „Die meisten Aktionäre haben hohe Kapitalzugewinne". Die Anteilsscheine des Tech-Giganten haben in den drei Jahren bis einschließlich des dritten Quartals vergangenen Jahres 260 Prozent gewonnen, im vierten Quartal ist der Kurs dann um 20 Prozent gesunken. Wenn Cramer recht hat, dann ist die Verkaufswelle aber nun vorbei.

Normalerweise bewirkt der sogenannte Januar-Effekt, dass schlecht laufende Aktien in den ersten Januarwochen überdurchschnittlich gut abschneiden. Die Anleger trennen sich im Dezember von den Papieren, um für die Steuer Verluste zu erzeugen. Daher erholen sich die Preise im neuen Jahr wieder. Wenn es diesen Januar-Effekt tatsächlich gibt, dann dürfte er in diesem Jahr umgekehrt ausfallen. Denn Anleger haben im Dezember Gewinner verkauft und Verlierer gehalten.

Zahlen aus dem S&P 500 belegen das: Die 10 Prozent der Aktien, die in den drei Jahren bis September am besten gelaufen sind, haben seitdem im Schnitt um 3 Prozent nachgegeben. Das untere Zehntel dagegen hat um 3 Prozent gewonnen.

Bei Apple ist es jedoch schwierig, die Steuereffekte von den grundlegenden Ängsten der Anleger zu trennen. Anfang Dezember etwa senkte Citigroup-Analyst seine Bewertung der Apple-Aktie auf Neutral; als Grund nannte er gestrichene Aufträge bei Zulieferern für das iPhone 5 und die Kannibalisierung des iPads durch das weniger lukrative iPad mini. Auch die Gespräche mit Chinas größtem Mobilfunkanbieter China Mobile über eine Einführung des iPhone 5 für die 700 Millionen Kunden des Betreibers scheiterten. Stattdessen verkündete China Mobile im Dezember einen Abschluss mit Nokia .

Aber für Januar-Investoren erscheint Apple eine sichere Wette. Die Marktkapitalisierung beträgt das Elffache des erwarteten Gewinns für dieses Jahr; der Schnitt im S&P 500 liegt bei dem Vierzehnfachen.

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