• The Wall Street Journal

Die wichtigsten Trends für Start-ups

    Von JAMES BESHARA

James Beshara, Mitgründer und CEO des Start-ups Crowdtilt.com, beschreibt für das Wall Street Journal die fünf Dinge, die für Start-ups 2013 wichtig werden.

dapd

Websites nach dem Crowd-Prinzip. Das Konzept wird sich weiter etablieren, glaubt James Beshara.

1. Unsere Handys werden zur Fernbedienung unseres Lebens. Wenn es etwas gibt, was wir im Leben benötigen, wird es eine App dafür auf unserem Handy geben – so einfach ist das. Unsere Handys sind der Erste-Hilfe-Kasten für alle Probleme der Ersten Welt.

Egal, um was es sich dreht – es gibt eine App dafür: Eine Taxifahrt durch den Regen (MyTaxi, Uber, Lyft), einen Mechaniker (YourMechanic), einen Arzttermin (ZocDoc), eine Fernbedienung (Apple TV), einen persönlichen Assistenten (Exec), Kuchenbäcker (Zaarly) oder Lebensmittel (Instacart). Selbst wenn es Ihnen etwas kalt wird und die Temperatur nach oben regeln wollen gibt es dafür eine App: Nest. Unsere Handys sind Portier in jeder Lebenslage.

Zwar sind viele der Dienste noch nicht in den gesamten USA verfügbar, geschweige denn der ganzen Welt – doch die Bequemlichkeit der Dienste haut mich jedes Mal schier um, wenn ich sie nutze.

2. Das Crowdfunding-Prinzip etabliert sich weiter. Wir als Internetnutzer fühlen uns mit einer neuen – manche würde auch sagen sehr alten – Form des Handels zunehmend wohl. Bei dem Modell bestellt ein Mäzen, Kunde oder Konsument etwas, das es noch gar nicht gibt. Nach dem Groupon-Prinzip (Massenbestellungen von tagesaktuellen Angeboten) und dem Vorbild von Kickstarter, welche das Crowdfunding von Filmen bis Hardware ermöglicht, macht unsere Website Crowdtilt ambitionierte Gruppenerlebnisse möglich – wie beispielsweise eine Halloween-Yacht-Party.

Diese neue Art der Wirtschaft benötigt Geld, eine Gruppe von Leuten und eine bestimmte Nachfrageschwelle, die überschritten werden muss, bevor der Handel stattfindet. Die Kommunikation vor dem eigentlichen Handel ist für beide Seiten gut: Der Verkäufer sichert sich die Nachfrage vor der Produktion und der Käufer bekommt das Produkt sogar zum Vorzugspreis.

2012 war das Jahr sehr erfolgreicher Crowdfunding-Projekte wie App.net und Lockitron.com, die Millionen von Dollar durch Crowdfunding erhielten. Ich glaube, dass sich 2013 das Crowdfunding-Modell noch weiter in neuen Geschäftsbereichen etabliert.

3. Die Zeit der Sensoren ist angebrochen. In unseren Taschen tragen wir Geräte mit uns herum, die Informationen aus der Welt um uns herum kontrollieren, lesen und anzeigen können – und das alles immerzu und drahtlos.

Es gibt Hardware-Bastler, die durch Innovationen immer günstigere und sofort einsetzbare Sensoren ermöglichen. Dadurch entstehen Produkte wie der Gesten-Controller Kinect der Xbox, der drahtlosen Haushaltssteuerung Wemo von Belkin, Fitness-Geräte für Smartphones wie Fitbit und Up von Jawbone bis hin zum Ersatz von Brettspielen wie Stifteo oder Start-ups wie Wattvision, die Sensoren zur Heizungsmessung herstellen.

Wenn schlaue Geräte wie unsere Handys, Tablets und ausgefeilte Navigationssysteme in unseren Autos die Gehirne darstellen, wird es Zeit, ihnen Glieder zu geben.

4. „Scheinriesen" auf der Suche nach einem Geschäftsmodell (oder Käufern). Tumblr, Foursquare, Quora und Twitter werden als große Unternehmen des Start-up-Ökosystems wahrgenommen. Doch in Sachen Umsätze und Geschäftsmodell sind sie kaum wahrnehmbar. Seit dem Börsengang von Facebook , hat das Social Web seinen Glanz verloren.

Glauben Sie, dass der Social-Trend tot ist? Ich glaube das Gegenteil. Das Web ist immer noch reif für mehr soziale Möglichkeiten. Doch während diese Unternehmen bewiesen haben, dass sie ihr Publikum finden können, kommt nun die Stunde der Wahrheit, in der sie beweisen müssen, dass sie aus diesem Publikum auch ein Geschäft machen können. Erst das wird klären, ob das Publikum die Firmen als Übernahmekandidaten für Unternehmen wie Google oder Yahoo interessant macht.

Was immer diese finanziell groß angelegten und hoch bewerteten Start-ups 2013 tun – ihr Verhalten wird vermutlich von der Notwendigkeit getrieben sein, ihre massive Bewertung zu rechtfertigen. Diese Form des Drucks ist für Gründer und Geschäftsführer von Unternehmen, die diesen Punkt erreicht haben, nichts Neues. Es wird jedoch interessant sein, welche Richtung jedes der Start-ups in den kommenden zwölf Monaten einschlägt.

5. 2012 ein Unternehmen zu gründen war einfach – schwierig wird es, 2013 zu überleben. Ich hörte, es sei eine gute Zeit ist, um Unternehmer zu werden. Ich sage: Es ist eine tolle Zeit, Konsument zu sein. Wir haben Apps, Dienste und Wettbewerb um unser Geld und unsere Aufmerksamkeit – und schlaue Menschen arbeiten daran, eine Menge unserer Probleme zu lösen.

Unternehmer hatten in den vergangenen zwei Jahren gute Finanzierungsbedingungen – aber wollen Sie wirklich in der Haut eines Unternehmers stecken? Die Finanzierung macht noch keine Firma aus. Nie war es schwieriger, ein Unternehmen zu formen. Jeder Grund, der dafür spricht, heute ein Verbraucher zu sein – all die Apps, all die Dienste – bedeutet gleichzeitig, dass es niemals schwieriger war, ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen. Es gibt nicht nur einen harten Wettbewerb um Aufmerksamkeit und Kunden, sondern zunehmend auch um die weitere Finanzierung oder die richtigen Angestellten, die das Unternehmen wachsen lassen.

Der Bedarf an Finanzierung und großartigen Leuten übersteigt angesichts der Vielzahl an Start-ups das Angebot. 2013 werden wir eine Menge Konsolidierungen bei Start-ups sehen. So wie es in der Serie „Lost" heißt: „Zusammen leben, einsam sterben".

Folgen Sie James Beshara auf Twitter: @jjbeshara

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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