• The Wall Street Journal

Riskante Jagd nach der Rendite

    Von TOM LAURICELLA

Die Zinsen auf den Weltmärkten sinken, weil die Zentralbanken rund um den Globus Geld in die Finanzmärkte pumpen. Staatsanleihen dürften sich also im kommenden Jahr kaum rentieren. So sieht es danach aus, dass die Anleger auch 2013 auf der Suche nach Gewinnen hohe Risiken in Kauf nehmen – etwa mit Junk-Bonds, Staatsanleihen von Entwicklungsländern oder abenteuerlichen Beteiligungsmodellen.

„Die Suche nach Gewinnen wird noch schwieriger", sagt Rebecca Patterson, die beim Vermögensverwalter Bessemer Trust rund 75 Milliarden US-Dollar verwaltet. Sie sieht bei manchen Produkten die Risiken „hinter den Kulissen", sagt sie – so etwa bei Junk-Bonds, die jetzt mit laxerem Investorenschutz als sonst herausgegeben werden.

Doch die Investoren gieren nach Produkten mit hohen Erträgen, und die Unternehmen bedienen sie. Im Jahr 2012 wurden Junk-Bonds für den Rekordwert von 350 Milliarden US-Dollar herausgegeben. Im vierten Quartal hatten etwa 40 Prozent davon einen schwächeren Anlegerschutz, als es normal ist.

Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Auch hochrentable Immobilienfonds haben ungewöhnlich viele Anteile herausgegeben. Ebenso so genannte Master Limited Partnerships, eine Form der Kommanditgesellschaft, die vor allem Beteiligungen im Energiebereich ermöglicht. Eine weitere exotische Form der Geldanlage, die zurzeit boomt, sind die so genannten Business Development Companies – öffentlich gehandelte Risikokapitalfonds, die den Großteil ihrer Gewinne an die Anleger auszahlen.

Auch Collateralized Loan Obligations – Ansammlungen riskanter Unternehmensanleihen – kommen nach der Finanzkrise zurück. Bei den CLOs ist das Volumen von 2011 aufs vergangene Jahr um das Dreifache gestiegen, ergeben Zahlen der Investmentbank J.P. Morgan Chase.

Im Jahr 2012 haben sich die riskanten Finanzprodukte als Gewinnbringer erwiesen. So warfen etwa Unternehmensanleihen mit dem schlechtesten Rating „CCC" 18,3 Prozent ab, wie Daten der britischen Bank Barclays ergeben. Anleihen von kleineren Schwellenländern haben nach Zahlen der Investmentbank J.P. Morgan sogar 21,5 Prozent gebracht, obwohl die Elfenbeinküste im Vorjahr zusammengeklappt ist und das gleiche Belize passieren könnte. Zehnjährige US-Staatsanleihen haben nach Barclays-Berechnungen dagegen übers Jahr verteilt nur 3,8 Prozent abgeworfen.

Jan Loeys, Chef der Vermögensverwaltung bei der Investmentbank J.P. Morgan, verweist auf die kontinuierlich angestiegene Nachfrage nach Anleihen von Schwellenländern als Zeichen für überschäumende Märkte. Besonders die Gewinne von Mexikos 100-jährigen Staatsanleihen erstaunen ihn. Die Rendite ist seit der Emission im Jahr 2010 von 6,1 Prozent auf 4,5 Prozent gesunken – die Rendite und der Kurs verlaufen gegensätzlich.

Zwar ist Mexiko in den vergangenen 100 Jahren dreimal zusammengeklappt. Aber Anleger kaufen laut Loeys „weil jeder andere kauft". So ist der Bonds im Jahr 2012 um 19 Prozent gestiegen, wie Daten von J.P. Morgan ergeben.

Die Angst davor, dass die Investitionen sich als Schlag ins Wasser herausstellen, wird von ständigen Geldspritzen von Fed, EZB und anderen Noten- und Zentralbanken ausgeschaltet. Die Staatsbanken dürften im kommenden Jahr noch freudiger Geld auf den Markt werfen als bisher, glaubt Edward Marrinan, Kreditanalyst bei der Amerika-Sparte der Royal Bank of Scotland . Laut der RBS werden die Staaten und die Unternehmen mit Investment-Note im Jahr 2013 Schuldscheine über 1,3 Billionen US-Dollar, oder eine knappe Billion Euro, herausgeben – die fällig werdenden Schulden abgezogen.

Die Fed dürfte davon Schuldscheine für etwa eine Billion Dollar kaufen, so dass nur Schulden von 300 Milliarden übrig bleiben. Im Jahr 2012 waren noch Schulden für rund 1,3 Billionen Dollar auf dem Markt. So dürften die Kurse der Schuldscheine anziehen. „Es gibt einfach nicht allzu viel Angebot", sagt Marrinan.

LEFT: Associated Press RIGHT: Reuters

Pumpen Geld in den Markt und heizen so die Risikofreude an: Fed-Chef Ben Bernanke und EZB-Präsident Mario Draghi.

Unternehmensanleihen waren auch beliebt. So haben im Jahr 2012 die Fonds von Unternehmenspapieren mit Investment-Grade 131 Milliarden US-Dollar eingespielt, wie Zahlen des Datendienstleisters Lipper ergeben - im Vorjahr waren es nur 75 Milliarden. Bonds von risikoreichen Unternehmen legten auf gut 30 Milliarden Dollar zu, mehr als das Doppelte vom Vorjahr.

Das Paradoxe daran: Die Anleger wollten immer mehr Unternehmensanleihen, obwohl die Renditen stetig sanken, sowohl bei kreditwürdigen als auch bei riskanten Papieren. Laut RBS warfen Mitte Oktober Anleihen von Unternehmen mit Investment-Status in den USA 2,6 Prozent ab, riskante Papiere Stand Dezember 5,9 Prozent – beides Rekordtiefs. „Wir wissen, dass das nicht nachhaltig ist", sagt Marrinan.

Denn bei derartig niedrigen Zinsen braucht es nur einen geringen Anstieg für starke Kursrückgänge. Die zehnjährigen US-Staatsanleihen werfen etwa 1,7 Prozent ab. Würde die Rendite um einen Prozentpunkt steigen, ginge der Kurs um 9,2 Prozent zurück, wie Daten von Vanguard ergeben. Bei einem Index von Unternehmensanleihen zwischen fünf und zehn Jahren würde ein Zinsanstieg von einem Prozentpunkt zu einem Preisabschlag von 6,4 Prozent führen.

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